Google vs. Oracle: Gerichtsurteil ohne klaren Gewinner

Daniel Kuhn 4

Seit fast zwei Jahren stehen sich Oracle und Google bereits vor Gericht gegenüber. Grund der Auseinandersetzung ist Java-Quellcode, den Google angeblich kopiert und unrechtmäßig in Android integriert haben soll. Nachdem das Gericht bereits eine Vielzahl der Anklagepunkte von Oracle als nichtig zurückgewiesen hatte, wurden gestern nun die letzten beiden Verbleibenden verhandelt. Demnach hat Google zwar den besagten Code übernommen, aber als klarer Verlierer geht der Konzern aus Mountain View trotzdem nicht aus der Verhandlung hervor.

Google vs. Oracle: Gerichtsurteil ohne klaren Gewinner

Der erste Punkt der Verhandlung ist schnell abgehandelt: Oracle hat Google vorgeworfen, sich die Java-Dokumentation vorgenommen und daraus hergeleitet zu haben, wie der Code funktioniert um ihn dann zu kopieren. Diesen Vorwurf hat das Gericht abgewiesen. Nicht ganz so einfach ist dagegen der Ausgang des zweiten Verhandlungspunktes. Bei diesem geht es um 37 Java-APIs, deren urheberrechtlich geschützten Code Google in das Android-Betriebssystem übernommen haben soll. In diesem Punkt gab es vorerst ein klares Urteil, wonach das Gericht Oracle Recht gegeben hat.

Demnach sind die Ähnlichkeiten in generellem Aufbau, Sequenz und Organisation des entsprechenden Codes zu ähnlich, als dass Google diese eigenständig hätte entwickeln können. Dieses klare Urteil wird allerdings durch eine allgemeine Frage relativiert. Laut Richter Alsup ist nicht geklärt, ob Code von APIs generell überhaupt Urheberrechtlich geschützt werden können, oder dieser unter fair use für jeden zur freien Verfügung bereit stehen. Da dieser Punkt gesondert geklärt werden muss, hat der Richter die Geschworenen aufgefordert davon auszugehen, dass der Code urheberrechtlich geschützt werden kann, um den Fall Oracle gegen Google vorerst abzuschließen.

Das Urteil ist also längst nicht final und sollte der amerikanische Gerichtshof, ähnlich wie erst kürzlich der europäische, zu dem Schluss kommen, dass eine Computersprache und demnach auch der Code von APIs nicht unter dem Urheberrecht geschützt werden kann, wird Google das Urteil sicherlich anfechten und den Fall erneut aufrollen. Wir werden also sicherlich in Zukunft noch öfter über den Fall berichten dürfen/können/müssen.

Da ich weder Jura studiert, noch übermäßig viele Anwaltsserien konsumiert habe – falls es bei meinem Versuch diesen Fall allgemeinverständlich aufzuarbeiten zu der ein oder anderen juristischen Ungenauigkeit kommt, bitte ich um Nachsicht und einen netten Hinweis in den Kommentaren.

Quelle: Android Central und Smartdroid

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung