Knowledge Vault: Google strukturiert Wissen künftig automatisch

Kaan Gürayer 5

Das Ziel von Google ist es bekanntermaßen, die „Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar zu machen“. Mit dem Knowledge Vault will Google diesem Bestreben wieder ein Stückchen näherkommen. Die neue Technologie soll eigenständig das Internet nach Informationen durchsuchen, sie verknüpfen und daraus eine Wissensdatenbank erschaffen – ohne menschliche Hilfe.

Knowledge Vault: Google strukturiert Wissen künftig automatisch

Wer ist Angela Merkel? Wann wurde Barack Obama geboren? Und wie viele Kalorien hat eigentlich ein Apfel? Eine kurze Google-Suche bringt nicht nur die richtigen Webseiten zum Vorschein, um sich selbst auf die Suche nach den korrekten Antworten zu machen, sondern zaubert oft genug auch Karten herbei, die der Google-eigene „Knowledge Graph“ liefert. Mit ihm hat Google 2012 ein mächtiges Tool geschaffen, um Suchenden noch schneller die richtigen Antworten zu liefern, etwa über die Google-Suche oder auch Google Now.

Bisher bezieht der „Knowledge Graph“ seine Daten aber aus semantisch aufbereiteten Informationen von Webseiten wie Wikipedia, dem CIA World Factbook oder Freebase und ist im Kern damit auf menschliche Eingaben angewiesen. Menschen sind aber nicht so schnell wie Computer und vor einiger Zeit hat Google bemerkt, dass sich das Wachstum an neuen Informationen beim „Knowledge Graph“ verlangsamt. Aus diesem Grund wurde nun der „Knowledge Vault“ geschaffen, der eigenständig das Web nach Informationen durchsuchen, sie verknüpfen und daraus eine eigene Wissendatenbank erschaffen soll – völlig ohne menschlichen Input.

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Aktuell hat das System bereits selbstständig über 1,6 Milliarden „Fakten“ aus dem Internet zusammengetragen, von denen fast 300 Millionen als „ziemlich sicher“ gelten und damit einen Wahrheitsgehalt von mehr als 90 Prozent aufweisen. Das garantiert zwar keine gute Note in einer Klausur, ist für ein automatisiertes System aber eine beeindruckende Zahl. Nach der berühmten Frage „Wie wird das Wetter heute“, könnte man Google in Zukunft anschließend fragen: „Aber wieso soll es regnen?“ – und Google würde einem die komplexen Vorgänge erklären können, die zu Niederschlag führen.

Vor allem birgt der „Knowledge Vault“ aber großes Potential in Verbindung mit den persönlichen Daten, auf die Google dank Gmail, Google+, der Suche und anderen Diensten noch Zugriff hat. So manchem Datenschützer dürfte das zwar einen kalten Schauder über den Rücken laufen lassen, doch der praktische Nutzen eines solchen Systems wäre unbestreitbar: Google könnte damit von einer Suchmaschine zu einer Art Orakel werden, das die Antwort auf so ziemlich jede Frage (nein, nicht 42) wüsste. Das mag sich zwar noch nach Zukunftsmusik anhören, aber auch der längste Weg beginnt ja bekanntlich mit dem ersten Schritt.

Im Rahmen der Konferenz „Knowledge Discovery and Data Mining“, die vom 24. bis 27. August in New York stattfindet, soll von Google-Forschern eine erste wissenschaftliche Publikation zum „Knowledge Vault“ veröffentlicht werden.

Mal die übliche Skynet-Paranoia außer Acht gelassen: Begrüßt ihr, dass Google Wissen jetzt automatisiert strukturiert? Oder macht euch diese Entwicklung Angst? Eure Meinungen bitte in die Kommentare.

Quelle: Google-Paper zum Knowledge Vault (PDF) [via New Scientist, Android Police]

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