Facebooks News-Feed-Experiment: Gute und schlechte Laune steckt an

Martin Malischek 1

Fast 700.000 Facebook-Nutzer waren im Januar 2012 Teilnehmer einer Studie, ohne darüber informiert zu werden. Bei der Studie wurde mit den Beiträgen des News-Feeds experimentiert.

Dass die Einträge, die ihr mit den Standardeinstellungen bei Facebook in eurem Feed zu Gesicht bekommt, nur einen kleinen Teil der von euren Freunden veröffentlichten Posts enthält, ist lange kein Geheimnis mehr. Das Zuckerberg-Netzwerk liefert sie für die akkurate Anzeige von Beiträgen mit hohen Aktivitäten erst bei einem kleinen Teil der Empfänger aus. Je besser dann die Resonanz ist (Likes, Kommentare, Teilungen und allgemeine Interaktionen), desto mehr bekommen ihn angezeigt.

Facebook-Experiment: Was wurde in der Studie getestet?

Kamal Against The Machine Facebook UNCUT.
Kamal Against The Machine Facebook UNCUT (07:54)
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21 Beiträge, in denen alte Leute kläglich auf Facebook scheitern

Im Januar 2012 wurden die Beiträge jedoch nicht nur nach Nutzerinteraktionen gefiltert, sondern bei 689.000 Nutzern auch je nach Tenor des Beitrags. So bekam die Hälfte der an der Studie eingebundenen Accounts nur überwiegend positive, die andere Hälfte überwiegend negative Beiträge angezeigt. Die Aktivitäten der knapp 700.000 Nutzer wurden dann für eine Studie analysiert. Das Ergebnis: Bekommen Nutzer überwiegend positive Einträge angezeigt, interagieren (kommentieren) sie wesentlich positiver - und umgekehrt. Die Ergebnisse der Studie und die Durchführung dieser wurden erst jetzt bekannt gegeben.

Einige Nutzer äußerten sich sehr negativ über das Verhalten von Facebook, womit wohl eine neue Erkenntnis gezogen werden kann: Wird man unfreiwillig Gegenstand einer Studie, reagiert man eher negativ. In einem Facebook-Beitrag versucht man nun, die aufgebrachten Nutzer zu beruhigen. Ohnehin betraf der A/B-Test nur 0,04% aller Nutzer und lief lediglich eine Woche, so ein Unternehmenssprecher. Des Weiteren seien die Daten anonymisiert weitergegeben worden. Rückblickend sei man jedoch doch etwas wehmütig und bereut es, Unmut durch dieses Vorgehen verursacht zu haben.

Darf Facebook mit seinen Nutzern experimentieren?

Natürlich war das Vorgehen von Facebook verbunden mit einer großen Aufregung in den Medien sowie bei den Nutzern selbst. Wer wird auch schon gerne Teil eines Experiments - ohne es zu wissen? Laut den Nutzungsbedingungen des sozialen Netzwerks ist das aber kein Problem: In diesen weist das Unternehmen darauf hin, dass die Nutzerdaten analysiert und für Recherchen genutzt werden dürfen.

Am interessantesten dürfte jedoch sein, dass Facebook vor einiger Zeit auch in Deutschland die Stimmungen für Beiträge eingeführt hat. Hier kann zusätzlich angegeben werden, wie man sich gerade fühlt oder welchen Tenor der Inhalt des jeweiligen Beitrags hat. Vielleicht nicht ohne Grund: Sollte ein Einzug der Erkenntnisse in den News-Feed erfolgt sein, könnten die dort angezeigten Beiträge bewusst eher positiv ausfallen, um den Nutzer bei Stimmung zu halten, auch, was Werbebeiträge angeht.

Hierbei handelt es sich jedoch um reine Spekulation.

via t3n, Quelle: The Atlantic

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