Die Bahn testet einen selbstfahrenden Bus in Berlin – Wir haben nachgefragt

Stefan Bubeck

Auf dem Gelände des Euref-Campus in Berlin-Schöneberg dreht seit einigen Wochen ein Roboterbus seine Runden und bringt Passagiere zum Ziel. Wir haben der Pressestelle der Bahn ein paar Fragen dazu gestellt.

DB testet autonom fahrenden Busverkehr.

Auch wenn es die Nörgler nicht glauben wollen: Die Deutsche Bahn hat eine moderne und zukunftsorientierte Seite. Das zeigt sich beim kostenlosen WLAN in ICE-Zügen, aber auch beim Herantasten an die Mobilität der Zukunft abseits des Schienennetzes. Zahlreiche Autohersteller bereiten die Revolution der Robotorfahrzeuge bereits vor – da stellt sich die Frage, wann wir im öffentlichen Nahverkehr autonome Busse sehen werden.

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In Berlin rollt aktuell der fahrerlose Kleinbus „Olli“ im Rahmen eines Testbetriebs über die Straßen eines Privatgeländes in Berlin-Schöneberg. Der Bus bietet Platz für acht Personen und stammt zum Teil aus dem 3D-Drucker. Die Mitarbeiter des Forschungszentrums InnoZ, das sich auf dem Gelände befindet, sind fleißig am Testen.

Interview mit der Deutschen Bahn: „Frühzeitig Erfahrungen im Kundenbetrieb sammeln“

Wird das die Zukunft? Das Promo-Video der Deutschen Bahn ist zwar vielversprechend, aber wir hatten da trotzdem noch ein paar Fragen. Ein DB-Sprecher hat uns freundlicherweise Auskunft gegeben.

1. Wie steht es um die Akzeptanz seitens der Fahrgäste – lässt sich hier bereits ein Fazit ziehen?
Deutsche Bahn: Aktuell läuft der Test in Berlin noch, eine finale Bewertung gibt es deshalb noch nicht. Grundsätzlich sind die Fahrgäste sehr interessiert an dem DB-Shuttle und reagieren positiv auf das Angebot. Spätestens während einer Fahrt sind vereinzelte Berührungsängste abgebaut. Wir wissen jetzt bereits, dass sich die Fahrgäste einen Busverkehr mit höherer Geschwindigkeit wünschen, und werten das als positives Zeichen des Vertrauens in den aktuellen Testbetrieb.

2. Viele Menschen fürchten, dass Automation ein „Jobkiller“ sein könnte – wie schätzen sie diese These ein?
Deutsche Bahn: Die Digitalisierung verändert die Mobilität und damit auch die Arbeitswelt in der Branche rasant. Berufe entwickeln sich weiter, insbesondere in unserem Kerngeschäft, im Bahnbetrieb. Einige Tätigkeiten werden über die Jahre wegfallen, andere kommen neu hinzu. Die Deutsche Bahn bereitet sich schon heute auf diese Veränderungen vor und gestaltet die Arbeitswelt der Zukunft aktiv, in enger Verzahnung mit Tarif- und Sozialpartnern, Betriebsräten und Mitarbeitern aller Unternehmensbereiche. Beispielhaft dafür steht der Tarifvertrag „Arbeit 4.0“, mit dem die Deutsche Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) in diesem Jahr Maßstäbe gesetzt haben. Grundsätzlich gilt bei der DB Beschäftigungssicherung, das heißt, dass es bei der DB, als eines der ganz wenigen Unternehmen in Deutschland, keine betriebsbedingten Kündigungen gibt.

3. Technikfans können es kaum erwarten, bis selbstfahrende Fahrzeuge als Service den öffentlichen Verkehr erobern – warum starten wir nicht sofort damit, was sind die Hürden?
Deutsche Bahn: Die Deutsche Bahn hat als erstes Unternehmen in Deutschland Testfelder und Piloten mit elektrisch betriebenen, fahrerlosen Bussen gestartet und ist damit Vorreiter beim autonomen Fahren im öffentlichen Verkehr. Mit weiteren Piloten werden wir die Komplexität sukzessive steigern und so die Fahrzeuge immer intelligenter machen. Uns ist wichtig, dass wir frühzeitig Erfahrungen im Kundenbetrieb sammeln. Als Deutsche Bahn kennen wir die Kundenbedürfnisse im öffentlichen Verkehr sehr gut. Vernetzte Verkehre werden verstärkt nachgefragt, darin liegt die Zukunft. Umso wichtiger ist, dass neuen Angeboten wie autonom fahrenden Bussen auch vertraut wird und wir die Technologie mit unseren Partnern für den öffentlichen Verkehr weiterentwickeln. Die frühen Lerneffekte aus unseren Tests sind daher in vieler Hinsicht extrem wertvoll. Unsere zentrale Erfahrung bisher: Die DB Shuttle-Fahrgäste verstehen, dass das Testfeld nur ein erster Schritt ist, auf dem Weg hin zu einer individuellen Mobilität ohne eigenes Auto. Weil es eine hoch attraktive Ergänzung zum bisherigen öffentlichen Verkehr darstellt, umweltfreundlich und „on demand“.

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