Gigaset, die ehemalige Festnetzsparte von Siemens, plant den Einstieg in den Smartphone-Markt. Die Geräte werden in China produziert und sollen bereits in diesem Jahr in den deutschen Handel kommen, wie Gigaset-Vorstandsvorsitzender Charles Fränkl im Interview mit der Süddeutschen Zeitung erklärt. Ob das Unternehmen seine Produktion nun komplett nach China verlagert, ließ Fränkl offen. 

 

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„Letztes Jahr wurden weltweit etwa 60 Millionen neue Schnurlostelefone verkauft. Wir liefern davon immerhin gut ein Drittel aus. Zur gleichen Zeit wurden aber mehr als eine Milliarde Smartphones vertrieben. Das ist der große Unterschied.“, verwies der Chef von Gigaset auf die Zahlen, die eine eindeutige Sprache sprechen. Tatsächlich dürften die Verkäufe von Schnurlostelefonen in den nächsten Jahren weiter abnehmen, während der Absatz von Smartphones – nicht zuletzt durch Schwellen- und Entwicklungsländer – wohl noch lange nicht seinen Höhepunkt erreicht hat. Insofern ergibt die Entscheidung von Gigaset, in diesen Zukunftsmarkt einzusteigen, natürlich Sinn.

Gigaset vertreibt bereits Android-Tablets

Die Fertigung der Smartphones wird ein Gemeinschaftsunternehmen in China übernehmen. Pan Sutong, ein exzentrischer chinesischer Milliardär, der für seine Liebe zum Wein und Polo-Sport bekannt ist, stieg 2013 bei Gigaset ein und hält inzwischen 75 Prozent der Anteile. Nachdem Siemens Gigaset 2008 an einen Finanzinvestor veräußerte, hing das Unternehmen viele Jahre am seidenen Faden. Dank des Einstiegs von Pat Sutong, konnte sich der Hersteller entschulden und wieder Eigenkapital bilden. „Ohne ihn könnten wir nicht ins Smartphone-Geschäft einsteigen“, so Fränkl.

Im Mobilfunkmarkt ist Gigaset übrigens kein Neuling: Das Münchner Unternehmen vertreibt bereits Android-Tablets, die es vom taiwanischen Auftragshersteller (ODM) Quanta Computer herstellen lässt. Smartphones unter der Gigaset-Marke würden lediglich das Produktportfolio im Mobilmarkt abrunden. Derzeit ist unklar, auf welchem Betriebssystem die neuen Gigaset-Smartphones basieren sollen. Die Verwendung von Android als offenem, ausgereiftem und vor allem auch kostenlosem OS liegt aber auf der Hand.

Verlagerung der Gigaset-Produktion nach China?

Für die Mitarbeiter der Gigaset-Produktion in Bocholt könnte der Einstieg in den Smartphone-Markt aber möglicherweise unschöne Konsequenzen nach sich ziehen: „Niemand kann in die Zukunft blicken, aber ich gehe davon aus“, antwortet Gigaset-Chef Fränkl auf die Frage, ob der Hersteller mit seiner Produktion in der nordrhein-westfälischen Stadt bleibt. Wenn bereits Smartphones von Gigaset in China gefertigt werden, könnte ja – so die Befürchtung – auch die restliche Produktion ins Reich der Mitte verlagert werden. Laut Fränkl habe Gigaset 1.600 derzeit verschiedene Produkte, bei denen sich eine Produktion in Asien aber nicht in allen Bereichen lohne. „Der Grundsatz lautet, je individueller ein Produkt ist, desto näher muss man am Kunden sein. Und die klassischen Gigaset-Kunden leben nun einmal in Europa“

Quelle: Süddeutsche, via: heise

Kaan Gürayer
Kaan Gürayer, GIGA-Experte für Smartphones, Tablets und Smartwatches.

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