Facebook und der Trump-Sieg: Zuckerberg weist Verantwortung von sich

Stefan Bubeck 5

Sind Fake-Meldungen auf Facebook für Trumps überraschenden Wahlsieg mitverantwortlich? Mark Zuckerberg hält diesen Vorwurf für „verrückt“. Damit liegt er möglicherweise falsch – denn erfundene Nachrichten sind längst ein großes Geschäft und viele Menschen fallen täglich darauf rein.

Facebook und der Trump-Sieg: Zuckerberg weist Verantwortung von sich
Bildquelle: (CC) Brian Solis, www.briansolis.com / bub.blicio.us, via Wikimedia Commons.

Der Social-Media-Riese steht mal wieder in der Kritik: Erfundene Meldungen von links- und rechtsgerichteten Seiten könnten die Meinungen von Millionen Benutzern manipuliert und somit den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl beeinflusst haben. Der Vorwurf: Facebook habe zu wenig dagegen unternommen und trägt große Schuld. Gründer Mark Zuckerberg hat sich nun dazu geäußert und spielt die Macht des Netzwerks herunter.

Fakten sind nicht entscheidend und Bullshit ist gefragt

Eine ausführliche Recherche von Buzzfeed hat ergeben, dass ein beachtlicher Anteil der Meldungen, die von „hyperparteiischen Seiten“ auf Facebook geteilt werden, frei erfunden sind. Der konservative Flügel kommt auf 38 Prozent Hoax-Anteil, die linksgerichteten Angebote immerhin auf 20 Prozent.

Diese Meldungen werden tausendfach geteilt und geliked: Wer auf Facebook publizistisch erfolgreich sein will, muss sich offenbar nicht an die Fakten halten. Politikwissenschaftler kennen hierzu den Begriff „Postfaktisches Zeitalter“ – wir leben in einer Welt, in der die Fakten nicht mehr zählen. Das wissen Politiker und sprechen ungehemmt populistischen Quatsch aus, das wissen aber auch Geschäftsleute, die vom Fake-Journalismus leben.

Dazu kommt der Effekt der „Filter Bubble“: Soziale Netzwerke zeigen dem User mehr von den Inhalten, die zu dem passen, was er bereits mit „Gefällt mir“ markiert hat. Der Medienkonsument gerät so immer stärker in eine Informationsblase, die ihn in „seiner Welt“ isoliert und bestehende Meinungen immer weiter festigt.

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Erfundene News: Teenies aus Mazedonien scheffeln damit tausende US-Dollar im Monat

Die Menschen prüfen offenbar nicht, ob die Artikel und Videos in ihrem Facebook-Newsstream echt sind und klicken einfach auf „Teilen“, wenn es zu ihrer Meinung passt. Mit diesem Phänomen lässt sich mittlerweile sehr gut Geld verdienen, wie ebenso von Buzzfeed aufgedeckte Unternehmungen aus Mazedonien beweisen. Von dort aus werden Falschmeldungen wie am Fließband produziert und auf rund 140 Nachrichtenseiten ins Netz gesetzt.

„Hillary Clinton 2013: Ich wünsche mir, dass Leute wie Donald Trump fürs Präsidentenamt kandidieren würden. Sie sind ehrlich und unbestechlich“ – so lautet eine der vielen Meldungen, die auf Facebook steil gehen. 480.000 Shares, Likes und Comments hat dieses eine Beispiel generieren können – dabei ist es komplett erfunden. Noch so ein Fall: Der Papst habe zur Wahl Trumps aufgerufen – nein, hat er nicht, wurde aber 960.000 mal geteilt.

Für die mazedonischen Teenager, die diese Nachrichten zusammendichten, ist es ein einträgliches Geschäft in einem ansonsten wirtschaftsschwachen Land. „5000 Dollar im Monat“ oder bei einem Facebook-Hit sogar „3000 Dollar am Tag“ seien drin, so einer der Seitenbetreiber.

Die Falschmeldungen aus Mazedonien bedienen die Trump-Fans und liefern ihnen, was sie lesen möchten. Aber auch die Gegenseite ist nicht zimperlich, im liberalen Lager verbreiten sich unwahre Posts genau so rasant. Trump habe angeblich 1998 ein Interview mit dem People Magazine geführt. „Sollte ich mich aufstellen lassen, würde ich für die Republikaner kandidieren. Sie sind die dümmste Wählergruppe des Landes.“ Dieses Interview fand nie statt, das Zitat ist eine Erfindung. Klingt aber trotzdem so krass, dass es schnell mal geteilt wird – auch im deutschsprachigen Raum.

Mark Zuckerberg hält Facebook für unschuldig

Zahlreiche US-Medien geben aktuell Facebook die Schuld an Trumps Sieg oder schreiben der Plattform mindestens nachweislich negative Effekte auf die politische Meinungsbildung zu. In einem Interview auf der Konferenz Techonomy 2016 widerspricht Facebook-Gründer Zuckerberg nun den Vorwürfen. Er glaubt vielmehr, dass Facebook für mehr Meinungsvielfalt sorge. Jeder habe Freunde, die politisch nicht der gleichen Meinung seien. Soziale Netzwerke bringen so eine höhere Diversität mit sich, als wenn man sich an „drei TV-Nachrichtensender“ halten würde. „Ich persönlich glaube, die Idee, erfundene Meldungen auf Facebook (…) könnten die Wahlen in irgendeiner Form beeinflusst haben, ist ziemlich verrückt“, so der Facebook-Gründer.

Quellen: Forbes, Mark Zuckerberg / Techonomy, Buzzfeed

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Video: Hoaxes auf Facebook

Hoaxes auf Facebook.

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