Google I/O 2013: Sind wir bereit für ein neues Android? [Kommentar]

Markus Schumacher 31

Heute Abend wird Google mit seiner in San Francisco stattfindenden Developer-Messe Google I/O 2013 erneut das Herz aller Entwickler und Teilnehmer höher schlagen lassen. In den vergangenen Jahren wurden dort die neuesten Geräte, Innovationen und richtungsweisenden Entwicklungen aus dem Google-Universum präsentiert. Gehörte Android traditionell zu den wichtigsten Punkten, ist in diesem Jahr aber erstaunlich unsicher, welche Neuerungen Google für sein mobiles Betriebssystems vorzustellen hat. Eine neue größere Android-Version ist unwahrscheinlich – möglich, das Google bewusst auf die Entwicklungsbremse tritt.

Wenn man von Android spricht, gehört auch meistens eine kurze Diskussion oder zumindest ein Satz über die betreffende OS-Version dazu — geht es um Gingerbread, Ice Cream Sandwich oder doch schon um Jelly Bean? Während sich Enthusiasten und Android-Kenner sofort auskennen und wissen, wovon die Rede ist, fragen sich normale Smartphone-Nutzer höchstens, was es mit diesen Süßspeisen auf sich hat. Eine Mischung aus Un- und Missverständnis ist das Resultat, wenn man zu erklären versucht, was diese Android-Versionen voneinander unterscheidet und woran man sie überhaupt erkennen kann.

Mal ehrlich: Wirklich offensichtlich ist die auf einem Smartphone installierte OS-Version nicht, solange man kein „pures“ Android verwendet. HTCs Sense-Oberfläche etwa sieht unter Gingerbread und Ice Cream Sandwich sehr ähnlich aus. Natürlich steckt dahinter Kalkül: Sense war und ist Differenzierungsmerkmal gegenüber anderen Herstellern und soll die Markenbindung erhöhen. Aber damit war für den Otto-Normal-Nutzer nicht offensichtlich, was sich von einer Android-Version zur nächsten verändert oder verbessert haben sollte. Gerade deswegen ist die installierte Betriebssystem-Version für jene Nutzer außerhalbs des Kreises der MOD- und Rom-Enthusiasten oftmals überhaupt nicht oder nur von geringem Interesse.

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Betrachtet man die Evolution von Android, dann wird deutlich, wie sehr sich das ganze System zu einer Einheit entwickelt hat: Konnte man bei Android 2.x höchstens rudimentäre Gehversuche von Google in Sachen Oberflächengestaltung erkennen, wirken Ice Cream Sandwich und Jelly Bean schon eher wie „aus einem Guss“ und geben ein deutlich runderes Gesamtbild ab. Google konnte auf viele Erfahrungen zurückgreifen und natürlich auch Inspiration von anderen Systemen mitnehmen, beispielsweise webOS (dank der Personalie Matias Duarte) oder auch iOS.

Die Umgestaltung eines ganzen Betriebssystems geht nicht nur mit optischen Entscheidungen einher, sondern hat auch tiefgreifende Einflüsse auf die Bedienung und die Entwicklung von Apps und sogar der Hardware. Anschaulichstes Beispiel sind dabei wohl die „Softkeys“, also die Einblendung der Navigationsstasten auf dem Display, damit diese im Smartphone nicht mehr in die Hardware integriert sein müssen. Diese Entscheidung hatte Einfluss auf nachfolgende Geräteentwicklungen, Systemerweiterungen und auf die Gestaltung von sogenannten Vollbild-Apps.

Betrachten wir die aktuelle Verteilung von aktivierten Android-Geräten pro Version, sind laut Google etwa gleich viele Geräte mit Jelly Bean und Ice Cream Sandwich unterwegs, nämlich jeweils ca. 28 %. Keinesfalls zu übersehen sind aber auch die 38 % der Geräte, die noch immer auf Gingerbread laufen. Am 20. Mai dieses Jahres wird diese Version immerhin drei(!) Jahre alt, im digitalen Zeitalter bedeutet das eine kleine Ewigkeit. Nutzer eines Android 2.3-Geräts sind meist von den Geräteentwicklern „vergessen“ oder zurückgelassen worden und werden auf offiziellem Wege kein Update mehr erhalten. Das ist besonders tragisch, weil Google bei Android gerade in Sachen Bedienbarkeit und auch Sicherheit in den letzten Versionen viel dazugelernt und verbessert hat.

Android-Key-Lime-Pie-Comic

Android-Versionen: Wie weit sollte Google gehen? (Illustration: Manut Cornet)

Vergessen wir mal für eine Sekunde, dass es als sicher gilt, dass Google auf der I/O falls überhaupt, dann nur ein kleines Android-Update präsentiert. Was würde passieren, wenn Google tatsächlich „Key Lime Pie“ alias Version 5.0 vorstellte? Die Nexus-Geräte würden mit ziemlicher Sicherheit innerhalb weniger Tage ein offizielles Update erhalten, auch der Quellcode würde in Kürze veröffentlicht, was weitere Custom ROMs und Portierungen zur Folge hätte. Neben den spekulierten optischen Veränderungen, einem Design nach Google+ bzw. Google Now-Vorbild wäre womöglich auch ein neues Vollbild-Bedienkonzept wie die „Pie Controls“ bei der Paranoid-Android Custom-ROM denkbar. Auch wenn noch nichts über die tatsächlichen Features bekannt ist, so kann man dennoch davon ausgehen, dass Google eine neue Versionsnummer auch mit weitreichenden Änderungen zu begründen versuchen würde.

Blickt man auf die aktuellen Verteilungsstatistiken darf und muss man sich aber fragen, ob Google sich damit selbst einen Gefallen tun würde: Derzeit sind die Entwickler noch immer mit der Entwicklung und Verteilung von Updates auf Basis von Ice Cream Sandwich oder Jelly Bean beschäftigt. Deren Entwicklung wäre angesichts einer bereits neuen veröffentlichen Version weitgehend überflüssig. Selbst wenn der Systemkern annähernd gleich bliebe, müssten gestalterische Fragen und interne Tests auf Basis der nächsten Version wiederholt werden.

Die Schere der Android-Versionen ist bereits weit offen und würde durch eine neue Version mit Sicherheit noch weiter geöffnet. Ein Zustand, der Entwickler, Nutzer und auch Hersteller strapaziert, denn jeder von Ihnen müsste sich dann mit mindestens vier verschiedenen Versionen herumschlagen und auseinandersetzen. Es bleibt also zu hoffen, dass Google sich dieser Problematik bewusst ist und eventuell aus Rücksicht darauf auch seine eigene Entwicklung angepasst und kompatibel gestaltet hat. Ein Android 4.3 muss nicht einem Stillstand der Weiterentwicklung gleichkommen, vielleicht hilft ein weiteres kleines Update dabei, das Chaos der Versionen in den nächsten Monaten weiter zu reduzieren und schon bald ein etwas homogeneres Bild der Versionsverteilung auf den kursierenden Android-Geräten zu zeichnen.

Was ist eure Meinung zur aktuellen Diskussion um die verschiedenen Android-Versionen? Sollte Google auf App-Entwickler und Hardware-Hersteller keine Rücksicht nehmen und ein Android 5.0 „Key Lime Pie“ vorstellen? Oder ist euch ein Android 4.3 lieber, dass einige Fehler aus 4.2 korrigiert und den Herstellern und Entwicklern mehr Zeit zum Aufholen lässt? Diskutiert mit uns in den Kommentaren!

Markus Schumacher, genannt motu90, ist ein langjähriger Leser von und Kommentator auf androidnext.de. Wir danken ihm für diesen Kommentar.

Bild „Android-Statuen“: nasaldemons (cc)

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