Google: WLAN-Internet aus der Luft für eine Milliarde Menschen geplant

Sven Kloevekorn 44

In weiten Teilen Afrikas und Asiens, vor allem in den ländlichen Regionen, können die Menschen bisher nicht von den Vorzügen der digital vernetzten Welt profitieren, weil die erforderliche Infrastruktur schlicht nicht vorhanden ist. Gut informierten Kreisen zufolge will Google sich dieses Problems annehmen und künftig nicht mit Internet versorgte Gebiete von Ballons und Luftschiffen aus mit WLAN-Netzen überspannen.

In Deutschland gehört ein Internetzugang spätestens seit einer Grundsatzentscheidung des Bundesgerichtshofes vom 24. Januar dieses Jahres zu den Grundrechten. Im Verfahren ging es dem Kläger um Schadenersatz für einen durch den Provider verschuldeten, zweimonatigen Internetausfall, der letztlich in letzter Instanz zugesprochen wurde. Hier ein Auszug aus der Urteilsbegründung, der aufhorchen lässt:

Der überwiegende Teil der Einwohner Deutschlands bedient sich täglich des Internets. Damit hat es sich zu einem die Lebensgestaltung eines Großteils der Bevölkerung entscheidend mitprägenden Medium entwickelt, dessen Ausfall sich signifikant im Alltag bemerkbar macht.

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Auch Google scheint das so zu sehen und zwar global: Der Internetgigant hat sich vorgenommen, langfristig über eine Milliarde Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern aus der Luft mit Internet zu versorgen. Das Ganze soll über sogenannte High-Altitude-WiFi-Plattformen bewerkstelligt werden, die in Form von Ballons und Luftschiffen in großer Höhe über unversorgten Regionen stationiert werden und Gebiete in der Größe von mehreren Hundert Quadratkilometern mit WLAN abdecken können. Dabei setzt Google offenbar teilweise auf die Zusammenarbeit mit örtlichen Netzbetreibern, will einige der WLAN-Netze aber auch selbst betreiben.

Der andere Teil von Googles Initiative sieht vor, einfache, kostengünstige und auf WiFi basierende Android-Smartphones zu entwickeln, die zudem besonders wenig Energie verbrauchen und sich zum Beispiel über Solarzellen aufladen lassen. Auch hier will Google mit regionalen Produzenten zusammenarbeiten und diese bei der Entwicklung unterstützen.

Bisher nutzt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung kein Internet — welches aber, neben seinen möglichen positiven Auswirkungen auf die lokale Wirtschaft und Industrie, gerade in Entwicklungsländern mit ihren oft autoritären Herrschaftsstrukturen die einzige Möglichkeit darstellt, an ungefilterte Informationen zu kommen und sich zu vernetzen. Der Arabische Frühling etwa wäre ohne Internet und Social Media so nicht denkbar gewesen. Hier beißt sich die Katze aber in den Schwanz: Auch die Stationierung der High-Altitude-WiFi-Plattformen und das Aufspannen der WLAN-Netze erfordern wohl in der Regel das Einverständnis der jeweils zuständigen Behörden, das kaum erteilt werden dürfte, wenn autokratische Systeme sich durch den neuen Informationsfluß gefährdet sehen.

Obwohl der Ansatz von Google sicher begrüßenswert ist, könnten misstrauische Naturen nicht ganz zu Unrecht auf den Gedanken kommen, dass es Google auch darum gehen könnte, neue Nutzer für seine Dienste zu gewinnen und überhaupt möglichst viel Kontrolle darüber zu haben, auf welche Weise sich Menschen mit dem Internet verbinden. In Afrika soll derweil schon mit den ersten Feldversuchen begonnen worden sein.

Quelle: Wired [via AndroidCommunity]

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