Riesendateien mit der Pipe über Facebook schieben

Marco Kratzenberg

Nun ist es ja kein Problem, seinen Facebook-Kontakten Dateien zukommen zu lassen. Doch es gibt verschiedene Gründe, dazu nicht die Nachrichtenfunktion des Netzwerks zu nutzen. Der deutsche Facebook-App-Anbieter Pipe will uns hier helfen.   Echte Privatsphäre und soziale Netzwerke schließen sich gegenseitig aus. Und so hat nicht jeder ein gutes Gefühl, wenn er in einer Nachricht ein Bild oder Dokumente mitschickt und genau weiß, dass die nun auf dem Server von Facebook liegen. Zumindest so lange, bis der Empfänger die Unterhaltung löscht - und auch das ist nicht sicher.

Riesendateien mit der Pipe über Facebook schieben

Pipe - die Röhre quer durch Facebook

Es gibt Programme, mit denen man über das Internet eine direkte Verbindung zwischen zwei Anwendern herstellen kann, um dort Daten hin- und herzuschieben. Oft genug haben solche Anwendungen aber Probleme mit Firewalls und Virenscannern. Was liegt da näher, als einen Dienst zwischenzuschalten, den ohnehin nahezu jeder nutzt?

Das dachten sich wohl auch die Berliner Entwickler der Facebook-App Pipe, als sie eine Möglichkeit konstruierten, das Network als Mittel zur Direktverbindung zu nutzen. Die Pipe App wird einfach als Anwendung in Facebook aktiviert und sofort kann man mit der Datenschieberei loslegen. Die Versprechungen sind riesig! Bis zu 1 Gigabyte große Daten soll man damit übermitteln können. Und das auch noch blitzschnell und dank der Technologie WebRTC auch noch hochsicher. Hört sich gut an und wenn alles klappt, dann ist das auch richtig klasse.

Erst einmal gestaltet sich das alles recht einfach. Bei Facebook aktiviert man die Pipe App und dann kann man eigentlich schon loslegen. In einer Adressleiste sieht man all seine Freunde und sobald man einem eine Datei mit Pipe zuschicken will, bekommt er auch die App übertragen. Sobald aber beide die App aktiviert haben und online sind, besteht theoretisch eine Verbindung wie mit einem Rohr: Keine Abzweige, keiner kann hineingucken und die Daten werden ohne Umweg zwischen A und B transportiert.

Dazu zieht man einfach die Daten auf die Röhre der Pipe App und lässt sie dort fallen. Schon beginnt der Transfer.

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21 Beiträge, in denen alte Leute kläglich auf Facebook scheitern.

Pipe funktioniert im Idealfall richtig gut

Neben der Direktverbindung gibt es noch eine „Relay-Verbindung“. Die wird immer dann benutzt, wenn der Empfänger entweder nicht online ist, oder WebRTC einfach nicht funktioniert. Denn auch das gibt es und in dem Fall weist Pipe darauf hin, dass manche Provider die WebRTC-Nutzung einschränken. Sind Sender und Empfänger nicht gleichzeitig online, dann wird die Datei zwar übertragen, landet aber in einem „Locker“ genannten Aufbewahrungsfach, aus dem der Empfänger die Dateien später abrufen kann. Und in diesem Fall sind alle Sicherheitsversprechen hinfällig. Denn dann schiebt Pipe die Daten zwar wenigstens nicht auf einen Facebook-Server, aber lagert sie auf eigenem Webspace zwischen. Ein weiterer Nachteil dieser zeitversetzten Sendung ist, dass die Dateien hier eine maximale Größe von 250 MB haben dürfen.

Wer also Sicherheitsbedenken hat, der sollte sensible Daten nur dann der „Röhre“ anvertrauen, wenn er eine direkte Verbindung hat und die Übertragung via WebRTC funktioniert. Denn in seinen Datenschutzregelungen verspricht der Anbieter der App, dass die Daten sicher sind und weder er, noch Facebook oder sonst wer kann sich dazwischenschalten. Natürlich können wir nicht prüfen, wie hoch der Wahrheitsgehalt dieser Versprechen ist, aber prinzipiell ist WebRTC für so etwas gar keine schlechte Lösung.

Die Geschwindigkeit hängt aber von den technischen Gegebenheiten bei Sender und Empfänger ab. Wer etwa über einen der üblichen Telekom-Anschlüsse mit 16 Mbit verfügt, kann in der Regel seine Daten nur mit etwa 1 Mbit hochladen. Schneller geht’s also nicht - auch nicht mit WebRTC.

Wenn aber alles klappt, dann liegen die Vorteile auf der Hand: Es werden keine Daten irgendwo zwischengespeichert, sondern sie landen direkt im Downloadverzeichnis. Keiner kann in den Dateien herumschnüffeln und es lassen sich extrem große Dateien am Stück verschieben. Und wenn es nicht ideal klappt, dann hat man wenigstens Facebook außen vor gelassen. Im kritischen fall gibt’s ja auch immer noch die Möglichkeit, seine Daten vor dem senden zu verschlüsseln.

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