Google-Exklusivität bei Android gebrochen – Millionenstrafe in Russland

Simon Stich

Google muss Android in Russland für andere Anbieter öffnen und eine Kartellstrafe von 7,3 Millionen Euro zahlen. Das Anti-Monopol-Komitee des Landes ist der Meinung, dass der Konzern mit vorinstallierten Apps auf Android-Smartphones andere Hersteller benachteiligt. Auch der Wechsel zu anderen Suchmaschinen muss vereinfacht werden – sonst droht eine höhere Strafe.

Mit dem Urteil geht ein anderthalbjähriger Rechtsstreit zu Ende. Google hat die Strafe der russischen Kartellbehörde FAS bereits akzeptiert und zahlt 440 Millionen Rubel, was 7,3 Millionen Euro entspricht. Im Gegenzug wird das Verfahren gegen den Konzern in Russland eingestellt. Google verpflichtet sich zudem, Android mehr für andere Suchmaschinen zu öffnen.

Konkurrent Yandex hatte geklagt

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Google konkurriert in Russland mit Yandex, einem russisch-niederländischen Unternehmen mit Sitz in Amsterdam. Die operative Hauptzentrale des Suchmaschinen-Anbieters liegt in Moskau. Yandex hatte Klage gegen Google eingereicht, da Android-Geräte mit vielen vorinstallierten Apps ausgestattet sind. Das Unternehmen sah sich benachteiligt, da Google ein De-facto-Monopol besitzt und die Marktmacht dazu nutzt, um russischen Anbietern den Weg zu versperren.

„Gleichberechtigter Zugang“ nicht gegeben

Der Rechtsstreit zwischen Google und Yandex läuft bereits seit anderthalb Jahren. Hintergrund ist Googles „Mobile Application Distribution Agreement“ (MADA), nach dem Hersteller von Android-Smartphones verpflichtet sind, bestimmte Apps auf den Geräten ab Werk bereitzustellen. Wer sich nicht daran hält, bekommt keinen Zugriff auf den Play Store. Der bekannteste Fall dieser Art ist das Amazon Fire. Nur über Umwege können Nutzer den Play Store nachträglich installieren.

Yandex Browser.

Google zu Nachbesserung gezwungen

Google muss nicht nur die genannte Kartellstrafe begleichen, sondern wurde auch dazu verpflichtet, den Zugang für andere Suchmaschinenanbieter zu vereinfachen. Dem russischen Anti-Monopol-Komitee zufolge wird Google ein Update für bestehende Android-Geräte veröffentlichen, mit dem Nutzer einfacher die Standard-Suchmaschine wechseln können. Von Google selbst gibt es zu diesem Thema noch kein Statement. In einer ersten Mitteilung des Konzerns heißt es lediglich, dass Google „erfreut“ darüber sei, dass „die Interessen aller Seiten gewahrt bleiben“.

Yandex und Google in Russland gleichauf

Zahlen von StatCounter zufolge liegen Google (48 Prozent) und Yandex (47 Prozent) in Russland derzeit in etwa gleichauf. Vor einem Jahr trennten die beiden Konzerne noch circa 15 Prozent. Im Dezember 2016 konnte Yandex für kurze Zeit Google überholen. Microsofts Bing spielt mit einem Marktanteil von weniger als einem Prozent so gut wie keine Rolle. Auf Platz drei ist Mail.ru mit drei Prozent zu finden.

Quelle: t3n, n-tv, StatCounter

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