Hiroshi Lockheimer: Android-Vize im Interview über Lollipop und Googles Nexus-Strategie

Kaan Gürayer 10

In einem Interview mit dem Magazin Business Insider plauderte Android-Chefingenieur Hiroshi Lockheimer aus dem Nähkästchen und gab interessante Einblicke in die Arbeitsweise Googles. So erläuterte der Entwickler unter anderem Googles Nexus-Strategie, erklärte, wieso Android 5.0 so ein umfassendes Update geworden ist und konnte sich auch einen kleinen Seitenhieb Richtung Apple nicht verkneifen. 

Hiroshi Lockheimer: Android-Vize im Interview über Lollipop und Googles Nexus-Strategie

Überraschenderweise, so Lockheimer, sei anfangs gar nicht angedacht gewesen, dass Lollipop so ein großes Update werden würde. Google plane so etwas auch nicht im Voraus. Stattdessen seien viele Neuerungen zusammengekommen, die in der Summe Android 5.0 zum mächtigsten Update in der Android-Geschichte machen: Die Unterstützung von 64-Bit-Prozessoren, die Implementierung von ART als neue Standard-Laufzeitumgebung und nicht zuletzt auch Material Design. Seit der letzten optischen Generalüberholung, dem Sprung von Android 2.3 Gingerbread auf Android 3.0 Honeycomb, hatten die Google-Entwickler ein neue Designsprache im Hinterkopf, die jetzt mit Material Design Form angenommen hat. Es brauchte allerdings etwas Zeit, um die Optik zu perfektionieren – unter anderem sei auch das ein Grund gewesen, weshalb man dieses Jahr auf der Google I/O 2014 nicht Android 5.0 herausgegeben habe, sondern lediglich eine Developer Preview. Man wollte den App-Entwicklern, aber auch sich selbst, Zeit geben, die neuen Design-Richtlinien umzusetzen, um so einen einheitlichen Look zu schaffen. In den letzten Wochen hat man in Mountain View einer Google-App nach der anderen – von GMail über den Play Store bis zum Kalender und mehr – die neue Material Design-Optik zukommen lassen. Zumindest Google hat hier also schon gehandelt, um die optische Konsistenz zu wahren. Es bleibt zu hoffen, dass weitere App-Entwickler bald nachziehen.

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Android 5.0 Lollipop komplett unter Sundar Pichai entstanden

Angesprochen auf den Weggang Andy Rubins – der „Vater“ von Android hatte 2013 das Zepter an Sundar Pichai übergeben –, erklärte Lockheimer, dass Rubin „in seinem Herzen ein Unternehmer“ sei und sich deshalb wieder Projekten widmen wollte, die sich noch in der frühen Entwicklungsphase befänden. Android, mit seinen mittlerweile mehr als einer Milliarde Nutzern, sei für Rubin mittlerweile zu groß. Große Projekte seien laut Lockheimer allerdings das Spezialgebiet von Pichai. Der gebürtige Inder leitet seit 2013 die Entwicklung von Chrome und Android und ist seit kurzem zu einer Art „Super-Manager“ Googles aufgestiegen, der nun die Aufsicht für die Suche, Maps, Google+ und weitere Google-Produkte  hat. Android 5.0 Lollipop sei auch die erste Android-Version, die komplett unter der Führung Pichais entstanden ist.

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Funktionen werden verbessert, um sie zum Erfolg zu bringen

Auf die Frage, wie das Android-Team damit umgehe, wenn ein neues Android-Feature keinen Anklang finde, antwortete Lockheimer, dass es schwierig sei, einmal implementierte Funktionen aus Android wieder zu entfernen. Denn auch wenn eine Funktion keinen großen Erfolge habe, gäbe es immer Nutzer, die diese dennoch nutzen und daran hängen. Daher versucht man bei Google, die Features zu verbessern und sie vielleicht im zweiten Anlauf zum Durchbruch zu bringen. Als Beispiel wurde hier Face Unlock genannt, das in Android 5.0 Lollipop nun deutlich schneller und akkurater funktionieren soll.

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Sinn und Zweck der Nexus-Serie ist die Software-Entwicklung

Auch zur Nexus-Serie und dem Verhältnis zu anderen Android-Herstellern äußerte sich Googles VP of Android Engineering. Demnach sei die Nexus-Serie gar nicht dazu gedacht, mit Samsung, LG oder anderen Herstellern zu konkurrieren. Sinn und Zweck sei ausschließlich die interne Software-Entwicklung, sodass Android-Entwickler nicht „abstrakt“ entwickeln müssten, sondern immer in der Praxis sehen könnten, wie sich ihr Code verhält.

Natürlich freue man sich dann auch, wenn die Nexus-Geräte anschließend von Kunden gekauft würden. Doch für Google sei es ebenso von Vorteil, wenn Smartphones oder Tablets anderer Android-Hersteller verkauft würden. Man gewinne immer, so oder so. Zu guter Letzt wurde Lockheimer noch auf die berühmt-berüchtigte Android-Fragmentierung angesprochen, die laut Business Insider für viele Android-Nutzer „frustrierend“ sei. Für Lockheimer stellt die angebliche Android-Fragmentierung aber kein allzu großes Problem dar – die Software sei etwa mit Blick auf unterschiedliche Hardware, beispielsweise Display-Größen, von Anfang darauf ausgelegt. Die Schwierigkeiten, die sich daraus anfangs ergaben, seien nur Kinderkrankheiten gewesen. Mittlerweile wüssten etwa App-Entwickler, wie sie mit all den unterschiedlichen Hardware-Konfigurationen umzugehen haben.  Diese Vielschichtigkeit sei gerade die Stärke Androids: Das OS liege nicht nur in den Händen eines Unternehmens, sondern sei ein Ökosystem mit vielen Partnern. Dieses gebe Kunden die Wahlmöglichkeit, die sie wollen. Denn bei Android gehe es darum, die Unterschiedlichkeit zu feiern und keine „One-Size-Fits-All“-Politik durchzudrücken, die Kunden keine Wahl lasst – ein subtiler Seitenhieb gegen die Konkurrenz aus dem Hause Apple.

Quelle: Business Insider [via Android Central]

Ergänzung: Der Artikel wurde um weitere Informationen ergänzt. 

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