Google-CEO: Larry Page verhinderte enge Zusammenarbeit von Google und Motorola [Gerücht]

Kaan Gürayer 2

Als Google im Jahr 2011 die Übernahme von Motorola Mobility bekanntgab, fürchteten viele, der Suchmaschinenprimus hätte nicht nur Interesse an den Patenten des Traditionsherstellers, sondern wolle wie Apple ein integrierter Konzern aus Hard-und Software werden. Die Kombination aus Googles Software-Know-How und Motorolas Hardware-Expertise hätte die Konkurrenz von Samsung, HTC und Co. wohl alt aussehen lassen – dazu ist es bekanntlich nie gekommen. Laut Amir Efrati, Brancheninsider und ehemaliger Journalist beim Wall Street Journal, soll Larry Page persönlich eine engere Zusammenarbeit zwischen Motorola und Google verhindert haben.

Schon immer hat man in Mountain View betont, dass Motorola durch eine Firewall von Google getrennt sein und als unabhängiger Konzern geführt werden solle. Andere Android-Hersteller wie Samsung oder HTC sollten nicht durch eine Bevorzugung von Motorola vergrätzt werden – insofern hat sich Google nur an sein eigenes Versprechen gehalten. Interessanter waren jedoch die Versuche des Motorola-Managements, eben diese scharfe Trennung aufzuweichen: So strebte man etwa an, enger mit Googles Entwicklerteam für Computerlinguistik zusammenzuarbeiten, um eine bessere Spracherkennung auf Motorola-Smartphones zu ermöglichen. Das Moto X ist zwar mit seiner „Always Listening“-Funktion schon Vorreiter in dieser Hinsicht, doch eine bessere Zusammenarbeit zwischen beiden Teams hätte mit Sicherheit noch weitere Früchte davongetragen, ist sich Efrati sicher.

Doch Google-CEO Larry Page untersagte dem Entwicklerteam für Computerlinguistik höchstselbst, enger mit Motorola zusammenzuarbeiten. Als „Trostpreis“, wenn man so will, eröffnete er Motorola zumindest die Möglichkeit, etwas mit den Google-Teams für YouTube und Google+ auf die Beine zu stellen. Davon waren wiederum YouTube und Google+ nicht begeistert, die lieber an „großen Projekten“ arbeiten wollten statt Motorola, das zu keiner Zeit während der Ägide Googles schwarze Zahlen schrieb, unter die Arme zu greifen. Larry Page hätte auch hier eingreifen können, doch unterließ er es. Auch den Wunsch Motorolas nach einem größeren Werbebudget, um das Moto X ordentlich zu promoten, ließ Page angeblich unbeantwortet.

Bilderstrecke starten(23 Bilder)
Googles Friedhof: 23 Projekte, die vom Mega-Konzern zu Grabe getragen wurden

Larry Page, Google

Tatsächlich könnte man den Eindruck gewinnen, Motorola sei das ungeliebte Stiefkind in der Google-Familie gewesen, doch so leicht ist die Sache dann doch nicht. In der Tag gab es interne Widerstände gegen eine engere Zusammenarbeit mit Motorola – beispielsweise ist deshalb das Moto X mit einer veralteten Android-Version an den Start gegangen und auch der ehemalige Android-Chef Andy Rubin soll ein vehementer Gegner einer bevorzugten Behandlung Motorolas gewesen sein. Aber Android – genauer gesagt: die Open Handset Alliance – besteht eben nicht nur aus Google. Sie ist ein Zusammenschluss von Softwareunternehmen, Mobiltelefonherstellern, Netzbetreiber und Chipherstellern, die Google als Leiter des Konsortiums alle bei Laune halten muss.

Die Wünsche Motorolas nach einer tieferen Zusammenarbeit mit dem neuen Mutterkonzern waren ohne Zweifel nachvollziehbar, doch Google hat das große Ganze im Auge halten müssen und Motorola, wenn auch manchmal auf raue Art und Weise, intern auf Abstand gehalten. Alles andere hätte die eigenen Partner in der OHA, die zwar offiziell ihren Segen für die Übernahme gaben, aber mit Sicherheit mit Argusaugen die Behandlung von Motorola beobachten haben, nur vergrätzt. Das hatte sich Google schlicht nicht leisten können.

Mit dem Verkauf an Lenovo ist man dieses Problem aber nun endgültig los. Ob die Chinesen Motorola „innerhalb weniger Monate“ profitabel machen können, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall nimmt die Übernahme durch Lenovo etwas Dampf aus dem Android-Kessel – sicher nicht ganz zufällig wurde der Deal von Google und Samsung, der TouchWiz wieder näher an Android und Google-Apps stärker in den Vordergrund rücken soll, nur einen Tag nach dem Verkauf von Motorola an Lenovo bekannt.

Was meint ihr: War es die richtige Entscheidung von Google, Motorola intern auf Abstand zu halten? Oder hat man hier eine Chance verpasst, in Hard- und Software hervorragend aufeinander abgestimmte Smartphones zu entwickeln?

Quelle: The Information [Business Insider]

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung