Off-Topic: Los Angeles, eine erste Bestandsaufnahme

Kamal Nicholas

Kaum zu glauben, dass ich mittlerweile schon fast einen Monat in Los Angeles bin. Nachdem ich die ersten zwei Wochen mit Urlaub verbracht habe, arbeite ich seit Anfang November nun im Home Office für GIGA. Und nun möchte ich meine erste Bestandsaufnahme meines Aufenthalts mit euch teilen.

Off-Topic: Los Angeles, eine erste Bestandsaufnahme

Eins vorneweg: Ich war bereits mehrfach hier in Los Angeles und konnte mich daher schon vorher mit der Stadt auseinandersetzen. Allerdings waren die Voraussetzungen da völlig andere, was den derzeitigen Aufenthalt in vielerlei Hinsicht auch neu macht. Hier ein paar meiner Erfahrungen

Los Angeles: Groß, dreckig, laut. Und wahnsinnig schön

Los Angeles ist eine ungewöhnliche Stadt. Eigentlich ist es ja auch mehr als das, denn während Los Angeles etwa 3,5 Millionen Einwohner hat, zählt LA County mittlerweile über 10 Millionen Einwohner. Zwar ist Los Angeles der Hauptsitz, die ganzen anderen Stadtteile wie etwa Santa Monica (wo wir, meine Verlobte und ich), Venice und so weiter sind eigene Städte, die eigene Regeln haben. Um die Sache aber etwas einfacher zu gestalten, werde ich mit LA bzw. Los Angeles immer auch die County meinen.

Wie groß LA ist, lässt sich relativ schwer in Worte fassen. Wer von A nach B kommen will, muss Zeit einrechnen, vor allem dann, wenn das zu Verkehrsstoßzeiten passieren soll. Denn dann wird aus einem Weg, der normalerweise etwa 30 Minuten dauert gerne mal eine Tour von 1 ½ Stunden. Und unter der Woche passiert das eigentlich täglich. Zwei Mal.

Eine meiner Schwestern etwa wohnt in Glendora, am Rande von LA. Von da, wo ich wohne, sind das 42 Meilen, also 67, 5 Kilometer. Aber auch, wenn ich mal nach Downtown fahre, muss ich immer noch eine Strecke von 15 Meilen (24 Kilometer) hinter mich bringen. Apropos fahren: Der Highway ist quasi überall. Anders als eine Autobahn führen ständig Abfahrten aus der Stadt auf und vom Highway. Dementsprechend hört man diesen auch eigentlich immer, auch wenn er oft nur als Hintergrundrauschen wahrzunehmen ist.

Und es ist schon alleine diese Größe der Stadt, die es hier so faszinierend macht. Jedem, der hierher reist empfehle ich, sich mindestens drei Wochen Zeit zu nehmen, da man sonst einfach nicht die Dimensionen begreift, die in der Stadt herrschen. Und natürlich sind in einer Weltstadt wie Los Angeles unglaublich viele Kulturen auf einmal zugange. So gelangt man schnell mal von Downtown nach Korea- oder Chinatown, wer will kann einen Abstecher nach Little Armenia oder Little Ethiopia machen und so weiter.

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Los Angeles: Stadt der Vielfalt

Egal was man sucht, in LA wird man es wahrscheinlich finden. Ob einem der Sinn nach Zen-Yoga und veganem Lebensstil steht oder nach Großstadtcharme vergangener und gegenwärtiger Zeiten mit brutalen Über-Burgern und in bacon gewickelte Hot Dogs, hier gibt es alles: Das Meer, Berge, Wüste, sogar Skifahren ist kein Problem.

Das Gleiche gilt natürlich für das Essen. Wie seine Einwohner so ist auch die Nahrung hier äußerst unterschiedlich und dabei lässt sich auch immer wirklich authentisches Essen finden wenn hier scharf drauf steht, dann ist das ernst gemeint). Den Großteil der Einwohner in LA bilden Mexikaner und Latinos , aber auch sonst findet man hier alle erdenklichen Hautfarben und Sprachen. Und das ist fantastisch.

Der amerikanische Traum

Mit Hollywood um die Ecke ist natürlich auch der amerikanische Traum immer präsent. Oder besser gesagt, da, was von ihm noch übrig ist.

Man merkt die Wirtschaftskrise in Amerika, auch wenn die Leute an der Westküste sich das sicherlich ungerne eingestehen. Als ich das erste Mal in Los Angeles war, fuhren hier gefühlt fast nur riesige Autos, eigentlich war alles immer zu groß. Das hat sich mittlerweile ein wenig geändert. Also, die Sachen sind alle noch sehr groß, aber irgendwie ist es anders. Das Benzin ist teurer geworden (für unser Verhältnisse zwar immer noch lächerlich günstig, sobald man hier aber jeden Tag große Strecken zurücklegen muss, schlägt das schnell zur Kasse), das Essen gesünder, die Autos kleiner und sonst merkt man, dass das Geld nicht mehr ganz so locker sitzt.

Versteht mich nicht falsch, der Konsum steht hier weiterhin an ganz großer Stelle, allerdings hört man mittlerweile keine Werbungen mehr wie: „Why not give something special for christmas? Why not give a Lexus?“ (Ja, das Auto).

Die harten Gegensätze

Die Größe der Stadt und die vielen Menschen in ihr sorgen natürlich auch für unglaublich viele und teilweise sehr krasse Gegensätze. Auf der einen Seite existiert hier weiterhin eine wirklich eklige Wegwerfgesellschaft (wenn z.B. bei Starbucks ein falsches Getränk zubereitet wird, wird dieses nicht etwa verschenkt, sondern weggeschmissen, Essensportionen in Restaurants sind eigentlich immer zu groß, beim Einkauf bekommt man in den meisten Stadtteilen unzählige Plastiktüten hinterhergeworfen, Mülltrennung existiert noch immer nur teilweise usw. ). Dazu kommen die Menschen, die sich einfach alles leisten können und dies auch ganz offen zur Schau stellen. Rodeo Drive, Beverly Hills, Pacific Palisades, all diese Städte riechen nach zu viel Geld.

Und dann gibt es Gegenden wie Skid Row in Downtown, in der die Menschen zu tausenden auf der Straße leben. Dort sind die Gehwege mit Zelten und provisorischen Herbergen aus Müll zugestellt. Um die Ecke befindet sich der Fashion District, der einem einen ordentlichen Eindruck mexikanischer Einkaufstraßen vermittelt und wo man von gefälschten Deisgner-Produkten bis hin zu selbstgebrannten Raubkopien aktueller Kinofilme alles findet.

LA

Und die Gegensätze ziehen sich weiter durch die hiesige Bevölkerung: Auf der einen Seite sind da Menschen, die sich ausschließlich bei Whole Foods (hier auch liebevoll Whole Paycheck genannt) mit gesundem Essen eindecken, ständig Sport treiben, gebleichte Zähne haben und nicht selten einen oder mehrere Körperteile mit Hilfe von plastischer Chirurgie bearbeitet haben. Und auf der anderen Seite gibt es unglaublich viele adipöse Menschen, die in ihrer Fettleibigkeit das Übergewicht in Deutschland bei Weitem übersteigen. Und es sind genau diese Gegensätze, die die Stadt so faszinierend macht. Nicht nur im Guten natürlich aber auch.

Los Angeles: Das ganz Besondere

Eigentlich gilt das Folgende nicht nur für LA, sondern generell für Kalifornien. Die Stadt der Engel ist da aber doch noch etwas intensiver. Die Menschen sind unglaublich freundlich. Oft wird den Angelinos (oder auch einfach den Amerikanern generell) eine Oberflächlichkeit kritisch nachgesagt , ich bin aber der festen Überzeugung, dass solche Aussagen vor allem von Menschen stammen, die noch nie hier waren.

Nicht nur, dass die Menschen hier lächeln, sich gegenseitig Grüßen und ansprechen, nein, sie helfen sich auch oft. Das Autofahren ist ein gutes Beispiel: Auch wenn der Verkehr oft katastrophal wirkt, läuft alles doch sehr defensiv ab. Es wird fast immer geschaut, wer was macht und in den meisten Fällen wird eher nachgegeben, als auf irgendein Recht zu bestehen.

Wildfremde Menschen sagen einem auf der Straße, dass ihn ein Kleidungsstück, das man selbst trägt, gut gefällt oder das man gut aussieht, Kellner und Angestellte in Geschäften kümmern sich um einen und helfen, wenn man dies braucht. In den seltensten Fällen empfinde ich das als aufdringlich, sondern einfach als zuvorkommend.

Es gibt noch viel mehr zu berichten und ich könnte hier noch eine ganze Weile lang weiterschreiben, will es dabei aber erst einmal belassen. Gerne gehe ich auf einzelne Punkte noch etwas näher ein, außerdem werde ich in den kommenden Wochen auch weitere solche off-topic Artikel zu Los Angeles schreiben.

Übrigens: Von mir gemachte Bilder findet ihr auf meinem Instagram-Profil und dem Blog, den ich gemeinsam mit meiner Freundin mache. Und natürlich haben wir hier auf GIGA auch eine extra Seite für meinen Aufenthalt hier eingerichtet.

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