Insiderbericht: Facebook versus Folter, Mord und Missbrauch

Stefan Bubeck 1

Jeder Facebook-Nutzer kann anstößige Beiträge melden – aber was passiert danach? Das SZ-Magazin hat Mitarbeiter befragt und ist dabei auf besorgniserregende Zustände gestoßen.

Insiderbericht: Facebook versus Folter, Mord und Missbrauch
Bildquelle: Pixabay.

Die Recherchen des SZ-Magazins kreisen um die Firma Arvato in Berlin – einer Bertelsmann Tochter, die im Auftrag von Facebook arbeitet. In „unscheinbaren Büros“ sitzen rund 600 Mitarbeiter verschiedener Nationalitäten und verrichten Tag für Tag einen geradezu grauenvollen Job: Sie schauen sich gemeldete Beiträge des Netzwerks an und entscheiden, ob diese gelöscht werden. Pro Mitarbeiter können das bis zu 2000 Einträge am Tag sein. Immerhin kommt dabei auch Künstliche Intelligenz unterstützend zum Einsatz.

Facebook-Beiträge: Löschentscheidungen in Sekunden

Abgetrennte Köpfe, Foltervideos, Kinderpornografie, Hass und Hetze – die Kontrolleure ziehen sich die schlimmsten denkbaren Inhalte im Akkord rein und treffen Löschentscheidungen innerhalb von Sekunden. Dass das Gehalt der Mitarbeiter angeblich knapp über dem Mindestlohn liegt, lässt Zweifel aufkommen, wie wichtig das Thema für Facebook eigentlich ist.

Die psychische Belastung für diese Menschen ist enorm, dabei sind sie offenbar nicht immer ausreichend geschult: „Ich weiß, dass jemand diesen Job machen muss. Aber es sollten Leute sein, die dafür trainiert werden, denen geholfen wird und die man nicht einfach vor die Hunde gehen lässt wie uns,“ so wird einer der Insider zitiert. Selbst Flüchtlinge aus dem Krisenherd Syrien arbeiten im Löschteam – und begutachten Terrorpropaganda und Enthauptungsvideos.

Ein anderer Schwerpunkt des Berichts liegt auf den nach außen hin undurchsichtigen Regeln, nach denen Facebook Inhalte ins Nirvana verbannt – oder eben auch nicht. Der Konzern gibt anhand von hunderten Beispielen Anweisungen an das Löschteam, erklärt, was in welchem Fall zu tun ist. Wenn Migranten als „dreckige Diebe“ bezeichnet werden, wird es durchgewunken. „Terrorist, Mörder oder Sexualstraftäter“ – das führt zur Löschung. Die vielen Vorschriften Facebooks sind umfassend, aber leider sehr starr – selbiges hat vor dem SZ Magazin auch Mobilegeeks bereits festgestellt. So können eindeutig gemeinte, aber mehrdeutige formulierte Posts durch das Raster schlüpfen.

Schriftliche Anfragen zur Stellungnahme gegenüber dem SZ Magazin blieben bislang erfolglos: Arvato verweist auf seinen Auftraggeber. Facebook selbst will keine näheren Angaben machen.

Der Bericht des Magazins der Süddeutschen Zeitung wird von den Machern als exklusiv bezeichnet. Mobilegeeks macht aber darauf aufmerksam, dass auch sie schon mit Insidern sprachen – und zwar bereits Ende November. Inhaltlich kommen beide Berichte auf ähnliche Ergebnisse. Auch wenn die SZ also keine Neuentdeckung gemacht hat – was da hinter den Kulissen des sozialen Netzwerks abläuft, sollte jeder Facebook-User wissen.

Quellen: Mobilegeeks, SZ

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