Smartphones, Smartwatches, Smartbänder, Smartglasses – wer denkt, hier sei das Ende der Smart-Fahnenstange erreicht, irrt. Bald soll es gar Smart-Lenses, also Kontaktlinsen mit Zusatzfunktionalität geben. Google zumindest hat bereits vor geraumer Zeit ein erstes Produkt vorgestellt, das einen rein medizinischen Nutzen hat. Dies war aber  nur der Anfang, denn das Unternehmen hat noch weitere Pläne mit Kontaktlinsen vor Augen (Pun intended). Ein frisch aufgetauchter Patentantrag zeigt auf, was man mit einer smarten Kontaktlinse und diversen Sensoren so alles anstellen könnte. 

 

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Google kann zweifelsohne als eines der innovativsten Tech-Unternehmen betrachtet werden. Immer wieder zeigt es mit Moonshots wie den WiFi-Ballons Loon, selbstfahrenden Autos, der der Kontaktlinse für Diabetiker oder der in der letzten Woche vorgestellten Plattform für Wearables und Smartwatches, Android Wear, spannende und Zeichen setzende Entwicklungen. Ein vor wenigen Tagen aufgetauchter Patentantrag, in der eine smarte Kontaktlinse beschrieben wird, kann ebenso als wegbereitend betrachtet werden. Diese könnte künftig dazu dienen, Smartwatches mit dem neuen eigens entwickelten OS zu bedienen, aber auch zur Steuerung von Smartphones oder Google Glass wäre möglich. Doch der Reihe nach.

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Aus dem Patentantrag geht hervor, dass die „Smart Lens“ mit diversen Sensoren ausgestattet ist, mit deren Hilfe beispielsweise das Augenblinzeln hochpräzise erkannt werden kann. Laut Antrag sollen Licht-, Luftdruck-, Temperatursensoren sowie spezielle Sensoren zur Messung von Strom-Leitfähigkeit und elektrischen Feldern in die Linse eingebettet sein. All diese Sensoren werden miteinander verbunden, mit einer Stromquelle versehen und außerhalb des Sichtfelds des Trägers eingebaut sein.  Die Verbindung zum Wearable oder Smartphone soll mittels WLAN vonstatten gehen. Zur Stromversorgung hat Google noch keine konkreten Angaben gemacht, allerdings könnte entweder auf eine Batterie, Solarzellen, elektrochemische Reaktionen oder mechanische Energiegewinnung zurückgegriffen werden.

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Angesichts dessen, dass in der Linse kein Prozessor oder ähnliches verbaut ist, kann dass Produkt nicht als „Smart Device“ im herkömmlichen Sinne verstanden werden, allerdings ist es dazu in der Lage sehr genau die Blinzel-Länge und –Anzahl der Augenaufschläge zu erkennen, um so verbundene Gerätschaften zu steuern.

Mittels dieser Blinzel-Steuerung soll man gemäß des Patent-Dokuments sowohl Wearable- als auch Nicht-Wearable-Geräte, also Smartphones, Tablets aber auch andere technische Geräte wie Set-Top-Boxen, Blu-Ray-Player, Fernseher und weitere Devices bedienen können. Google stellt es sich offenbar so vor, dass ein bestimmter Blinzelcode mit einer spezifischen Funktion verknüpft ist: Einmal Blinzeln könnte so beispielsweise „Ja“ und zweimal „Nein“ bedeuten – dies sind allerdings nur zwei vorstellbare Szenarien – der tatsächlich Funktionsumfang und die Steuerung von Devices dürfte angesichts der verbauten Sensoren noch viel komplexer ablaufen.

Der Patentantrag wurde bereits im dritten Quartal 2012 eingereicht, ist aber erst jetzt veröffentlicht worden. Das Patent könnte unter Umständen mit der Entwicklung von Google Glass zusammenhängen – eine verfeinerte Steuerung per Blinzel-Mechanismus wäre möglicherweise sinnvoll. Für eine einfachere Bedienung von Heads-Up-Displays in Autos wäre es aber ebenfalls denkbar. Mehr als eine viel versprechende Idee, die eine innovative Möglichkeit aufzeigt, Smart-Devices ohne Sprache und Berührung zu kontrollieren, ist er zum aktuellen Zeitpunkt aber wohl nicht.

Würdet ihr euer Smartphone oder euren Fernseher mittels Blinzel-Steuerung bedienen wollen? Oder ist euch die Idee unheimlich? Meinungen in die Kommentare.

Quelle: Patent Bolt [via Android Police]

Andreas Floemer
Andreas Floemer, GIGA-Experte.

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