Android: EU-Kommission wirft Google Missbrauch seiner Marktmacht vor

Rafael Thiel 2

Es ist offiziell: Die EU-Kommission weitet das Wettbewerbsverfahren gegen Google aus. Nach der Suchmaschine ist jetzt Android ins Visier der Kartellwächter geraten. Eine Liste der Beschwerdepunkte ist dem US-amerikanischen Konzern mitgeteilt worden.

Der Vorwurf der EU-Kommission ist im Grunde einfach: Google missbrauche seine marktbeherrschende Stellung, indem der Konzern die Nutzung des Android-Betriebssystems an gewisse Bedingungen knüpft. So sind Hersteller mobiler Endgeräte bekanntermaßen dazu verpflichtet, eine Reihe von Google-Anwendungen auf den Geräten vorzuinstallieren. Denn obwohl Android an sich Open Source ist und im Rahmen der Open Handset Alliance entwickelt wird, machen die Google-Dienste doch die Würze des OS aus.

EU-Kommission kritisiert Vorinstallations-Pflicht von Google-Diensten

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Es steht Herstellern offen, Android kostenfrei zu beziehen. Für die Nutzung der Google-Dienste, die ab einem gewissen Marktvolumen unabdinglich ist, ist jedoch eine Lizenzvereinbarung mit Google nötig. Das bedeutet: Will ein Unternehmen ein Smartphone mit dem Play Store ausstatten, laut EU-Kommission in 90 Prozent der Fälle Bezugsort für Android-Apps, müssen auch Dienste wie Maps, Chrome und YouTube vorinstalliert werden. Das schließt nach Ansicht in Brüssel konkurrierende Distributionskanäle aus. Zudem ist im Pflicht-Paket auch die Google-App enthalten, die auf die Suchmaschine des Konzerns verweist, die sich ohnehin bereits im Visier der EU-Kommission befindet.

Auf das Android-OS zu verzichten ist für die meisten Hersteller zudem ebenfalls kein gangbarer Weg. Im europäischen Raum liegt der Anteil des Betriebssystems bei über 90 Prozent, insbesondere in den unteren Preissegmenten, die nach Ansicht der EU-Kommission von der Mehrheit der Kunden beansprucht wird, genießt Android eine Vormachtstellung. Durch die Tatsache, dass sich die meisten Entwickler somit auch eher Android denn eines anderen Betriebssystems zuwenden, werden ferner Wettbewerber ausgeschlossen.

EU-Komission

Google: Kooperationen sind freiwillig

In einem Blogeintrag bezog Google bereits Stellung zu den Vorwürfen der EU-Kommission. Darin betont der Konzern, dass die Lizenzvereinbarungen auf freier Basis getroffen werden. Als Beispiel dafür, dass Android auch ohne Google-Dienste funktionieren kann, wird Amazon angeführt. Die Hersteller haben demnach die freie Wahl, welche Kooperation sie eingehen und welche Apps sie vorinstallieren möchten.

Da stellt sich die Frage: Werden die Google-Dienste vielleicht auch deswegen vorwiegend genutzt, weil sie in ihren jeweiligen Bereichen (mit) die beste Lösung darstellen? Doch die EU-Kommission beschäftigt sich nicht damit, ob ein Nutzer eine andere Suchmaschine benutzen würde. Nach dem Kartellrecht muss Android stellvertretend für Google einer Prüfung unterzogen werden. Der Konzern kündigte jedoch an, mit der EU-Kommission an einer Lösung zu arbeiten.

Quelle: EU-Kommission Pressemitteilung, Google Europa Blog via Caschys Blog, Zeit Online

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