Facebook in ein paar Jahren: Tot, oder doch quicklebendig?

Sebastian Trepesch 11

Im Jahre 2017 ist Facebook fast tot – das ergab eine Studie, die uns letzte Woche beschäftigte. Doch dürfte das wirklich so kommen? Und warum? Sollten wir uns schon jetzt die Telefonnummern und Mailadressen unserer Netzwerk-„Freunde“ geben lassen?

Facebook in ein paar Jahren: Tot, oder doch quicklebendig?

10 Jahre gibt es Facebook jetzt – am Dienstag, 04. Februar, ist der Geburtstag. US-Wissenschaftler verglichen in einer Studie die Nutzung von Facebook mit der Verbreitung einer Seuche: Immer mehr Menschen stecken sich an bereits Infizierten an. Letztlich stirbt die Krankheit aber aus – und gleiches soll mit Facebook passieren.

Grippewellen kündigen sich über die Sucheingaben von Google an. Die US-Wissenschaftler vermuten, dass diese Vorhersage auch im Falle von Facebook funktioniert. Demnach ist der Niedergang von Facebook bereits eingeläutet. Denn für das soziale Netzwerk sinken die Suchanfragen seit 2012, fanden die Autoren der Studie heraus.

Soziale Netzwerke – schneller weg, als man meinen will

Betrachtet man sich myspace, schülerVZ und studiVZ, – diese Netzwerke sind innerhalb kurzer Zeit fast gänzlich verschwunden – will man den Wissenschaftlern sofort Recht geben: Jawohl, auch Facebook wird dieses Schicksal ereilen. Die Studie glaubt, dass 2017 80 Prozent der aktuellen Facebookler das Netzwerk nicht mehr nutzen.

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21 Beiträge, in denen alte Leute kläglich auf Facebook scheitern.

Facebook als Seuche: Ein Vergleich, der hinkt?

Doch ist Facebook wirklich eine Seuche? Natürlich hinkt der Vergleich, und zwar gleich an mehreren Stellen.

Eine grundlegende Frage, die sich mir stellt: Wenn wir alle den ganzen Tag auf Facebook eingeloggt sind oder die App nutzen, müssen wir Facebook nicht mehr in Google suchen. Es bedeutet ja aber keineswegs das Ende des Netzwerks. Wie kann man also die Suchanfragen als Indikator wählen?

Nach der gleichen Methode kann man auch herausfinden, dass die Universität der Wissenschaftler 2021 keine Studenten mehr hat und die Erde 2060 keine Luft zum Atmen mehr. Dies berechneten Facebook-Mitarbeiter als Antwort auf die Studie.

Zudem gibt es da etwas, das Seuchen nicht prägt und das Ökonomen als Netzeffekt bezeichnen – ich habe dieses Phänomen schon im Rahmen von WhatsApp erklärt. Das klassische Beispiel für den Netzwerkeffekt: das Telefon. Bin ich der einzige Mensch auf der Welt, der ein Telefon besitzt, bringt mir das nichts. Ich kann niemand anrufen. Je mehr Leute ein Telefon im Hause haben, desto mehr kann ich anrufen. Obwohl sich an meinem Apparat selbst nichts ändert.

Für Facebook bedeutet das: Je mehr meiner Freunde, Bekannte und zukünftigen Bekannte bei Facebook sind, desto höher ist mein persönlicher Nutzen des Portals für mich: Ich kann mit noch mehr Leuten kommunizieren, mit mehr Leuten meine Bilder teilen, spielen, stalken oder was weiß ich was.

Der Netzeffekt spricht dafür, dass wir uns in einem großen Sozialen Netz bündeln, weil es uns den größten Nutzen verschafft.  Wenn ich mich in einem neuen Netzwerk anmelde, in dem sonst fast niemand ist, dann nützt mir dieses Netzwerk nichts.

Und das unterscheidet Facebook von schülerVZ und anderen kleinen Netzwerken: Hier sind oder waren eben nicht alle versammelt, mit denen man sich verknüpfen will. Oder andere Gründe führten zum Aussterben – dazu gleich mehr.

Fazit daraus: Facebook ist noch länger unser Netzwerk Nr. 1.

Der aktuelle Trend: weiterhin nach oben

Vielleicht nehmen die Suchanfragen nach Facebook in Google ab. Doch die Zahl der Nutzer steigt und steigt – hier ist noch kein Höhepunkt erreicht. In Zahlen, eine Infografik von statista:

Facebook-Nutzerzahlen

Die Zahlen basieren auf dem aktuellen Geschäftsbericht des Unternehmens – 1228 Millionen monatlich aktive Nutzer hat das Portal mittlerweile. Tendenz steigend.

Noch ein Punkt also, der (zumindest aktuell) für Facebook spricht.

Facebook ist mehr als nur ein Netzwerk

Das Soziale Netzwerk ist nicht nur ein Portal, in dem sich Leute darstellen und verknüpfen. Die zahlreichen Funktionen dürfen wir nicht vernachlässigen.

An der Universität Ilmenau untersuchte ich vor wenigen Jahren in einer kleinen Studie, wie Jugendliche Facebook eigentlich nutzen. Heraus kam: Für viele dient das Netzwerk in erster Linie als Ersatz für andere Kommunikationsmittel, allen voran der Mail.

Facebook ist also Selbstdarstellung, aber gleichzeitig Mailersatz, Messenger, Gruppenchat, Forum, dazu eine Fotogalerie, Spieleplattform und einiges mehr. Und das alles in einem. Ein Nutzer, der auch nur eine dieser Funktionen intensiv verwendet, wird sich nicht so schnell von der Plattform verabschieden wollen.

Diese Funktionen baut das Unternehmen teilweise exzessiv aus. Der Facebook Messenger für iPhone beziehungsweise für Android zum Beispiel ersetzt einen ausgewachsenen Messenger-Dienst. Facebook ist hiermit eine Konkurrenz zu WhatsApp geworden und bindet so seine Nutzer an sich.

Zudem konnte das Portal viele externe Unternehmen von sich überzeugen. Wer, der etwas auf sich hält, hat kein Facebook-Profil sowie die Integration der Gefällt-mir-Buttons auf seiner Webseite?!

Fazit: Facebook Inc. hat sein Schicksal selbst in der Hand

Die Nutzer von Facebook haben sich an viele Vorzüge des Portals gewöhnt. Nachrichten schreiben, schnell mal eine Person adden, ohne gleich die eigene Handynummer herausgeben zu müssen, Fotos teilen, sich in den Interessensgruppen zusammenzufinden und so weiter. Setzt Facebook (weiterhin) auf alte und neue Funktionen, die die Netzgemeinde wünscht, werden die Nutzer treu bleiben.

Sie sind aber auch leicht zu verärgern, zum Beispiel mit Datenskandalen, einen langweiligen Nachrichten-Mix (ihn versucht Facebook ja aktuell zu optimieren) oder nerviger Werbung. Das muss nicht zum Abmelden führen, kann es aber – zumindest mittelfristig. Da viele Facebookler mehrere Online-Dienste und Portale nutzen (Google Plus, WhatsApp etc.), fällt es leichter, sich verstärkt der Konkurrenz zu widmen, wenn diese attraktiver wird.

Es scheint so, als finden immer mehr Nutzer (zumindest in meiner Umgebung) das Portal langweilig. Aber: Sie nutzen einzelne Funktionen des großen Portals weiterhin. Facebook hat eine sehr gute Ausgangsposition für die nächsten Jahre. Ob es 2017 das Portal noch geben wird oder nicht, hat Facebook Inc. in erster Linie selbst in der Hand.

 

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