„Die Homepage ist tot und Facebook ist schuld daran“

Kamal Nicholas 4

Facebook hatte und hat eine massive Auswirkung auf das Online-Publishing und Inhalte im Netz. Und in Zukunft könnte sich die Sache noch weiter verschlimmern.

Die meisten von euch dürften ein Profil bei dem weiterhin beliebten (anti-)sozialen Netzwerk Facebook haben. Wer die Plattform regelmäßig nutzt, wird des Öfteren auch auf dort geteilte Links klicken, hinter denen sich vermeintlich interessante - wenn auch oft nur rein unterhaltsame - Inhalte verstecken.

Für Unternehmen auf der anderen Seite ist Facebook so innerhalb relativ kurzer Zeit zu einem extrem wichtigen Publishing-Werkzeug geworden. Erfolg wird gemessen an Likes, Fans, geteilten Inhalten. Kein Wunder also, dass solche Inhalte einen immer kleiner werdenden gemeinsamen Nenner suchen, um mit möglichst jedem Inhalt so viel Aufmerksamkeit zu erhalten, wie möglich. Herzlich willkommen Buzzfeed, heftig & Co. Denn mehr Aufmerksamkeit bedeutet mehr Geld, zumindest wenn man es schafft, die Facebook-Nutzer mit einem Link auf die eigene Homepage zu locken.

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Facebook ist also zu einem extrem wichtigen Vertriebsort für alles Online geworden, so gut wie jedes Unternehmen hat seine eigene Facebook-Seite. Dass bei Facebook allerdings einiges im Argen liegt, dürfte vielen von euch auch bekannt sein. Längst wird im eigenen Stream nicht nur das angezeigt, was man selbst gerne sehen möchte, sondern auch das, was die Unternehmen gerne gesehen haben möchte. Hierzu lassen sich eigene Artikel und Posts gegen ein gewisses Entgelt bewerben etc.

Der Anfang vom Ende?

Doch was, wenn es sich bei dieser Strategie erst um den Anfang handelt? Wie die New York Times Anfang der Woche berichtet hat, könnte die Zukunft von Facebook so aussehen, dass manche Unternehmen gar nicht mehr auf eine eigene Webseite setzen, sondern stattdessen alles ausschließlich über Facebook laufen lassen sollen. Hierzu soll das soziale Netzwerk bereits erste Gespräche mit verschiedenen Verlegern geführt haben, bei denen es darum ging, dass deren Webseiten einfach direkt über Facebook gehostet werden.

Die Vorteile wären dabei, dass man die Leser und Zuschauer eben nicht mehr umständlich über einen weiteren Klick auf die eigene Seite locken müsste, sondern das alles zentriert über das soziale Netzwerk läuft. Das Ökosystem inlusive fleißiger Online-Leser besteht auch schon, also warum nicht? Der erzielte Gewinn, der natürlich auch durch Werbung finanziert wird, könnte denn geteilt werden.

Wie Wired nun sehr richtig anmerkt, könnte dies einigen Verlegern sehr sauer aufstoßen, da sie Facebook nicht so viel Einfluss zugestehen möchte. Aber was, wenn die Unternehmen kaum eine andere Wahl haben und es zu einer ähnlichen Situation kommt wie vor kurzem zwischen Amazon und verschiedenen Buch-Verlagshäusern?

Werbung, Werbung, Werbung

Facebook ist mittlerweile sehr gut darin, Geld mit Werbung zu machen, alleine 2 Milliarden Dollar Umsatz wurden im dritten Quartal dieses Jahres mit mobiler Werbung gemacht. Für Verleger, die in der heutigen Zeit zu kämpfen haben (und davon gibt es einige), könnte es deshalb selbst widerwillig sehr interessant sein, einen kleinen Teil von diesem Umsatz abzukriegen.

Sollten diese Unternehmen sich also auf ein solches Geschäft einlassen (z.B. weil sie dadurch eine bessere Positionierung in den News-Streams der Nutzer erhalten), hätte dies natürlich einen deutlichen Einfluss darauf, was uns als Nutzern nun angezeigt bekommt und was nicht. Denn Facebook würde sich natürlich um seine neuen Schösslinge kümmern, wie Wired weiter berichtet.

Wie genau sich diese ganze Sache in Zukunft entwicklen wird und welche Einfluss Facebook weiterhin auf das Online-Publishing haben wird, kann derzeit nur vermutet werden. Die Vorstellung, dass Unternehmen sich aber voll und ganz mit ihren Inhalten an das soziale Netzwerk wenden, macht zumindest mir Angst.

Weitere Hintergrundinfos und Überlegungen zu dem Thema findet ihr in dem sehr lesenswerten Artikel auf wired.com.

via derStandard

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