Mobilfunkverträge mit unbegrenztem Datenvolumen: Ist die Zeit schon reif?

Sven Kaulfuss 4

Diese Woche überraschte die Telekom mit einem innovativen Angebot: Ein Mobilfunktarif mit echter Datenflatrate und ab sofort keine nervende Volumenbegrenzung mehr mit anschließendem Schneckentempo. Ein Vorbild für den Rest der Branche oder aber nutzloses PR-Geplänkel? Ich bin mir da nicht ganz sicher.

Mobilfunkverträge mit unbegrenztem Datenvolumen: Ist die Zeit schon reif?
Bildquelle: pixabay.com.

Die Vertragsdaten des „MagentaMobil XL“-Unlimited-Tarifs versprechen für die datenhungrigen Millennials ein Festmahl zu werden: LTE mit bis zu 300 MBit/s deutschlandweit, im europäischen Ausland gibt’s großzügige 23 GB (monatlich) – immerhin. Kosten? Knapp 80 Euro im Monat (ohne Smartphone). Klingt für hiesige Verhältnisse recht fair. Zwar findet sich im Kleingedruckten noch der einer oder andere Fallstrick (kein dauerhafter DSL-Ersatz für zu Hause, EU-Roaming ohne Schweiz), derlei Einschränkungen dürften jedoch zu verschmerzen sein. Fällt jetzt die Volumenbeschränkung auch bei den anderen Anbietern und zukünftig vielleicht generell?

Die Volumenbeschränkung muss fallen?

Ein Teil von mir und sicherlich auch von euch liebe Leser wünscht sich dies mit Sicherheit. Die Vorteile liegen doch augenscheinlich klar auf der Hand:

  • Ab sofort mobil in Ruhe surfen und wirklich alle Dienste des Internets ohne Einschränkungen auch unterwegs nutzen – Filme schauen, den eigenen YouTube-Channel mit 4K-Inhalten füllen, Cloud-Backups anfertigen, riesige System-Updates einspielen und vieles mehr. Die Traffic-Kontrolle entfällt fortan – wunderbar!
  • In Zukunft und sobald die Telekom die derzeitige Beschränkung fallen lässt, bedarf es nur noch eines einzigen Anschlusses. Kein separater DSL- oder Kabelvertrag mehr, für zu Hause nutzen wir kurzerhand eine Multi-SIM mit einem LTE-Router – wie einfach ist das denn?
  • Langfristig sinken die Kosten, eben auch weil man nur noch einen Anschluss benötigt.

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

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GIGA-Leser sind mobile „Daten-Junkies“ und zugleich Sparfüchse.

Die Volumenbeschränkung muss bleiben?

Doch nicht so voreilig, würde eine baldige Beendigung der Datenvolumenbeschränkung im Mobilfunknetz tatsächlich nur Vorteile bringen? Bei genauerer Überlegung kommen mir langsam Zweifel:

  • Die Netzbelastung würde wohl rasant ansteigen, eben auch weil nicht wenige fortan auf ihren Festnetzanschluss fürs Internet verzichten würden. Von der Maximalgeschwindigkeit würde nicht mehr allzu viel übrig bleiben – alle surfen fortan „gleich langsam“.
  • Unter Umständen würden in Zukunft günstigere Verträge verschwinden, da Optionen mit Volumenbeschränkung entfallen. Oder aber äquivalent zu den Kabel- und DSL-Netzen findet die Unterscheidung fortan über die Geschwindigkeit statt. Wer wenig verbraucht, aber ein schnelles Netz bevorzugt, findet dann vielleicht bald keine Angebote mehr.
  • Überhaupt: Was machen wir mit der ganzen Infrastruktur für DSL- und Kabelleitungen, wenn viele fortan nur noch mobiles Internet nutzen? Die Fixkosten würden die Konzerne doch auf alle Kunden umlegen, perspektivisch könnte es also sogar wieder teurer werden.

Ich bin ehrlich, eine abschließende Meinung habe ich mir noch nicht bilden können, bin hin und hergerissen. Selbstverständlich würde der Wegfall der Volumenbeschränkung im Mobilnetz ein Zugewinn an Komfort bedeuten, doch zu welchem Preis? Eure Meinung interessiert mich jetzt aber brennend.

Die Telekom bietet als erster Provider einen Mobilfunkvertrag ohne Begrenzung des Datenvolumens mehr. Noch kostet der Service 80 Euro im Monat, sollte dies nur der Anfang sein und die Traffic-Beschränkung gänzlich fallen?

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