Google: Europäische Netzbetreiber wollen mobile Werbung blockieren

Tuan Le 11

Es könnten sehr schwere Zeiten auf Google und Yahoo zukommen: Einem Bericht der Financial Times zufolge sind die europäischen Netzbetreiber im Begriff, Werbung auf Smartphones im gesamten Internet zu blockieren. Dadurch soll das Werbemonopol von Google und Co. gebrochen und ein fairer Wettbewerb ermöglicht werden. In der Praxis könnte dies jedoch schwerwiegende Folgen haben und ein klarer Schritt gegen die Netzneutralität sein.

Google: Europäische Netzbetreiber wollen mobile Werbung blockieren

Der Bericht der Financial Times bezieht sich auf anonyme Quellen und prognostiziert für die nahe Zukunft ein geschlossenes Vorgehen der Mobilfunkanbieter in Europa gegen Google. Unter Verwendung der Technologie des Software-Startups Shine sollen über die Mobilfunkverbindung des Smartphones abgerufene Werbung blockiert werden. Brisant an der Sache ist, dass Shine unter anderem von der Investment-Firma Horizon Ventures unterstützt wird, die wiederum Li Ka-Shing gehört. Der wiederum kontrolliert eine der größten Telecom-Firmen der Welt, Hutchison Whampo: Dieser Konzern wiederum übernahm nicht nur vor kurzem die britische O2-Dependance, sondern steht gerüchteweise in Gesprächen mit Google zur Planung eines globalen Roamingangebotes, das vermutlich Bestandteil von Googles Mobilfunkangebot „Project Fi“ ist.

Netzbetreiber wollen ein Stück von Googles Werbeeinnahmen

Interessanterweise gilt die Blockade bisweilen nicht für die in sozialen Netzwerken geschaltete Werbung. Angeblich habe der Vorsitzende eines europäischen Mobilfunkunternehmens diese Vorgehensweise bestätigt, wobei abzuwarten bleibt, inwiefern das Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden kann. Bereits 2013 versuchte der französische Internet Provider Free über ein Firmware-Update für die eigenen Router jegliche Werbeeinblendungen zu deaktivieren. Kurze Zeit später musste das Unternehmen dies jedoch auf Druck der Regierung wieder rückgängig machen. In den USA versuchten umgekehrt Provider zusätzliche Werbung über die Datenverbindung einzuschleusen, was ebenfalls schnell unterbunden worden ist. Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass großflächig Werbeeinblendungen über die mobilen Datenverbindungen blockiert werden, dürfte ein Einschreiten der europäischen Kommission nur eine Frage der Zeit sein.

Für den Nutzer klingt ein Internet ohne Werbung im ersten Moment enorm verlockend, doch sind viele Unternehmen von den Werbeeinnahmen abhängig und würden innerhalb von kürzester Zeit nicht mehr rentabel sein. Folglich würden sehr viele kostenlose Angebote für die Nutzer wegfallen, wenngleich die Option zur Blockade sämtlicher Werbung vorerst via Opt-In vom Nutzer in Anspruch genommen werden muss. Möglicherweise werden sich die Mobilfunkanbieter auch schon bald in Absprache mit werbeschaltenden Konzernen setzen, um gegen einen entsprechenden Obolus doch die eine oder andere Werbung zu schalten. Für die Netzneutralität, also der Gleichbehandlung jeglichen Internetverkehrs, wäre dies indes ein Schritt in die entgegengesetzte Richtung.

Quelle: Financial Times (Paywall) via The Next Web, heise

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