Am Donnerstagabend hat Google seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal 2014 vorgelegt: Während der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent auf 16,52 Milliarden US-Dollar zulegte, sank leicht der Gewinn von 2,97 Milliarden US-Dollar auf 2,81 Milliarden US-Dollar. Vor allem steigende Kosten und fallende Werbepreise machen dem Suchmaschinenbetreiber zu schaffen. 

 

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Dass sinkende Gewinne den Börsianern nicht gefallen würden, war klar: Im nachbörslichen Handel notierte das Google-Papier dementsprechend mit einem Minus von gut 2 Prozent. Haupttreiber der steigenden Kosten waren höhere Investitionen in Vertrieb und Marketing sowie Forschung und Entwicklung. Vor allem bei den Forschungsausgaben hat der Internetkonzern mächtig zugelegt: Pumpte Google im dritten Quartal 2013 noch 1,8 Milliarden US-Dollar in Forschung und Entwicklung, waren es im gleichen Zeitraum 2014 bereits 2,65 Milliarden US-Dollar. Steigende Forschungsausgaben sollten bei den diversen Zukunftsprojekten des US-Konzerns – von selbstfahrenden Autos über Internet-Ballons bis hin zu Robotern und dem angedachten Bau von ganzen Flughäfen und sogar Städten – kaum wundern. „Wir konzentrieren uns auf die technische Seite, auf Entwicklung. Und das verzerrt unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung“, sagte dazu Googles Chief Financial Officer (CFO) Patrick Pichette in einer Telefonkonferenz. Ebenfalls stark angestiegen sind die Personalkosten, denn allein im dritten Quartal dieses Jahres hat Google 3.000 neue Mitarbeiter eingestellt. Das ist beinahe genauso viel wie die gesamte Belegschaft von Motorola Mobility, die ja bekanntlich bald eine Tochter von Lenovo wird. Die Umsätze dieses Verkaufes sind übrigens noch nicht in den Zahlen des dritten Quartals enthalten, denn der Deal ist noch nicht final abgeschlossen. Das Tempo bei Neueinstellungen soll Google aber nicht beibehalten, da der Suchmaschinen-Primus gezielt junge Uni-Absolventen anspricht. Der Prozess, sie alle anzuwerben und einzustellen, dauere laut Pichette ein gutes Jahr. Die Einstellungen seien zufällig in dieses Quartal gefallen, meint der Finanzchef.

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Banneranzeigen auf Smartphones bringen weniger Geld

Auch die weiter zunehmende Verbreitung von Smartphones macht Google zu schaffen: Zwar ist in Mountain View mit Android im Mobilsektor extrem gut aufgestellt – das hauseigene OS läuft auf mehr als 80 Prozent aller Smartphone weltweit. Doch mit Banneranzeigen lässt sich auf mobilen Geräten aufgrund der kleineren Bildschirme oft weniger Geld verdienen als am klassischen Desktop oder Notebook. Langsame Internetverbindungen, die oftmals die Auslieferung datenhungriger Werbung ganz unmöglich machen, tun ihr übriges. Der Preis pro Klick (Cost-Per-Click) ging dementsprechend im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2 Prozent zurück, blieb aber konstant auf dem Niveau des zweiten Quartals 2014.

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Google diversifiziert sich

Traditionell stammt der Großteil von Googles Umsatz aus der Onlinewerbung. Die „sonstigen Umsätze“ des Unternehmens – dazu gehört alles, was nicht aus dem Kerngeschäft mit der Onlinewerbung kommt – stiegen im dritten Quartal aber um satte 50 Prozent, sodass mit 11 Prozent erstmals mehr als ein Zehntel des Firmenumsatzes dadurch generiert werden. Das „One Trick Pony“, wie der ehemalige Microsoft-CEO Steve Ballmer Google einst abfällig genannt hat, eignet sich also zunehmend mehr Tricks an und diversifiziert das eigene Geschäft. Zu den Sonstigen gehören beispielsweise die Umsätze aus dem Verkauf beziehungsweise der Vermietung der Chromebooks an Bildungseinrichtungen, die Umsätze im Play Store oder die Hardware-Sparte mit den Nexus-Geräten. Das neue Nexus 6 und Nexus 9, die am Mittwoch vorgestellt wurden, dürften noch einmal Geld in die Google-Kasse spülen. Apropos Google-Kasse: Die Barreserven des Unternehmens belaufen sich auf mehr als 62 Milliarden US-Dollar und sind damit so hoch wie nie zuvor. Mehr als genug in der „Kriegskasse“, um ein oder andere Firmenübernahmen im Ausland zu schultern.

Quelle: Google Earnings (PDF) [via heise, Handelsblatt]

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