Fake-News: Facebook und Google wollen den Geldhahn zudrehen

Stefan Bubeck 4

Donald Trump habe die US-Wahl gewonnen, weil soziale Netzwerke nichts oder zu wenig gegen erfundene Nachrichten unternommen hätten – die Stimmen der Kritiker führen jetzt zu konkreten Maßnahmen mit einem bewährten Druckmittel.

Fake-News: Facebook und Google wollen den Geldhahn zudrehen
Bildquelle: Alessio Jacona, Flickr (CC BY-SA 2.0).

„Der Papst hat zur Wahl Trumps aufgerufen!“ Das ist zwar nicht die Wahrheit, aber erfundene Meldungen wie diese verbreiten sich auf Facebook explosionsartig. So könnten sie signifikanten Einfluss auf die politische Meinungsbildung der US-Bürger, aber auch Menschen in aller Welt haben. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat die Tragweite dieser These womöglich unterschätzt, nannte er sie vor kurzem noch eine „verrückte Idee“. Seine Versuche, Facebook als nicht relevant in Sachen Informationsbeschaffung darzustellen wirken zuweilen ungeschickt und haben den Protest verstärkt. Offenbar tut sich nun doch etwas.

Fake-News: Facebook hilft beim Verbreiten, Google bringt das Geld

Zuckerberg veröffentlichte auf seiner Timeline am 12. November ein ausführliches Statement, in dem er beteuert, dass „99 Prozent der Inhalte“ auf Facebook echt seien. Es gestalte sich zudem schwierig, herauszufinden, was die Wahrheit sei, denn manchmal sei eine Nachricht „im Kern richtig“, aber in den Details falsch.

Irgendetwas musste der Erfinder des sozialen Netzwerks zur Verteidigung sagen, denn ein neulich von Buzzfeed aufgedecktes Hoax-System aus Mazedonien ist seiner Funktionsweise erschreckend. Rund 140 Nachrichtenseiten, die von mazedonischen Teenagern betrieben werden, produzieren Clinton-feindliche Fake-Nachrichten wie am Fließband.

Diese werden von Facebook-Usern unbedacht und ungeprüft geliked und geteilt, was wiederum neue Besucher auf die Seiten bringt. An der Stelle kommt Google ins Spiel, denn über deren Werbenetzwerk AdSense wird aus den Klicks der Besucher bares Geld – mehrere Tausend Euro im Monat spült die virale Masche den Betreibern in die Kasse.

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21 Beiträge, in denen alte Leute kläglich auf Facebook scheitern.

Google AdSense ist der Schlüssel

Eigentlich wäre es ganz einfach: AdSense müsste doch nur die bösen Seiten sperren und deren Geschäftsmodell bricht zusammen. Sowohl Facebook als auch AdSense kennen bereits jetzt schon keine Gnade bei „Schweinereien“ der anderen Art: Pornographisches Material wird bemerkenswert schnell und konsequent aus den Netzwerken verbannt. Nun sollen endlich die erfundenen Nachrichten dran sein – wird auch Zeit, denn der Druck der Medienkritiker am vergangenen Wochenende war immens hoch, ein Herausreden aus der Verantwortung wäre die falsche Strategie.

Zwei aktuelle Statements liegen laut der Nachrichtenagentur Reuters vor.

  • Das erste von Facebook: „Wir werden keine Werbung auf Seiten oder in Apps integrieren oder anzeigen, deren Inhalte illegal, irreführend oder trügerisch sind, was Fake-News miteinschließt.“
  • Auch Google stellt klar: „In Zukunft werden wir die Auslieferung von Werbung einschränken – das betrifft Seiten, die Informationen zu den Verantwortlichen, deren Inhalten oder den primären Zweck des Web-Angebots falsch darstellen oder verschleiern.“

Die Wahrheit soll das Netz zurückerobern

Mit dem Versiegen der Geldströme könnten Fake-News-Seiten dem Ende geweiht sein – wir werden in den nächsten Wochen erleben, was die Vorstöße von Facebook und Google bringen. Es tut sich also einiges, was auf Besserung und eine Zukunft mit weniger Lügen im Netz hoffen lässt. Die Vergangenheit lässt sich allerdings so nicht mehr verändern.

Derweil haben Studenten der Princeton University in einem 36-stündigen Hackathon eine Chrome-Browser-Extension geschrieben, die erfundene Inhalte im Netz kennzeichnet, so dass man beim Surfen bereits Hinweise hat, ob man es mit der Wahrheit oder einer Lüge zu tun hat. Die Erweiterung „FiB“ ist auf als Open-Source-Projekt auf Github zu finden.

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Quellen: Reuters, BusinessInsider, Devpost

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