Auf Facebook macht derzeit eine angebliche Terror-Karte des IS (Islamischer Staate) die Runde: Auf der Karte sind fein säuberlich mögliche Angriffsziele der Terroristen in Deutschland markiert. Viele Facebook-Nutzer sind verunsichert. Sind die Islamisten wirklich so nachlässig, dass eine solche Karte im Internet veröffentlicht wird? Wir haben uns die Sache einmal genauer angeschaut.

Die Terroranschäge von Paris wirken immer noch nach, auch im Internet. Die Aufregung um die angeblichen Terroranschläge des IS auf deutsche Schulen ist kaum verklungen, da folgt schon die nächste Schreckensmeldung, diesmal auf Facebook. Viele Nutzer finden derzeit auf ihrer Pinnwand eine angebliche „Terror-Karte“ des Islamischen Staates (IS). Dort sieht man eine Karte der Bundesrepublik Deutschland - angebliche Angriffsziele der Terroristen sind mit Flammen markiert.

Viele Facebook-Nutzer sind derzeit deshalb verunsichert: Will der IS mit dieser Karte zusätzlich Angst und Schrecken verbreiten oder uns vor künftigen Anschlägen warnen? Oder waren die Terroristen gar so nachlässig und konnten nicht verhindern, dass die Karte von einer gut informierten Insider-Quelle geleakt wurde? Wir sind der Sache nachgegangen.

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Terrorkarte des IS ist ein Fake

Eigentlich sollte klar sein, dass eine professionell agierende Organisation wie der IS nicht einfach so seine möglichen Angriffsziele der Netzöffentlichkeit präsentiert. Dies würde auch den Zielen des islamischen Staates widersprechen, der Unsicherheit eben dadurch verbreitet, dass unklar ist, wo die Terroristen als nächstes zuschlagen. Wer sich ein wenig im Netz umschaut, wird darüber hinaus feststellen, dass die angebliche Terrorkarte des IS schon ein wenig älter ist und bereits seit einigen Jahren durchs Netz geistert. Es handelt sich hierbei also um einen Fake.

Wer steckt hinter der Terror-Karte?

Die angebliche Terror-Karte des IS stammt in Wirklichkeit aus dem Buch „Vorsicht Bürgerkrieg!“, das der Autor Udo Ulfkotte 2009 im politisch deutlich rechts orientierten Kopp-Verlag veröffentlichte. In dem Machwerk warnt der Autor vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen, die uns demnächst in Deutschland blühen werden. Die Karte selbst zeigt mögliche Unruheherde, bei denen sich nach Auffassung des Verfassers die schwersten Unruhen ereignen werden. Im dem Buch heißt es dazu:

„Die auf dieser Karte mit Flammen gezeigten Gemeinden und Stadtteile könnten nach Auffassung von Sicherheitsbehörden die potentiellen Schauplätze von Kämpfen sein, bei denen sich verfeindete Gruppen – etwa Rechte gegen Linke, Arme gegen Reiche, verschiedene religiöse Fanatiker oder Ausländer gegen Inländer – gegenüberstehen werden. Die aufgestaute Wut (…) könnten sich vor allem dort in schweren Unruhen entladen.“

Mit dem IS hat die Terror-Karte auf Facebook also nichts zu tun. An dieser Stelle sollte man auch noch einmal betonen, dass es sich bei den „potentiellen Schauplätzen von Kämpfen“ um reine Spekulation seitens des Autors handelt und keine seriöse Einschätzung der Lage darstellt. Udo Ulfkotte ist übrigens kein gänzlich Unbekannter: Der Verfasser von „Vorsicht Bürgerkrieg!“ und ehemalige FAZ-Redakteur hat in den letzten Jahren zahlreiche sensationalistische und einseitige Bücher zu den Themen Islamisierung, Geheimdienste und Propaganda-Techniken verfasst. Allgemeiner Tenor: Die offiziellen Medien sind allesamt gekauft, unsere Nachrichten sind reine Gehirnwäsche.

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Falschmeldungen auf Facebook, WhatsApp-Fakes und Co.

Soziale Netzwerke wie Facebook eignen sich nicht nur, um virtuelle Bekanntschaften zu machen, sondern (leider) auch hervorragend um Panikmache zu betreiben, wie die angebliche Terror-Karte des IS mal wieder zeigt. Viele Nutzer machen sich nicht die Mühe, Informationen nachzuprüfen, sondern teilen Inhalte einfach per Mausklick mit Freunden und Bekannten. Ergebnis: Falschmeldungen und aus dem Kontext gerissene Nachrichten verbreiten sich in Windeseile im Netz und am Ende wird die allgemeine Verunsicherung noch größer. Also genau das, was Terroristen wie der IS bezwecken. Daher gilt: Glaubt nicht alles, was ihr im Netz lest und teilt nicht einfach jede x-beliebige Meldung auf Facebook.

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Bildquelle Artikelbild: mimikama.at