Google: OEM-Lizenzvertrag für Android-Geräte mit Google-Apps durchgesickert

Lukas Funk 6

Android ist nicht gleich Google. Während das Betriebssystem in seiner Grundform quelloffen und für jeden verfügbar ist, müssen Apps wie Google Maps, der Play Store oder Chrome von Google lizenziert werden. Bislang gab es nur Vermutungen, welche Kompromisse Hersteller im Rahmen solch einer Lizenz eingehen müssen, nun verrät ein an die Öffentlichkeit gelangtes Dokument viele Details.

Google: OEM-Lizenzvertrag für Android-Geräte mit Google-Apps durchgesickert

Nur allzu gern wird von Google-Kritikern vergessen, dass es zwischen reinem Android — also dem Android Open Source Project (AOSP) — und dem Android, wie wir es von verkauften Smartphones und Tablets kennen, einen signifikanten Unterschied gibt. Während Android an sich nämlich quelloffen ist und nach Belieben modifiziert werden kann, kommt das tatsächlich auf Geräten eingesetzte Android mit verschiedenen Lizenzen und Einschränkungen daher: Schnell ist man dazu verleitet, Android entgegen offizieller Aussagen als Closed Source zu betiteln.

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Die wichtigste dieser Lizenzen betrifft die Google-Apps, die hierzulande standardmäßig auf Androiden von Samsung, HTC, LG und den meisten anderen Herstellern installiert sind. Bislang konnte nur vermutet werden, welche Bedingungen Hersteller akzeptieren müssen, um auf diese Apps zurückgreifen zu können, doch ein neues Dokument aus dem Jahre 2011, das im Rechtsstreit Oracle vs. Google nun offengelegt wurde — und ein zweites geleakte Google-interne Dokument in dieser Woche —, schaffen Klarheit.

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Dieses Mobile Application Distribution Agreement (Übereinkommen zum Einsatz mobiler Anwendungen, MADA) sieht beispielsweise vor, dass, wer eine Google-App wie YouTube oder Maps lizenzieren möchte, gleich das ganze Paket an Google-Apps nutzen muss, also unter anderem Google+, den Play Store (damals Android Market) und die Google-Suche. Letztere muss außerdem die Standardanwendung für alle Web-Suchen sein.

Weiterhin muss auch der Network Location Provider installiert sein, der Google Auskunft über die geografische Position des Smartphones oder Tablets gibt. Hinzu kommt eine monatliche Mail mit genauen Verkaufszahlen, aufgeschlüsselt nach ihrer Region. Diese Kombination aus Suchanfragen, Verkaufszahlen und Geoposition liefern Google wichtige Daten für die Platzierung von Werbung — deren Erlös allein Google zugute kommt.

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Neben den „primären“ Google-Apps, die vorinstalliert sein müssen, gibt es noch eine weitere Gruppe weniger wichtiger Apps wie Finance, Goggles und Earth, deren Installation nicht zwingend notwendig ist.

Doch Googles Ansprüche reichen weit über installierte Apps und Suchanfragen hinaus: Vertraglich geregelt ist außerdem, dass die Google-Suchleiste sowie das App-Icon für den Play Store nicht mehr als eine Wischbewegung vom zentralen Homescreen entfernt sein dürfen, alle anderen Apps dürfen höchstens eine Ebene tiefer — vulgo: im App Drawer — platziert sein.

Wer ein solches Lizenzabkommen unterzeichnet, verpflichtet sich außerdem, keine Forks des AOSP zu entwickeln oder zu unterstützen, wie es etwas Amazon mit seinem Fire OS tut. Die Konsequenzen dieses Übereinkommens musste in der Vergangenheit bereits Acer spüren, denen Google wegen ihrer geplanten Unterstützung des Android-Forks Aliyun OS bei gleichzeitiger Lizenzierung der Google-Apps mit Strafen drohte.

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Erklärt sich ein Hersteller mit Googles Forderungen einverstanden, muss er dem Unternehmen aus Mountain View mindestens vier verschiedene Varianten eines jeden Smartphone-Modells zur Genehmigung vorführen, die etwa auf verschiedenen Märkten oder in Kooperation mit verschiedenen Mobilfunkanbietern verkauft werden. Ebenso muss jedes Software-Update vor seiner Veröffentlichung vorstellig und genehmigt werden. Google dagegen behält sich das Recht vor, die eigene Software ohne Kontrolle des Herstellers zu aktualisieren — dies ermöglicht beispielsweise das Einführen neuer Funktionen über die Google Play Services, ganz unabhängig von Versions-Updates.

Im Vergleich zum offenen Image, mit dem Google Android allzu gern bewirbt, können diese Einschränkungen geradezu abschreckend wirken. Doch liegt dieser abschreckenden Wirkung eben die Fehlannahme zugrunde, dass es sich bei Android und dem Google-zertifizierten Android um ein und dieselbe Sache handelt. Und letztendlich dienen die Zügel, die Google seinem mobilen OS anlegt, auch der Qualitätssicherung und der Wahrung einer gewissen Konsistenz — beides Dinge, die wir in den letzten Jahren an Android zu schätzen gelernt haben.

Quelle: Benjamin Edelmann [via Ars Technica, Ron Amadeo auf Google+]

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