Google gedenkt weiter zu expandieren. Wie übereinstimmende Quellen berichten, plant der Internetkonzern in Zusammenarbeit mit Ruckus Wireless ein eigenes WLAN-Netzwerk für überall einzurichten. Dieses soll Unternehmen gratis zur Verfügung gestellt werden, wodurch deren Kunden kostenlos und mit nur wenig Aufwand unterwegs Internetzugang erlangen könnten – nach einmaliger Registrierung bei Google verbindet sich das Smartphone fortan automatisch mit jedem Hotspot des Netzwerkes.

Google ist zwar schon lange mehr als „nur“ eine Suchmaschine, jedoch erzielt der Konzern seine Einnahmen noch immer überwiegend durch personalisierte Werbung im Netz. Folglich erscheint es logisch, dass man in Mountain View daran interessiert ist, mehr Menschen mit dem Internet zu verbinden. Während etwa „Project Loon“ eher für Entwicklungsländer vorgesehen ist, zielt das geplante Hotspot-Netzwerk auch auf Smartphone-Nutzer in Industrienationen ab.

Von diesem Angebot würden vor allem rege frequentierte Läden, Restaurants, Arztpraxen und dergleichen profitieren, denn Google wird das Netzwerk dem Vernehmen nach kostenlos zur Verfügung stellen. Die Inhaber müssten sich lediglich um einen Breitband-Anschluss kümmern, die organisatorische Arbeit würde der Internetkonzern übernehmen. Der Vorteil für die Kundschaft wäre, dass damit lediglich eine einmalige Anmeldung vonnöten ist um bei Besuch einer der teilnehmenden Standorte online gehen zu können. Das Smartphone respektive Tablet könnte sich über die sogenannte Hotspot 2.0-Technologie fortan automatisch mit allen Google-Hotspots verbinden – das derzeit noch notwendige Registrierungsprozedere falle weg.

Gegenwärtig werden WLAN-Hotspots üblicherweise noch lokal gesteuert. Mit dem Knowhow von Ruckus Wireless plant Google demnach die Steuerung eines jeden Zugangspunktes in die Cloud zu verlegen, wodurch Zugriffsanfragen zentral bearbeitet werden können.

Angesichts dieses gewaltigen Verwaltungsaufwand möchte man fragen, was für Google dabei herausspringt. Einerseits könnte der Konzern „seinen“ Nutzern einen kostenlosen und bequemen Internetzugang außer Hauses anbieten, ferner würden schlicht und ergreifend noch mehr verwertbare Daten über einen Nutzer gewonnen werden können – mutmaßlich wird dementsprechend ein Google-Account nötig sein, um Zugang zum Hotspot-Netzwerk zu erlangen. Darüber hinaus könnte man so den Mobilfunkprovidern gleich in doppelter Hinsicht Konkurrenz machen. Google würde dann nämlich zum einen gleichermaßen High-Speed Internet „auf der Straße“ anbieten – vorausgesetzt das Projekt erfährt eine große Akzeptanz seitens der Unternehmen - als auch mit Voice beziehungsweise Hangouts eine Alternative zum klassischen Telefonat offerieren können – denn bei den Hotspots wird es vermutlich kein begrenztes Datenvolumen geben. Bereits im April gab es diesbezüglich Gerüchte, damals standen aber noch Kooperationen mit Netzbetreibern im Raum.

Wann das Angebot an den Start gehen soll ist leider nicht bekannt. Ebenso ist noch unklar, ob Google sein Hotspot-Netz vorerst nur in den USA oder gleich global anzubieten gedenkt. Allerdings soll das Netzwerk zunächst nur mit Hardware von Ruckus kompatibel sein, weswegen Unternehmen gegebenenfalls umrüsten müssten. Google selbst wird vorerst wohl keine Hardware anbieten.

Abstrahiert man diese Nachricht und ergänzt sie um Entwicklungen wie Google Fiber und Project Loon, erweitert dies gedanklich um Mesh-Netzwerke und private Hotspots á la FON, zeigt sich, wie Google mobile Kommunikation verändern könnte: Es ist denkbar, dass man zukünftig mit seinen Geräten über das Google-WLAN von nahezu überall schnell ins Internet gelangt. Und nicht nur das, man wäre auch per Hangouts erreichbar und somit, zumindest theoretisch, kaum noch auf klassische Handyanbieter angewiesen.

Was denkt ihr: Wäre das globale Google-WLAN eine willkommene Alternative zu den Providern oder ist diese Vision nur weiterer Ausdruck der von Politikern und Medien gerne ins Feld geführten Datensammelwut? Eure Meinung dazu in die Kommentare.

Quellen: GigaOM, The Information

Bild oben: flickr/brionv (CC BY-SA 2.0)