Google kauft Nest: Heimautomatisierungs-Startup für 3,2 Milliarden Dollar übernommen

Andreas Floemer 11

Google macht Ernst mit seinen Ambitionen die Bereiche Heimautomatisierung und das Internet der Dinge voranzubringen: Am gestrigen Montag wurde bekanntgegeben, dass man das vier Jahre alte Unternehmen Nest Labs, das sich auf vernetzte Thermostate und Rauchmelder spezialisiert hat, für einen Betrag von stattlichen 3,2 Milliarden US-Dollar übernommen habe. Einer der Nest-Mitbegründer, Tony Fadell, war interessanterweise maßgeblich an der Entwicklung des ersten Apple iPod beteiligt.

Google kauft Nest: Heimautomatisierungs-Startup für 3,2 Milliarden Dollar übernommen

Während Nest hierzulande womöglich eher unbekannt ist, kann das Unternehmen in den USA auf eine steile Erfolgsgeschichte zurückschauen – erst kürzlich wurde der Wert auf 2 Milliarden US-Dollar geschätzt, Produkte des Startups werden unter anderem auch im Apple Store verkauft. Google sieht in dem Unternehmen aber wohl noch mehr Potenzial, wodurch der recht hohe Kaufbetrag zustande kam. Das Angebot an Produkten des Unternehmens ist noch überschaubar– zurzeit werden lediglich ein vernetzter Thermostat und ein Rauchmelder vertrieben – die Technik dahinter ist aber umso interessanter, denn die Geräte lassen sich per Smartphone oder Tablet fernsteuern. Darüber hinaus sind die Produkte auch „smart“, soll heißen: lernfähig. Beispielsweise merkt sich der Thermostat Uhrzeit und Wochentag, an dem bestimmte Einstellungen vorgenommen wurden und soll mit den gesammelten Heizgewohnheiten der Hausbewohner nach einer Woche dazu in der Lage sein, die entsprechenden Temperatur-Einstellungen selbsttätig vorzunehmen. Nest lernt aber auch nach der Woche kontinuierlich weiter – jede manuelle Nachregulierung wird aufgezeichnet und analysiert. Der Nest-Thermostat ist zudem nicht nur praktisch sondern auch noch optisch weit ansprechender als die üblichen Temperaturregler.

nest-thermostat

Auch der Rauchmelder „Protect“ kann sich sehen lassen, denn unter seiner schicken Haube steckt wiederum smarte Technik. Das Produkt gibt nicht nur Alarm, sobald eine gewisse Rauchentwicklung im Haus festzustellen ist, sondern erkennt auch das giftige Gas Kohlenmonoxid (CO). Auch praktisch: Bei Fehlalarmen kann das Gerät einfach mittels einer Handgeste deaktiviert werden. Darüber hinaus lässt sich Protect auch über das Smartphone steuern und liefert darauf Informationen über CO- und Rauchentwicklung, Akkustand und mehr. Außerdem wird genau angezeigt, in welchem Raum ein Problem besteht, ferner teilt der Rauchmelder per Sprachausgabe mit, wo es brennt. Sofern vernetzt, stellt Protect bei CO-Alarm gar die Heizung ab.

nest-protect-night-time

Mit diesen smarten Technologien und dem Wissen, das mit den beiden Gründern an Google übergeht, könnte aus den seit Jahren Heimautomatisierungs-Ambitionen des Konzerns durchaus etwas werden. Wer nun aber denkt, dass Nest mitsamt der Produkte mach der Übernahme geschlossen wird, der irrt. Nach Aussagen Googles wird Nest weiterhin unabhängig von Google arbeiten, wie es beispielsweise auch bei Motorola der Fall ist.

nest-protect-iphone-in-hand
Nach Aussage Tony Fadells habe man sich dazu entschieden, an Google zu verkaufen, um eine bessere Infrastruktur zu erhalten, die eigenen Produkte global verfügbar zu machen und das Unternehmen auf das nächste Level zu hieven. Die beiden Nest-Gründer Fadell und Matt Rogers werden das Unternehmen nach der Übernahme zudem nicht verlassen, sondern deren Geschicke weiter leiten. Fadell äußerte sich zudem zu den Spekulationen, dass Google nun womöglich auch bald weiß, wie ich mein Haus heize, wann ich abwesend und zuhause bin – dies wird nicht der Fall sein. Alle Daten, die die Nest-Produkte speichern, bleiben unter Verschluss, sie werden lediglich dazu genutzt, die eigenen Produkte und Services zu verbessern.

Google hatte bereits vor der Übernahme von Nest diverse Pläne der Heimautomation: Im Jahre 2011 stellte das Unternehmen das sogenannte Power-Meter vor, bei dem es sich um einen intelligenten Stromzähler handelte, mit dem nach eigenen Aussagen bis zu 15 Prozent Strom gespart werden könne. Dieses Projekt wurde indes eingestellt. Mit Nest wird das Ganze mit Sicherheit besser laufen, denn das Startup hat bereits diverse sehr erfolgreiche Produkte hervorgebracht, die sich per App steuern lassen und zudem Schnittstellen für andere Firmen bereitstellt. Mercedes hat beispielsweise im Zuge der CES 2014 angekündigt Nest in das eigene Entertainment-System zu integrieren, sodass man sein Zuhause praktisch nicht nur vom Smartphone, sondern direkt über die Armatur seines Autos regulieren kann. Das Internet der Dinge ist nun wohl näher denn je.

Quellen: Google, Nest

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung