Google X-Chef über Google Glass, Project Loon und selbstfahrende Autos

Rafael Thiel

Im Rahmen der gerade stattfindenden SXSW-Konferenz im texanischen Austin kam auch Astro Teller zu Wort und gab Einblicke in die verschiedenen Moonshot-Projekte, die er als Chef von Google X betreut. Neben ambitionierten Zielen, wie selbstfahrende Autos oder vernetzte Ballons, räumte er in diesem Zusammenhang auch Kommunikationsfehler nach außen ein; insbesondere Google Glass erfuhr demnach von Beginn an zu viel Aufmerksamkeit und wird daher von der Öffentlichkeit aktuell als gescheitert wahrgenommen – dabei läuft ihm zufolge alles nach Plan.

Google X-Chef über Google Glass, Project Loon und selbstfahrende Autos

Der Hype war zu groß, das muss sich Astro Teller, seines Zeichens Abteilungsleiter der Google X-Labore, im Nachhinein eingestehen. Nachdem das Explorer-Programm der Google Glass beendet wurde, galt es nach öffentlichem Empfinden als gescheitert. Dabei war die futuristische Datenbrille von Google bereits vom Start weg als Prototyp ausgegeben, der nie für den Endverbraucher gedacht war und, nachdem erste Nutzermeinungen von außen eingeholt wurden, erneut überarbeitet und optimiert werden sollte.

„Wir haben zu viel Aufmerksamkeit für das [Google Glass-]Programm zugelassen, mitunter gar gefördert. […] Das hat die Menschen glauben lassen, dass es sich um ein fertiges Produkt handle.“ – Astro Teller auf der SXSW-Konferenz

Demnach ist Teller zufolge der eingestellte Verkauf des unfertigen Produkts lediglich der nächste Schritt eines vorher abgesteckten Plans – etwaiges Scheitern dementiert der Chef von Google X. Allerdings wurde die Datenbrille von Google auch regelmäßig als Vorzeigeprojekt propagiert und nach außen als beinahe fertiges Produkt kommuniziert. Der Chef des Geheimlabors lässt jedenfalls nicht durchblicken, ob es intern womöglich unterschiedliche Ansichten über die Entwicklungsstufe von Google Glass gab. Das Projekt wurde mittlerweile aus Google X ausgelagert und untersteht fortan dem Nest-Gründer und iPod-Erfinder Tony Fadell.

Google Glass: Neues Modell der Datenbrille soll Intel-Prozessor an Bord haben Bild

Doch mit Rückschlägen weiß Astro Teller ohnehin umzugehen – manche Fehler waren vom Entwicklungsteam gar beabsichtigt. So wurden die Ballons von Project Loon, das Internet in entlegene Regionen bringen soll, zunächst aus Latex gefertigt, sodass sie infolge der Kälte in höheren Schichten der Atmosphäre explodieren würden. „Wir konzipierten unsere ersten Ballons bewusst fehlerhaft“, ließ der Google X-Chef wissen. Damit konnte nämlich sichergestellt werden, dass die Flugobjekte nicht in angrenzende Länder abtrieben, wo Google keine Genehmigungen hatte.

Mangelnde Fehler bei Project Wing und das größte Problem bei selbstfahrenden Autos

In der Wissenschaft sind Fehler mitunter gar gewollt. Bei Project Wing, einem Drohnenprogramm für den Warenversand, liefen die ersten Testdurchläufe so reibungslos, dass die Ingenieure laut Teller hinterher regelrecht enttäuscht waren – denn aus Fehlern kann man lernen. Die selbstfahrenden Autos, denen es übrigens noch immer an einer richtigen Projektbezeichnung mangelt, hingegen wurden lange Zeit hinter verschlossenen Türen getestet, weil Fehler bei diesem Projekt hätten gefährlich werden können. Irgendwann mussten die Prototypen jedoch auf die Straße, um das Programm voranzutreiben.

Self-Driving-Car: Googles selbstfahrendes Auto ist fertig für die Straße Bild

Allerdings kristallisierte sich recht bald ein Problem heraus: der Mensch. Bereits erste Testfahrten mit unbeteiligten Probanden im Jahr 2012 zeigten, dass die menschliche Aufmerksamkeit infolge des autonomen Fahrens rasch abnimmt. Denn auf dem Highway verhielten sich die umgebauten Lexus SUVs bereits damals hervorragend. „Wir hätten vermutlich viel Geld verdienen können, wenn wir diese [Autos] verkauft hätten“, meinte Teller. Da auf den Menschen kein Verlass ist, verfügen neuere Prototypen nicht mehr über Pedale und Lenkrad – stattdessen soll das System soweit verbessert werden, dass menschliches Eingreifen grundsätzlich nicht mehr vonnöten ist.

Es kam derweil schon beinahe zu einem Unfall: Eine ältere Dame im Rollstuhl hat die Straße überquert und dabei eine Ente vor sich her gescheucht, jedoch wurden beide Objekte vom Auto nicht als Problem identifiziert – der menschliche Beifahrer musste eingreifen. Wieso das System in diesem Fall versagt hat, konnte noch nicht endgültig ergründet werden. Das zeigt aber, dass es noch eine Weile bis zur Marktreife dauern dürfte.

Quelle: Reuters, The Verge

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