Telekom: Kunden tragen Mitschuld am schlechten Mobilfunknetz in Deutschland

Simon Stich 18

Tragen wir eine Mitschuld an den ganzen Funklöchern in Deutschland? Ja, zumindest teilweise, meinen die großen Provider. Einige Bürger würden sich erbittert gegen Mobilfunkstationen in ihrer Nähe wehren, was den Ausbau deutlich erschwert. Darunter leiden wir am Ende alle.

Telekom: Kunden tragen Mitschuld am schlechten Mobilfunknetz in Deutschland
Bildquelle: GIGA.

Telekom: Widerstand gegen Mobilfunkmaste nimmt zu

Wer mobil telefonieren oder surfen möchte, der ist auf eine entsprechende Infrastruktur angewiesen. Diese wird von den Providern wie der Telekom, o2 und Vodafone bereitgestellt – oder eben nicht. Wo es keine Mobilfunkmaste gibt, wird es schwer mit der Mobilität. Nun beklagt sich die Telekom darüber, dass der Widerstand gegen die mobile Infrastruktur landesweit immer mehr zu spüren ist. „Bei etwa jeder zehnten Gemeinde – und auch das will ich nicht verschweigen – stoßen wir mit unserem Angebot, die Funkversorgung zu verbessern, auf Widerstand“, meint Walter Goldenits, der bei der Telekom als Geschäftsführer Technologie beschäftigt ist.

Mitunter sind es auch nicht die Bewohner selbst, die gegen die Errichtung von Mobilfunkmasten vorgehen, sondern Naturschutzbestimmungen und baurechtliche Verfahren, die im Weg stehen. Menschlichen Widerstand erfahren die Netzbetreiber vor allem in Baden-Württemberg. Bürgerinitiativen kämpfen gegen den mobilen Ausbau unter anderem in Stuttgart, Mannheim, Schorndorf, Waiblingen, Ludwigsburg und Kernen.

Geradezu paradox erscheint dabei die Tatsache, dass sich zwar viele Bürger einen Ausbau der Mobilfunkstation wünschen, ihn in ihrer eigenen Gemeinde aber strikt ablehnen. „Wir warten derzeit bei Hunderten von Sendemasten auf Genehmigungen“, gab Telekom-Chef Tim Höttges bei der Bekanntgabe der letzten Quartalsergebnisse zu Protokoll.

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Kurioser Fall: Mobilfunkmast wird wieder abgebaut

Selbst wenn ein Mobilfunkmast bereits steht, bedeutet das in Deutschland nicht, dass er dort auch bleiben darf. Ein besonders kurioser Fall hat sich jetzt in Ludwigsburg nahe Stuttgart ereignet. Nach Informationen von golem.de ließ ein Landrat einen Mast wieder abbauen – als Gefallen für einen nicht namentlich genannten Prominenten, der im Ort wohnt. Dieser hatte sich über die Mobilfunkstation beschwert, weshalb der Pachtvertrag mit den Betreibern schlicht nicht verlängert wurde.

Ein für das Gebiet verantwortlicher Mitarbeiter kann es nicht fassen: „Das Dach des Wohnheimes war optimal: weit und breit das höchste Gebäude und genau an der funktechnisch richtigen Stelle. Ein adäquater Ersatzstandort wäre ein mindestens dreißig Meter hoher Mast im Wohngebiet, selbstverständlich ohne jede Aussicht auf Genehmigung“.

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