Google im Visier der US-amerikanischen Wettbewerbsbehörde FTC: Die Federal Trade Commission hat Ermittlungen gegen den Suchmaschinenriesen eingeleitet, berichtet Bloomberg unter Berufung auf zwei Personen, die mit dem Sachverhalt vertraut sein sollen. Die Kartellwächter wollen der Frage nachgehen, ob Google seine marktbeherrschende Stellung ausnutzt und Konkurrenten von der Android-Plattform fernhält. 

YouTube, Google Maps, Google Drive und viele weitere mehr – in aller Regel werden Android-Smartphones- und Tablets mit einer ganzen Palette bereits vorinstallierter Google-Apps ausgeliefert. Android ist im Kern zwar quelloffen, kostenlos und kann von jedem Hersteller nach Gutdünken verwendet werden. Wer aber eine Zertifizierung für den so wichtigen Play Store bekommen möchte, muss sich an das sogenannte Mobile Application Distribution Agreement (MADA) halten. In diesem schreibt Google en dé­tail vor, welche und wie viele Google-Apps auf dem Smartphone oder Tablet direkt vom Start zu finden sein müssen. Ende August lockerte der Internetgigant zwar ein wenig die Zügel, grundsätzlich behält Google über das MADA aber die Kontrolle über die Android-Plattform. Eben jene Verquickung – also die Bündelung der eigenen Apps und Dienste unter Android – nimmt die Federal Trade Commission jetzt genauer unter die Lupe.

Dazu habe sich die FTC mit Vertretern von Technologieunternehmen getroffen, die Google vorwerfen, die eigene marktbeherrschende Stellung auszunutzen und sie von der Android-Plattform fernzuhalten. Die Ermittlungen seien derzeit noch in einer frühen Phase und müssten nicht zwangsweise zu einer offiziellen Klage führen, berichtet der Branchendienst Bloomberg unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte Insider. Sowohl die FTC als auch Google haben es abgelehnt, den Bericht zu kommentieren.

In den USA besitzt Android einen Marktanteil von knapp 60 Prozent, danach folgen Apples iOS mit 38 Prozent und reichlich abgeschlagen Windows Phone mit 2,3 Prozent. Weltweit ist die Android-Dominanz sogar noch größer: Acht von zehn Smartphones werden mit Googles mobilem Betriebssystem ausgeliefert. Genau diese Vormachtstellung ist es, die Google nun ins Visier der Wettbewerbshüter rückt, denn besitzen Plattformen eine derartig marktbeherrschende Stellung, gelten für sie besondere kartellrechtliche Bedingungen. Die Kartellklage gegen Microsoft in den Neunziger Jahren, die letzten Endes dazu führte, dass der Softwarehersteller seinen Nutzern direkt zum Start von Windows eine Auswahl von Konkurrenz-Browsern präsentieren musste, ist wohl das berühmteste Beispiel für dieses Vorgehen.

MADA-Bestimmungen: Neue Android-Geräte mit 20 Google-Apps, Sprachassistenten wie S Voice eingeschränkt Bild

Android und Windows: Ein Vergleich, der hinkt

Ob es Google bald so ähnlich wie Microsoft ergehen wird? Zumindest Harry First, Professor der Rechtswissenschaften an der New York University, hat da seine Zweifel. Ihm zufolge verstoße des Bündeln von Produkten nur dann gegen kartellrechtliche Bestimmungen, wenn Kunden auf das Produkt eines ganz bestimmten Anbieters angewiesen seien und dieser sie durch die Bündelung nötige, auch ein anderes Produkt zu verwenden. Im Falle von Microsoft traf dies auch tatsächlich zu, da sich Windows vor allem im Unternehmensbereich durch geschlossene Formate und exklusiv auf Windows erhältliche Programme einen Stand erarbeitete, der kaum zum umgehen war.

Android hingegen ist bei Smartphones zwar genauso weit verbreitet wie Windows bei klassischen Computern, besitzt aber nicht die Ketten, die Windows zur damaligen Zeit besaß und zum Teil noch immer besitzt. Mit iOS und Windows Phone gibt es zwar weniger erfolgreiche, aber dennoch veritable Alternativen. Zudem zeigt auch Amazon mit seinen Fire-Tablets, wie man das offene Android-OS nehmen, es von Googles Diensten entkernen und dennoch funktional gestalten kann.

Quelle: Bloomberg, via: Computer Base 

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