Google verfolgt Kunden jetzt bis ins Ladengeschäft

Stefan Bubeck 5

„Ich weiß, die Hälfte meiner Werbung ist hinausgeworfenes Geld. Ich weiß nur nicht, welche Hälfte.“ Dieses Zitat wird Henry Ford zugeschrieben und das Problem des vor 70 Jahren gestorbenen Industriellen ist noch immer aktuell. Google will es nun mit dem Werbe-Tracking-Dienst „Google Attribution“ lösen.

Google verfolgt Kunden jetzt bis ins Ladengeschäft
Bildquelle: Pexels, CC0.

Früher wurden Produkte und Dienstleistungen in erster Linie im Fernsehen, in Zeitschriften, auf Plakatwänden und im Radio beworben. Dann kam das Internet und die Werbebudgets wanderten nach und nach ab: Bannerwerbung, Advertorials, YouTube, Adwords und weitere neue Werbeformen eroberten die Welt des Konsums. Von nun an konnte sehr genau verfolgt werden, ob Werbung wirkt. Jemand klickt auf ein Banner, landet im Onlineshop des Werbetreibenden und kauft dort etwas. Eine klare Sache für Marketing-Analysten.

Ein großes Rätsel hat Onlinewerbung allerdings von seinen analogen Vorfahren geerbt: Wie ist der Zusammenhang zwischen Online-Werbung und Offline-Käufen? Um das herauszufinden, müsste man sowohl über das Klickverhalten am Bildschirm als auch über getätigte Käufe in Ladengeschäften Bescheid wissen und beide Informationen irgendwie kombinieren. Ein gewisser Konzern aus Mountain View, der letztes Jahr rund 80 Milliarden US-Dollar mit Online-Werbung verdient hat, kann jetzt genau dieses Wunder vollbringen.

Google Attribution: Kreditkartenzahlungen und Bewegungsdaten verraten das Kaufverhalten

„Die meisten Käufe finden zwar noch im Ladengeschäft statt, aber Nutzer greifen zunehmend zum Smartphone, um sich vorab zu informieren – insbesondere auf Google.de und Google Maps,“ so Google im offiziellen Blogeintrag zum neuen Tool für Werbetreibende. Um ableiten zu können, welche Online-Werbemaßnahme eine Wirkung hatte, analysiert Google zum einen das Klickverhalten und zum anderen Besuche in Ladengeschäften.

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Wer bei Google eingeloggt ist und die angebotenen Dienste nutzt, gibt an vielen Stellen nützliche Informationen preis. Nicht nur Google Maps, auch die Google-Suche, Gmail oder YouTube schauen uns genau beim Surfen zu. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz (Deep Learning) konnte zudem die Auswertung von Bewegungsdaten massiv verbessert werden, sodass auch mehrstöckige Einkaufszentren oder dicht besiedelte Städte wie Tokio und São Paulo keine Hürde mehr darstellen. Google weiß genau, wo sich (eingeloggte) Nutzer aufhalten. Richtig interessant ist eine andere Komponente: Google hat über Partnerunternehmen Zugriff auf rund 70 Prozent aller in den USA getätigten Kartenzahlungen (Kredit- und Debitkarten).

So schließt sich der Kreis: Google kann geklickte Online-Werbung, präzise Bewegungsdaten und Ladenkäufe mit Kreditkarten in einen Zusammenhang bringen. Marketingfachleute sprechen hierbei von der „Customer Journey“, der Reise des Kunden, die nun endlich auch beim Wechsel von online zu offline als durchgehende Kette sichtbar wird.

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Toll für Werbetreibende und unheimlich für Datenschutzverfechter

Google liefert seinen Werbekunden so einen erkenntnisreichen Einblick in eine Blackbox. Nun wird sich zeigen lassen, welche „Hälfte der Werbung“ hinausgeworfenes Geld ist und welche sich gelohnt hat. Für uns Kunden bleibt das Fazit: Googles Ruf als Datenkrake wird mal wieder durch ein Stückchen Wahrheit untermauert. Immerhin sollen die Daten keine individuellen Rückschlüsse auf den Käufer zulassen: „Die Berichte enthalten nur aggregierte und anonymisierte Zahlen zu den Verkäufen im Ladengeschäft,“ so Google. Ein kryptografisches Verfahren namens „double-blind encryption“ stelle sicher, dass Google nicht wisse, wer die Offline-Käufer sind und die Ladengeschäfte nicht, um welche Google-Nutzer es sich konkret handelt. In erster Linie geht es hier also um die Auswertung der Transaktionen der Käufermassen und die Nachweisbarkeit von Werbewirkung.

Wer trotzdem ein mulmiges Gefühl hat, dem bleibt nur eins: Ausloggen und mit Bargeld zahlen.

Quellen: Google, Telepolis, L.A. Times, Horizont

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