Google+ hat seit jeher keinen einfachen Stand, muss sich das soziale Netzwerk doch ständig mit Branchenprimus Facebook messen. Es gab zeitweise sogar Zweifel, ob die Chefetage in Mountain View noch lange an dem „Projekt“ festhalten wolle. Der Weggang von Vic Gundotra, leitender Manager für Google+, im April diesen Jahres gab diesen Gerüchten weiteren Nährboden. Der neue Google+-Chef, David „Dave“ Besbris, gedenkt mit dem Rückhalt des Konzerns den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Im Interview mit Re/Code meint er: „Google+ ist gekommen, um zu bleiben.“

 

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Das Team von Google+ hat vor kurzem neue Büros auf der Ostseite des gigantischen Campus in Mountain View bezogen. Sogleich meinten Außenstehende, dass die Chefetage das soziale Netzwerk somit endgültig auf das Abstellgleis gestellt hat. Dem widerspricht Dave Besbris, seit dem Weggang von Vic Gundotra für alle sozialen Produkte von Google zuständig, im Interview mit Re/Code entschieden: „Wir sind so groß wie nie zuvor. Wir wurden nicht etwa abgeschoben, sondern haben uns bewusst dazu entschieden hierher zu kommen.“

Dave Besbris über die öffentliche Wahrnehmung und die eigenen Ansprüche ...

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, entwickelt sich Google+ prächtig und „das Unternehmen steht dahinter.“ Davon ist auch Larry Page überzeugt, der „sehr glücklich“ über dem Fortschritt des sozialen Netzwerks ist. Allerdings wird Google+ nach wie vor regelmäßig totgesagt – oder totgeschrieben –, wofür Dave Besbris eine mögliche Erklärung hat: „Die Öffentlichkeit sieht Google+ und denkt, damit wolle man gezielt mit Facebook und Co. Konkurrieren.“ Dem ist laut Besbris aber nicht so: „Wir [Google] betreten keinen Markt, weil andere dort erfolgreich sind, sondern weil wir Benutzer glücklich machen wollen und sehen, dass die vorhandene Software suboptimal und verbesserungswürdig ist. [...] Das ist schon immer der Ansatz bei Google gewesen. Vor Google gab es auch schon Suchmaschinen, wir haben es nur anders gemacht. Es gab andere Email-Dienste vor Gmail, wir sind das Problem nur anders angegangen.“

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... über die Konkurrenz

Infolgedessen lässt sich Google+ seiner Meinung nach auch nicht mit Facebook und dergleichen vergleichen. Während diese Dienste beispielsweise darauf ausgelegt waren, dass „jeder, den du kennst, auf deine Inhalte zugreifen kann“, ermöglicht es Google+ über die Kreise ein gezieltes Publikum auszuwählen. „Unsere Benutzer lieben die Kreise [...] und dass wir von Anfang an einen Fokus auf Privatsphäre hatten.“ Mittlerweile hat die Konkurrenz in diesem Aspekt weitgehend nachgezogen: „Wir waren Vorreiter und haben soziale Netzwerke für alle verbessert.“

Dennoch steht Google+ noch immer im Schatten von Facebook und Twitter. Im Interview will Dave Besbris jedoch „nicht über Zahlen reden“. Denn: „Es ist wichtiger zu verstehen, wie unsere Benutzer Google+ verwenden und davon profitieren. Davon können wir neuen Benutzern dann erzählen.“ Auf die Frage, was noch verbessert werden könnte, antwortet er, dass man nie genug Fokus auf die mobile Optimierung haben könne. Angesichts der in Smartphones heutzutage verbauten Technik, habe man die Grenzen des Machbaren noch nicht mal ansatzweise ausgelotet.

... über ein werbefreies Google+ und den „Master-Plan“

Allerdings soll Google+ werbefrei bleiben. Bei Werbung ist laut Besbris stets der Kontext entscheidend. Ein soziales Netzwerk sei „ein intimer Ort, wo Zeit mit Familie und Freunden verbracht wird“, demnach mache Werbung dort weniger Sinn und würde „den Ort nur verschmutzen“. Solange der Benutzer von einer auf ihn zugeschnittenen Anzeige bei Google+ nicht profitieren könne, werde es dort auch keine Werbung geben.Es gebe jedoch keinen „großen Master-Plan“ um das Netzwerk schnellstmöglich zu monetarisieren und wachsen zu lassen, so Besbris weiter. Als man etwa feststellte, dass die Benutzer nicht erfreut über das überhand nehmende Anmeldesystem über Google+ waren, habe man dieses schlicht geändert. Es ging darum „die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt zu stellen, sodass es für sie Sinn macht“. Das habe man angepasst.

„Es gibt kein langfristiges Ziel. [...] Google+ ist gekommen, um zu bleiben und hat den Anspruch, die Benutzererfahrung kontinuierlich zu verbessern.“, stellt Dave Besbris am Ende des Interviews noch einmal fest. Denn: „Vor jedem Bildschirm sitzt ein Individuum mit persönlichen Bedürfnissen und Ansprüchen an ein soziales Netzwerk. Diesen wollen wir als Unternehmen gerecht werden.“

Bild & Quelle: Re/Code

Rafael Thiel
Rafael Thiel, GIGA-Experte.

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