Google-Interview über Android-Zukunft: Mehr Cloud, mehr Sprache, weniger Fragmentierung

Lukas Funk 3

Im Interview mit Ars Technica haben sich hochrangige Entwickler des Android-Teams zur Zukunft des mobilen Betriebssystems geäußert. Dabei ging es vorrangig um die Neuerungen, die Android 5.0 Lollipop mit sich bringt und die die Richtung für die Zukunft des OS festlegen. Wichtigster Aspekt: Das Lösen der Apps vom System und damit die Möglichkeit, unabhängig von Systemupdates Geräte auf dem neuesten Stand zu halten.

Google-Interview über Android-Zukunft: Mehr Cloud, mehr Sprache, weniger Fragmentierung

Ron Amadeo, den meisten noch als Redakteur von Android Police bekannt und inzwischen bei Ars Technica als Android-Spezialist tätig, hatte die Möglichkeit, in Mountain View mit wichtigen Entwicklern des Android-Teams zu reden – namentlich Dave Burke, Vice President of Engineering für Android und Nexus-Geräte, Brian Rakowski, Vice President of Product Management und Gabe Cohen, Produktmanager. Herausgekommen ist ein Einblick in die Hintergründe von Android 5.0 Lollipop und ein Ausblick darauf, wohin die Reise in Zukunft gehen wird. Wir fassen im Folgenden die wichtigsten Punkte zusammen.

Developer Previews

Zunächst kam das Gespräch auf die Developer Previews der neuen Android-Version, eine Neuerung, die Entwicklern bessere Möglichkeiten gab, ihre Anwendungen für Lollipop anzupassen, als es bislang der Fall war. Vor allem Gerätehersteller konnten so noch früher damit beginnen, das Update auf existierende Geräte zu portieren – mutmaßlich ein Grund dafür, dass schon so viele Unternehmen Update-Termine in näherer Zukunft verlautbaren ließen. Das ausführliche Feedback erlaubte den Entwicklern zudem, statt der noch zur I/O versprochenen 5.000 ganze 7.000 neue Schnittstellen zur Verfügung zu stellen.

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Entschlackung des Systems

Ein weiterer Schwerpunkt war die Fortsetzung des aktuellen Trends, möglichst viele Systembestandteile vom selbigen loszulösen und in den Play Store oder die Play Services auszulagern. Mit Android 5.0 betrifft dies nicht nur die WebView, also die Möglichkeit in Android-Apps HTML-Seiten zu rendern. Die WebView-Komponente leidet im aktuellen Android-Ökosystem unter massiver Fragmentierung, da sie sich nicht nur von Gerät zu Gerät, sondern meist gar von Gerätesoftware-Version zu -Version unterscheidet und mit veralteten Versionen häufig auch schwere Sicherheitslücken im Umlauf sind. Seit einiger Zeit hat Google die Technik der WebView von WebKit auf Chromium/Blink umgestellt, mit Android Lollipop wird WebView auch über den Play Store aktualisiert, damit Programmierer mittelfristig mehr Sicherheit bei der Entwicklung ihrer Apps haben.

Google aktualisiert künftig aber auch den Prozess der Geräteeinrichtung und sogar die sicherheitsrelevanten Teile des Lockscreens. In Zukunft können so nicht nur Sicherheits-Updates ganz ohne System-Update verteilt werden, auch der Setup-Prozess zum Einrichten eines neuen Gerätes aktualisiert sich automatisch, sobald eine Datenverbindung besteht. Das ermöglicht es, etwa neue Methoden der Zweifaktorauthentifizierung – die nun integraler Bestandteil der Geräteeinrichtung sind – hinzuzufügen und insgesamt den konkreten Folgen der Fragmentierung von Android als Betriebssystem entgegenzuwirken.

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Außerdem erhalten Mobilfunknetzbetreiber, die Geräte mit Branding verkaufen, nun die Möglichkeit, vorinstallierte Apps Over The Air anzupassen und zu aktualisieren. Für Betreiber hat dies den Vorteil, dass auch ältere Modelle automatisch mit der neuesten Bloatware Software versorgt werden, Nutzer dagegen profitieren davon, dass so installierte Apps auf der Daten-, nicht der Systempartition landen und folglich deinstalierbar sind – ein derzeit großes Anliegen.

Neue und alte Hardware

Für uns weniger interessant, aber für Nutzer in den USA ist die Kooperation mit allen großen Netzbetreibern beim Vertrieb des Nexus 6. Diese soll zwar einen betreiberinternen Update-Check – und somit Verzögerungen – mit sich bringen, aber deutlich glatter laufen als zuvor. Besonders das Galaxy Nexus, in den USA von Verizon verkauft, hatte mit stark verspäteten Updates zu kämpfen, was den Zorn vieler Nutzer auf sich zog; immerhin sind schnelle Updates ein Hauptmerkmal der Nexus-Geräte. Wie sich die Kooperation mit Anbietern außerhalb der USA gestaltet ist nicht bekannt, am sichersten dürfte aber ganz unabhängig davon der Kauf der freien Version aus dem Play Store sein – auch wenn diese mit rund 650 Euro so teuer ist wie noch nie ein Nexus zuvor.

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Auf die Größe des neuen Phablets angesprochen meldet David Burke, dass Smartphones immer weniger zum Telefonieren, dafür mehr zum Surfen genutzt werden. Bei der Konzipierung des Nexus 6 habe man also eher das optimale Internet-Device vor Augen gehabt als das optimale Telefon. Dennoch wird der Bedarf an kleineren Geräten nicht verkannt, weshalb das Nexus 5 zunächst im Verkauf bleiben wird. Da die Gesprächspartner damit auf den Abverkauf anspielten, den LG uns offiziell gemeldet hat, oder die Produktion nun doch weitergehen wird, ist aus dieser Aussage nicht ersichtlich.

Sprachsteuerung

Nicht zuletzt wird zukünftig auch die Sprachsteuerung des Smartphones eine verstärkte Rolle spielen. Hierzu unterstützt Android ab Version 5.0 dedizierte stromsparende Prozessoren, die ständig aktiv sind und nach Sprachkommandos lauschen. Ein solcher ist mit dem TI C55 etwa schon im Moto X (2014) und Nexus 6 verbaut. Hersteller müssen also zukünftig nicht mehr auf in Eigenregie entwickelte Hacks setzen, sondern können sich bequem der vorhandenen Schnittstellen bedienen und direkt Google Now ansprechen – ein wichtiger Schritt, um Googles Spracherkennung gegenüber weniger leistungsstarken Lösungen wie Samsungs S-Voice zum Standard auf Android zu etablieren.

Quelle: Ars Technica

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