HIV-Bananen: Warnung auf Facebook - Was soll das?

Selim Baykara

Auf Facebook und anderen sozialen Netzwerken wird seit einiger Zeit immer wieder vor sogenannten HIV-Bananen gewarnt. Auf einem Foto sieht man eine aufgeschnittene Banane, die eine auffällige rote Verfärbung aufweist - dabei soll es sich angeblich um HIV-infiziertes Blut handeln, das in die Bananen gespritzt wurde. Ist an dieser Geschichte irgendetwas dran?

Hoaxes auf Facebook.

Im Internet begegnen einem jeden Tag die verrücktesten Geschichten: Das 800 Jahre alty Handy, die angebliche Wahrsagerin Baba Vanga oder Chemtrails, die uns heimlich vergiften. Die neueste Warnung, die derzeit für Aufregung auf Facebook und anderen sozialen Medien sorgt, dreht sich um AIDS-infizierte Bananen, die sogenannten HIV-Bananen. Zahlreiche Verbraucher sind besorgt: Darf man jetzt keine Bananen mehr bei LIDL, Penny und Co. kaufen, weil akute Ansteckungsgefahr besteht?

AIDS-Bananen: Das steckt wirklich dahinter

Die Warnung vor den AIDS-Bananen oder HIV-Bananen taucht regelmäßig auf Facebook auf. Die entsprechenden Beiträge zeigen meist ein Bild mit einer merkwürdig rot verfärbten Banane und enthalten eine Warnung und die Aufforderung den Beitrag zu teilen, so wie in diesem Post:

Angeblich wurde Aids-infiziertes Blut in die Bananen gespritzt, damit sich andere Leute ebenfalls infizieren. Deshalb soll man jetzt auch immer nachschauen, bevor man eine Banane isst. Die Warnung vor den HIV-Bananen wurde inzwischen schon des Öfteren in den sozialen Medien verbreitet - es handelt sich dabei allerdings um eine Falschmeldung. Die rote Verfärbung stammt von einer natürlichen Mangelerscheinung (genaue Erklärung weiter unten) - in der Regel werden diese Bananen aussortiert, manchmal kommen aber doch einige Exemplare in den Handel. Eine gesundheitliche Gefahr droht nicht!

Im Gegensatz zu den Fällen der „Bananen-Spinnen“: Wir verraten euch im verlinkten Artikel, welche Vorfälle es gab, und wie groß giftig die Tiere sind.

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21 Beiträge, in denen alte Leute kläglich auf Facebook scheitern.

HIV-Bananen: Warnung vor AIDS-infizierten Bananen auf Facebook - Achtung Fake!

Bei den HIV-Bananen handelt es sich also wieder mal um ein typisches Internet-Gerücht bzw. einen Hoax. In deutschen Supermärkten werden keine Bananen verkauft, in die vorher HIV-infiziertes Blut gespritzt wurde. Wenn man ein wenig darüber nachdenkt, sollte eigentlich klar sein, dass die Geschichte Blödsinn ist. Wer sollte ein Interesse daran haben, so etwas zu machen? Die Bilderberger? Die Illuminaten? Oder eine andere Geheim-Organisation von der wir noch nichts wissen? Um einen Unfall kann es sich ja auch schlecht handeln und wie gelangt das Blut in die Bananen?

Schaut man sich die Fotos an, wirken diese aber tatsächlich ein wenig gruselig. Die aufgeschnittene Banane weist in der Mitte einen deutlich erkennbaren roten Streifen auf, den man mit etwas Fantasie als Blut interpretieren kann. Das Schauermärchen hat denn auch schon zahlreiche Verbraucher verunsichert - wohl auch, weil in den Beiträgen auf Facebook eine angebliche „wissenschaftliche Untersuchung“ erwähnt wird, nach der die Bananen wirklich HIV-Positiv sind. Das ist natürlich quatsch - und für die rote Verfärbung gibt es eine einfache Erklärung.

HIV-Bananen: Wieso sind die Bananen rot?

Der Internet-Blog mimikama hat nach den kürzlichen Spekulationen im Netz eine Anfrage an LIDL gestellt, warum die Bananen denn rot verfärbt sind. Antwort von LIDL: Die Verfärbung wird durch eine Mangelerscheinung verursacht, die zwar nicht schön aussieht, aber gesundheitlich unbedenklich ist. Hier der vollständige Wortlaut:

Bei dem dokumentierten Mangel handelt es sich um “Dry rot“. Diese Banane ist an der Pflanze unzureichend mit Nährstoffen versorgt worden. Die Mangelerscheinung ist neben dem zu erkennenden, ausgetrockneten und folglich rötlich-braun verfärbten Fruchtfleisch auch an der ungewöhnlichen, schmalen Form zu erkennen.
Das Vorkommen ist relativ häufig, derart unterversorgte Bananen werden aber grundsätzlich in der Packstation erkannt und aussortiert. Eine Krankheit oder eine wie auch immer geartete Kontamination der Banane liegt nicht vor. Eine Gesundheitsgefährdung ist u.E. ausgeschlossen. Abgesehen von diesem Foto haben wir keine Reklamationen erhalten, unserer Qualitätssicherung geht der Sache natürlich nach.

Woher stammen die angeblichen HIV-Bananen?

Die Geschichte mit den AIDS-Bananen ist schon ein wenig älter, was aber typisch für diese Art von Meldung ist. Von Zeit zu Zeit werden alte Gerüchte wieder aufgekocht und sorgen dann für einige Zeit für allgemeine Panik, bis die nächste Katastrophenmeldung auftaucht. Als Ursprungsländer für die HIV-infizierten Bananen wurden in der Vergangenheit schon Guatemala und Libyen genannt - auch in Kanada sorgte die Meldung letztes Jahr für Aufregung.

Was in der allgemeinen Panik untergeht: Der HIV-Virus kann nach heutigem Wissensstand außerhalb des menschlichen Körpers nur sehr kurze Zeit überleben: Selbst wenn also tatsächlich irgendjemand HIV-infiziertes Blut in Bananen spritzen sollte, bestünde keine Gefahr, da der Erreger während des Transports der Bananen absterben würde. Interessant ist natürlich auch die Frage: Warum wird das Blut eigentlich nur in Früchte gespritzt, in denen man es deutlich erkennen kann? Wenn wirklich eine Verschwörung dahinter steckt, könnte man doch meinen, dass die Verbrecher so schlau sind, die tödliche Fracht in Wassermelonen, Blutorangen oder Kirschen zu verstecken.

Facebook: Belohnung für Mitgliedschaft - Echt oder Fake?

Falls ihr solche Horrorstories in den sozialen Medien lest, solltet ihr euch daher immer die folgenden Fragen stellen:

  1. Berichten andere renommierte Medien (Spiegel Online, etc.) oder die Nachrichten im TV über den Vorfall?
  2. Wer ist der Urheber der Nachricht?
  3. Gab es solche (oder ähnliche) Meldungen schon einmal?

In vielen Fällen stellt sich dabei schon heraus, dass die Nachricht einfach auf dem Hörensagen anderer Internet-Nutzer beruht und dass nichts an der Geschichte dran ist. Außerdem solltet ihr wenn möglich nicht einfach auf Teilen klicken: Damit verhindert ihr, dass solche Geschichten überhaupt erst so groß werden.

via Mimikama

Bildquelle: Closeup of a bundle of bananas in natural light via Shutterstock

Zuletzt aktualisiert am 24.11.2016

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