Reminder: Facebook verschwindet 2017

Stefan Bubeck

Vor drei Jahren prophezeiten Forscher der Universität Princeton anhand eines Seuchen-Ausbreitungs-Modells, dass Facebook 2017 aussterben wird. Sie haben sich wohl geirrt – oder?

Anfang 2014 sorgte eine Studie für Aufsehen, die den Todeszeitpunkt des beliebten sozialen Netzwerks voraussagte. In drei Jahren werde Facebook 80 Prozent seiner Nutzer verlieren, aus der Plattform werde eine Geisterstadt, so berichteten wir („Bereits 2017 fast tot?“) und zahlreiche andere Medien („Das Anfang vom Ende“, „Uni verkündet das Ende von Facebook“ , „Facebook endet wie die Beulenpest“).

Zur Erinnerung nochmal das Wichtigste in Kürze: Joshua Spechler und John Cannarella von der Universität Princeton stellten fest, dass sich Ideen – und im Prinzip auch soziale Netzwerke – im Laufe ihres Lebens vergleichbar entwickeln wie Epidemien. Sie tauchen auf, wachsen, haben einen Hochpunkt und verschwinden nach einiger Zeit wieder.

„Wir nutzen die Modelle von Epidemien zur Erklärung der Dynamik von Ausbreitung und Verlassen der sozialen Online-Netzwerke, indem wir Analogien zu der Dynamik aufzeigen, mit der sich Infektionskrankheiten ausbreiten. Es hat sich gezeigt, dass sich Ideen wie Krankheitsepidemien durch Ansteckung unter den Menschen ausbreiten, bevor sie wieder verschwinden.“ Als Beispiel wurde der Aufstieg und Niedergang von Myspace herangeführt, dessen Verlauf fast deckungsgleich auf das SIR-Modell passt, mit dem eigentlich die Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten untersucht wird.

Auf Facebook übertragen bedeutete dies 2014, dass das Ende der Plattform scheinbar vor der Tür stand: 2017 sollte die große Abwanderung stattfinden. Facebook würde eingehen, wie eine vernachlässigte Pflanze. „In den kommenden Jahren wird Facebook einen rapiden Abfall seiner Nutzerzahlen erleben und dabei bis zu 80 Prozent seines Nutzerstamms zwischen den Jahren 2015 und 2017 einbüßen,“ so die Forscher in ihrem damals gezogenen Fazit.

Facebook 2017: Totgesagte leben länger

Wenn wir heute Facebooks Gesundheit checken, ist es quicklebendig. Es geht sogar aufwärts, dazu kann man fast beliebige Kennzahlen aus dem neuesten Quartalsbericht heranziehen – die Plattform gedeiht prächtig. Mit 1,23 Milliarden täglich aktiven Nutzern im Dezember 2016 (Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr: 18 %) steht Mark Zuckerbergs weltumspannendes virtuelles Reich absolut stabil da. Eine Entwicklung, die auf ein rasches Ende hindeutet, ist nicht abzusehen.

Da haben sich die Forscher wohl geirrt und Facebook mit StudiVZ verwechselt? Wenn man sich das Umfeld anschaut, stellt man lediglich fest, dass es neue Gegner gibt – allen voran Snapchat, das bei jüngeren Nutzern populär ist. Aber das ändert nichts daran, dass Facebook als der sprichwörtliche Fels in der Brandung erscheint, der allen Angriffen trotzt.

Hoaxes auf Facebook.

Vielleicht ist Facebook bereits tot und wir nutzen den Nachfolger

Bereits damals kam Kritik an der Studie auf. Der Vergleich des sozialen Netzwerks mit einer ansteckenden Krankheit hinke: „Eine epidemiologischen Sichtweise vernachlässigt die Tatsache, dass sich eine Tech-Plattform im Laufe der Zeit auch entwickeln und neu erfinden kann,“ so der Experte und Berater Tim Bajarin gegenüber Marketwatch. Da hat er ein stichhaltiges Argument – ist das Facebook von 2017 denn überhaupt mit dem Facebook von 2014 vergleichbar?

Facebook hat sich in der Tat verändert, aber leider nicht zum Positiven – so die subjektive Wahrnehmung, die immer häufiger anzutreffen ist: Facebook ist – überspitzt formuliert – ein langweiliger und unpersönlicher Stream aus Werbung, Fake News, Hassbotschaften und Nonsense geworden. Es war mal toll, aber die Zeiten sind vorbei. Erst kürzlich startete mit Facebook Stories ein neues Feature, bei dem man sich durchaus fragen kann, wer eigentlich danach verlangt hat. Nur: So sehr man die Plattform auch verachtet, die wenigsten machen den „großen Schritt“ und deaktivieren oder löschen ihren Account.

Das liegt daran, dass Facebook trotz aller Veränderungen einen starken und noch immer funktionierenden Kern hat. Ursprünglich ging es darum, sich mit Freunden und Bekannten zu vernetzen, sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten. Der Newsfeed als Reihe persönlicher Ereignisse von Menschen, die man kennt und gerne hat. An diese Stelle sind zwar zunehmend Werbeposts für Matratzen und dubiose politische Botschaften getreten – aber trotzdem zeigt sich immer wieder, warum kaum jemand aus dieser Community austreten kann oder will: Wo steigt die nächste Party? Wie erreiche ich den einen Kumpel, dessen Nummer ich nicht mehr habe? Wer kann mir heute noch schnell einen Transporter leihen? Oh nein, ein Anschlag – wie geht es meinen Freunden in Berlin?

Facebook war und ist der kleinste gemeinsame Nenner. Was hier nicht stattfindet, das existiert auch in der wirklichen Welt nicht. Das kann man von Tumblr, Snapchat oder Musical.ly nicht behaupten, egal wie angesagt sie in irgendeiner Zielgruppe sind. Nur Facebook ist universell nützlich und deckt die größte Nutzerbandbreite ab. Von alten Klassenkameraden, Freunden aus aller Welt, flüchtigen Club-Bekanntschaften bis hin zu den eigenen Eltern – wenn irgendwo alle zu finden sind, dann am ehesten hier, ob man das so will oder nicht. Auch wenn Facebook morgen zu einem gelben Design wechseln und den Newsfeed waagrecht laufen lassen wird – so lange die grundlegenden Funktionen erhalten bleiben, bleibt auch die Masse der Nutzer bei Facebook.

Facebook-Umfrage: Daumen hoch oder runter für das Netzwerk?

Facebook ist das größte soziale Netzwerk, und doch ist nicht jeder Nutzer glücklich. Besonders der Neuigkeiten-Feed trifft nicht jedermanns Geschmack. Andererseits kann man die Zusammenstellung der Meldungen selbst beeinflussen. Wie sieht es bei dir aus – bist du über Facebook zufrieden oder nicht? Unsere Umfrage:

 

Imperium ohne ernsthaften Gegner

Eigentlich galt auch schon damals bei Myspace: Ein soziales Netzwerk stirbt nicht, weil irgendwann alle „immun“ sind und sich niemand mehr neu „ansteckt“. Es stirbt, weil ein anderes Netzwerk auftaucht, das alles besser macht und das alte Netzwerk dabei erst verdrängt und schließlich auch ersetzt. So lange also keiner eine neue Plattform baut, die Facebook in seiner Vielseitigkeit und Bandbreite schlagen kann, wird es auch nicht verschwinden – von alleine passiert da nichts.

Ein Lichtblick für alle Facebook-Hater: Noch ist 2017 erst zu einem Viertel vorbei, der unbekannte Endboss könnte in den nächsten Monaten plötzlich auf der Bildfläche auftauchen und das Imperium platt walzen, dann wird die Prophezeiung aus 2014 doch noch wahr, wenn auch auf andere Weise. Dieser Facebook-Killer wird wohl ein Ninja sein, denn er ist bisher nicht zu sehen – aber vielleicht schreibt dazu jemand mal eine Studie, die uns wenigstens verrät, woran wir ihn erkennen können.

Quellen: Universität Princeton (PDF), Facebook (PDF)
Bildnachweis: Kaboompics/Karolina (Pexels)

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung