Konkurrenz für WhatsApp: Googles „Chat“ will der SMS neues Leben einhauchen

Simon Stich 3

Google räumt auf: Mit dem neuen Dienst „Chat“ soll das Durcheinander bei den hauseigenen Messengern ein Ende haben. Der Flop Allo wird zudem eingestellt. Kann Google gegen Facebook und WhatsApp bestehen?

Konkurrenz für WhatsApp: Googles „Chat“ will der SMS neues Leben einhauchen
Bildquelle: The Verge.

„Chat“ statt Allo: Neuer Dienst in Planung

Immer wieder hat Google in der Vergangenheit versucht, ein Stück des Messenger-Kuchens abzubekommen. Bislang sind alle Versuche fehlgeschlagen – wir erinnern an Hangouts und Duo. Jetzt wird sogar Allo eingestellt, der in direkter Konkurrenz zu WhatsApp und Facebook Messenger stehen sollte. Die Zukunft soll stattdessen nicht weniger als der Nachfolger der SMS sein. Google setzt hierzu auf „Rich Communication Services“ (RCS).

Bei RCS handelt es sich nicht um eine App, sondern um ein Protokoll. Es wurde im Jahr 2008 von Nokia entwickelt und hieß zwischenzeitlich „Joyn“, später dann in Deutschland „Nachrichten+“. Android unterstützt das Protokoll bereits seit Version 2.3. Über RCS können nicht nur einfache Textnachrichten versendet werden, sondern natürlich auch Bilder und Videos. Mit Googles neuem „Chat“ soll sich das Protokoll endlich weltweit durchsetzen, so die Hoffnung. Letztendlich haben es die Hersteller der Smartphones und die Mobilfunkbetreiber selbst in der Hand, da sie zu einer Unterstützung nicht gezwungen werden können. In Deutschland wird RCS derzeit von Vodafone und der Telekom unterstützt.

Googles RCS-Lösung ist mit Apples iMessage zu vergleichen, ist aber offener ausgelegt. Die Entwickler von Messaging-Apps können Googles Version implementieren. Dem Konzern zufolge haben bereits 55 Unternehmen weltweit ihre Unterstützung zugesagt, darunter auch unter anderem Microsoft. Möglich wäre demnach eine native Integration bei Windows 10, was „Chat“ unmittelbar eine riesige Nutzerschaft bereiten würde.

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Nächster Flop schon vorprogrammiert?

Nach dem Aus für Allo möchte Google immer noch nicht als Verlierer vom Platz gehen. Zu Beginn wollte Google noch „Hunderte Millionen Menschen“ für Allo begeistern, was als Ziel dann aber doch schnell aufgegeben wurde. Erst „Mitte des nächsten Jahres“ sollen die ersten Apps mit „Chat“-Unterstützung erscheinen, prophezeit Anil Sabharwal, der neue Chef der Kommunikations-Gruppe bei Google.

Es bleibt die Frage, ob Google mit einem offenen Standard mehr Erfolg haben wird oder ob der Messenger-Zug vielleicht schon längst abgefahren ist. WhatsApp und Facebooks Messenger sind bei Millionen Nutzern auf der ganzen Welt täglich im Einsatz. Ein von Geräten und Apps unabhängiges Protokoll hätte natürlich seine Vorteile, da User selbst bestimmen können, wo und wie sie den Standard nutzen möchten, doch dazu wäre vonseiten Googles viel Überzeugungsarbeit nötig – zumal mit Apple, das RCS nicht unterstützt, ein Big Player der Branche bereit jetzt seinen Support versagt.

Quelle The Verge via ZDNet

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