Nexus-Serie: Warum die Google-Geräte keinen SD-Slot haben

Amir Tamannai 50

Das Nexus S tat es, das Galaxy Nexus tut es und das neue Nexus 7-Tablet macht es nach: Sämtliche Google-Geräte der Nexus-Reihe verzichten auf einen SD-Kartenslot. Was für uns Verbraucher, vor allem in Europa, wo LTE eben noch nicht erschwinglich und wirklich angekommen ist, ärgerlich sein mag, hat handfeste Gründe – die man nachvollziehen kann, aber nicht muss.

Wer in den vergangenen Wochen und Monaten auf androidnext Testberichte zu verschiedenen Smartphones aus meiner Feder gelesen hat, weiß, dass ich kein Fan von Geräten ohne Micro SD-Slot bin: Das Fehlen einer Möglichkeit zum physischen Erweitern des internen Speichers eines Smartphones oder Tablets, wie zum Beispiel beim Galaxy Nexus, beim HTC One S und X aber eben auch beim Nexus 7 führt bei mir immer wieder zu Kopfschütteln und Ärger – wie soll ich ein HD-Multimediagerät effektiv nutzen, wenn alle Daten nur in der Cloud rumliegen? Ich streame doch unterwegs keinen hochauflösenden Film via UMTS aufs Handy, Und auch meine Musiksammlung dürfte beim Hören über die mobile Datenverbindung mein Downloadlimit ganz schnell ans, ja, Limit bringen. Und überhaupt, das Nexus 7 verfügt nur über ein WLAN-Modul, wie soll ich damit den unterwegs irgendwelche Inhalte, die nicht auf dem Gerät gespeichert sind, konsumieren?

Warum baut Google nicht einfach einen Micro SD-Slot in seine Flaggschiff-Smartphones und -Tablets ein? Kostet doch nix und stört niemanden - oder doch? Jerry Hildenbrand von Android Central hat in einem Artikel zusammengefasst, warum man in Mountain View die Möglichkeit zur Speichererweiterung meidet, wie der Teufel das Weihwasser:

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Der Hauptgrund liegt in Googles Bestreben, einen Speicher für alles bereitzustellen – wie Dan Morrill, Android-Ingenieur bei Google damals zum Galaxy Nexus erklärt hat (Übersetzung von uns):

Es hat uns nicht gefallen, dass die OEMs zwar massig Gigabyte zum Speichern von Musik in ihren Geräten bereitstellen, dem Nutzer aber gleichzeitig der Speicherplatz für Apps und Daten ausgeht. Unser Ansatz erlaubt uns, alles auf einem Laufwerk zu vereinen, was viel besser ist.

Zur Erklärung: Viele Gerätehersteller teilen den verbauten internen Speicher in Telefon- und SD-Speicher auf. Auf letzterem kann man zwar massig Musik oder Filme ablegen, Apps und Nutzerdaten werden aber nativ auf dem Telefonspeicher abgelegt – und der ist oftmals eben ziemlich schnell voll.

Googles Lösung mit nur einem Speicher behebt dieses Problem, verbietet aber gleichzeitig aus technischen Gründen das Zulassen von weiterem, zusteckbarem Speicher. Auch, weil der alleinige interner Speicher somit aus Gründen der Schnelligkeit und Sicherheit im ext- statt dem veralteten FAT-Dateisystem formatiert sein kann und beim Anschluss an einen PC via MTP auf das Smartphone respektive Tablet zugegriffen wird – was ebenfalls sicherer ist, Fehler bei vorzeitigem Abstöpseln etc. verhindert und den Zugriff des Gerätes auch bei bestehender Verbindung auf alle Daten erlaubt. Klar, Google möchte zudem online gespeicherte Daten als Standard festsetzen, auch im Hinblick auf den eigenen Drive-Service oder die Streaming-Angebote des Play Store, deren Daten auch in der Cloud liegen.

So nachvollziehbar und für sich genommen sinnvoll diese Argumentation seitens Google auch sein mag, für mich geht sie aktuell, vor allem für Europa und besonders bei den Smartphones dennoch ein wenig an der Realität vorbei: Lieber verzichte ich (noch) auf die paar Vorzüge eines Speicherblocks und nehme mir dafür Filme und Musik auf der Micro SD-Karte mit – zumindest solange, bis schnelles mobiles Internet wirklich allgegenwärtig und bezahlbar geworden ist. Micro SD-Karten kann ich schon heute sehr günstig kaufen.

Auf der anderen Seite: Vielleicht beschleunigen solche Maßnahmen von Internet-Größen wie Google die Entwicklung zu einem schnelleren mobilen Internetzugang ja auch. Auch dem würde ich mich nicht entgegenstellen.

Quelle: androidcentral

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