Telekom: Vectoring kommt, Mitbewerber laufen Sturm

Selim Baykara 1

Die Telekom darf die umstrittene Vectoring-Technik einsetzen, die es Kunden des Unternehmens ermöglichen soll, noch schneller im Internet zu surfen. Allerdings geht das zu Lasten anderer Anbieter, die dementsprechend auch heftig gegen die Einführung von Vectoring protestieren. Lest hier was es mit dem Vectoring der Telekom auf sich hat und ob die neue Technik auch Nachteile mit sich bringt.

Telekom: Vectoring kommt, Mitbewerber laufen Sturm

Telekom: Vectoring wird von Bundesnetzagentur erlaubt

Bereits seit einigen Monaten stand die Frage, ob die Telekom Vectoring einsetzen darf, zur Diskussion: Jetzt hat die Bundesnetzagentur grünes Licht gegeben. Die Regulierungsbehörde erlaubt der Telekom mit einigen kleinen Ausnahmen die neue Technik einzusetzen, bei der der Datendurchsatz von bestehende Kupferleitungen erhöht wird. Damit sollen theoretische Geschwindigkeiten von bis zu 100 MBit pro Sekunde im herkömmlichen Kupfernetz möglich sein.

 Zum Thema: Was ist Vectoring?

Vectoring ist eine Technik, die die Übertragungsgeschwindigkeit von Kupferleitungen erhöht. Durch den Ausgleich von elektromagnetischen Störungen zwischen den Leitungen soll eine Verdoppelung der Bandbreite erzielt werden - Verbraucher können somit schneller im Internet surfen. Im Normalfall sollen Geschwindigkeiten von mindestens 50 Megabit erreicht werden, theoretisch sogar bis zu 100 Megabit pro Sekunde. Die Telekom baut durch das Vectoring im Prinzip ihre bestehende Infrastruktur aus, anstatt in neue Technologien wie Glasfaserkabel zu investieren.

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Telekom-Konkurrenten protestieren gegen Vectoring

Wie die Telekom ankündigte an, will man ungefähr eine Milliarde Euro in das Vectoring zu investieren und bis 2018 sechs Millionen deutsche Haushalte mit dem schnelleren Internet versorgen. Die Sache hat nur einen Haken: Die Technik läuft über die Verteilerkästen, die die Haushalte mit den Daten versorgen und kann nur von jeweils einem Anbieter pro Verteilerkasten eingesetzt werden. Konkret heißt das: Damit Vectoring kommt, könnten bis zu 100.000 Anschlüsse anderer Anbieter gekappt werden. Die Konkurrenten der Telekom laufen dementsprechend auch Sturm gegen die Vectoring-Pläne der Telekom.

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Was sind die Nachteile von Vectoring?

In einem Schreiben an Kanzleramtsminister Peter Altmaier warnen die Telekom-Konkurrenten vor einer Monopol-Stellung der Telekom. Außerdem kritisieren sie, dass durch die Einführung von Vectoring der Ausbau der zukunftsträchtigen Glasfasertechnologie verzögert wird. Die Entscheidung der Bundesnetzagentur sei eine „zentrale Weichenstellung mit gesellschaftspolitischer Tragweite für die nächsten zehn Jahre“. Hier die wichtigsten Kritikpunkte am Vectoring der Telekom in der Übersicht:

  • Kritiker bemängeln, dass Vectoring nicht wirklich zukunftsträchtig sei.
  • Der Ausbau von Vectoring geht zulasten der Glasfasertechnologie, die noch schnellere Geschwindigkeiten (bis zu 200 Megabit/Sekunde) ermöglicht.
  • Vectoring kann nur von jeweils einem Anbieter im Verteilerkasten eingebaut werden.
  • Demnach könnte die Telekom einen unfairen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern bekommen.

Die endgültige Entscheidung über das Vectoring fällt aber erst im Frühjahr 2016 - bis dahin haben Mitbewerber Zeit Einspruch gegenüber der jetzigen Entscheidung der Bundesnetzagentur einzulegen. In dem förmlichen Anhörungsverfahren werden auch das Kartellamt und die Vectoring-kritische europäische Regulierungsbehörde angehört. Die Telekom stand vor kurzem übrigens bereits wegen einer anderen Sache in der Kritik: Das Unternehmen plant offenbar einen speziellen Internet-Dienst für höhere Geschwindigkeiten anzubieten. Lest dazu diesen Artikel: Telekom-Internet: Kommt das Zwei-Klassen-Internet?

Bildquellen: Telekom, Sergey Nivens

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