Project Wing: Google will bestellte Waren mit Drohnen in Minuten ausliefern

Tuan Le 8

Unter dem Namen Project Wing versucht Google auch Hoheit über den Luftraum zu erlangen: Mithilfe der hierzu verwendeten Drohnen soll es künftig möglich sein, Pakete innerhalb von wenigen Minuten an die Kunden auszuliefern. Dadurch sollen die Lieferkosten in entlegene Gegenden sowie in bedrängten Stadtgebieten massiv reduziert werden können. Ganze zwei Jahre hat Google im Verborgenen an den Drohnen gearbeitet, nun sei das Experimentier-Stadium abgeschlossen.

Project Wing: Google will bestellte Waren mit Drohnen in Minuten ausliefern

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Googles „Project Wing“ ist neben „Project Tango“ und „Project Ara“ ein weiteres Projekt des Suchmaschinenriesen, welches in Zukunft für eine technologische Revolution sorgen könnte. Wie nun enthüllt worden ist, hat Google in den vergangenen zwei Jahren intensiv daran gearbeitet, Drohnen für die Auslieferung von Paketen zu entwickeln und ist nun selbstbewusst genug, um die Ergebnisse der Öffentlichkeit zu präsentieren. Vor allen die Geschwindigkeit der Drohnen im Vergleich zu herkömmlichen Liefermethoden an Land sei als Vorteil zu bezeichnen: In bedrängten Innenstädten kommt eine Drohne über den Luftweg erheblich schneller voran als ein Lieferwagen. In manchen Regionen können zudem Regenfälle oder andere Wettereinflüsse dafür sorgen, dass Straßen und Wege gar nicht mehr befahrbar sind - wichtige Lieferungen wie Blutproben oder Medikamente sollen in solchen Fällen laut Google dennoch innerhalb von kürzester Zeit ankommen.

Die Drohnen starten senkrecht vom Boden aus, sodass wie bei Hubschraubern keine Start- beziehungsweise Landebahn notwendig ist. Ohnehin landen die Drohnen bei der Auslieferung der Pakete nicht am Boden, sondern laden ihre Lieferung mittels eines Seils an den Empfänger ab. Im Flug in der Luft wird zudem vom Propeller-Flug auf einen Gleitflug umgeschaltet, der die jeweiligen Windströmungen ideal zum Sparen von Treibstoff ausnutzen soll.

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Bisher wurden von Google Strecken zwischen vier und zehn Kilometer von den Drohnen absolviert, wobei das Höchstgewicht der Pakete 1 Kilogramm betrug – nicht gerade viel im Vergleich zu den 2,3 Kilogramm, die Amazons achtmotorige Drohnen heben können. Google konzentriert sich aktuell aber eher auf die korrekte Navigation der Drohnen: Diese sollen weniger ferngesteuerten Flugzeugen gleichen, sondern selbstfahrenden Autos. Bei plötzlich auftretenden Hindernissen oder Wetterveränderungen können sich die Drohnen eigenständig anpassen und weitgehend ohne menschliche Hilfe ihr Ziel erreichen. Diesen Aspekt möchte Google künftig noch weiter ausbauen, die durch Google Maps vorhandenen Ressourcen werden hierbei sicherlich behilflich sein. Die Paketlast oder Flugdistanz in Zukunft zu erhöhen sei laut Astro Teller, Chef des Forschungslabors Google X, kein sonderlich großes Problem.

Neben den logistischen Vorteilen werde sich zusätzlich Tellers Meinung nach das Konsumverhalten der Kunden drastisch verändern: Anstatt zum Beispiel einen neuen Bohrer zu bestellen, könnte man sich diesen innerhalb von wenigen Minuten ausleihen - schließlich wird solch ein Werkzeug ohnehin relativ selten verwendet. Überhaupt könnte der Bedarf an Instant- und Wegwerf-Artikeln, die häufig nur als Zwischenlösung dienen, durch die Drohnen reduziert werden, da die eigentlich gewünschten Produkte innerhalb kürzester Zeit angeliefert werden können. Google befindet sich im Moment noch in Gesprächen mit den Behörden, die Reaktionen seien bislang äußerst positiv.

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In naher Zukunft sollten die ersten Drohnen in entlegenen Regionen, später auch in Großstädten zum Einsatz kommen. Durch den Wegfall von Kosten für menschliche Fahrer und die reduzierten Treibstoffkosten könnten die Kosten für die Auslieferungen auf etwa zwei Cent pro Kilometer reduziert werden. Im Prinzip scheinen die Drohnen – abgesehen von der Einstampfung von Arbeitsplätzen – allerhand Vorteile zu bieten. Abzuwarten bleibt allerdings, wie gut das System im größeren Maßstab funktionieren wird, ganz abgesehen davon, wie sich das Stadtbild verändern wird, wenn auf einmal jeden Morgen tausende Drohnen den Himmel bevölkern.

Was sagt ihr zu „Project Wing“? Eure Meinung zu dem Projekt bitte in die Kommentare.

Quelle: The Atlantic [via Berliner Zeitung]

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