Russland: Bündelung von Google-Apps mit Android unzulässig

Kaan Gürayer 12

Bedient sich Google unlauterer Wettbewerbsmethoden? Zumindest in Russland ist man der Ansicht, dass Google seine Marktmacht missbraucht: Die FAS, ihres Zeichens oberste Kartellbehörde des Landes, hat dem Konzern nun eine Frist bis zum 18. November gesetzt. Bis dahin muss Google dafür gesorgt haben, dass auch seine Mitbewerber einen „gleichberechtigten Zugang“ zur Android-Plattform erhalten. Andernfalls droht eine empfindliche Geldstrafe. 

Russland: Bündelung von Google-Apps mit Android unzulässig

Google gerät weltweit immer stärker ins Visier von Wettbewerbsbehörden: In Europa muss sich der Internetgigant seit April dieses Jahres mit einem Kartellverfahren der EU-Kommission auseinandersetzen. Der Vorwurf: Google missbrauche sein dominante Position im Suchmaschinen- und Smartphonegeschäft, um Konkurrenten gezielt zu benachteiligen. Ende September wurde dann bekannt, dass auch die amerikanische Federal Trade Commission (FTC) ein ähnliches Verfahren gegen Google eingeleitet hat. Die US-Kartellwächter wollen der Frage nachgehen, ob die Bündelung von Google-Apps, die das Unternehmen im Rahmen der Zertifizierung für den Play Store von Hardware-Herstellern verlangt, gegen geltendes Wettbewerbsrecht verstößt.

Im Kern ist Android zwar quelloffen und kostenlos – wer als Hersteller aber den Play Store auf seinen Geräten installieren möchte, der muss sich an Googles sogenanntes „Mobile Application Distribution Agreement“ (MADA) halten. Hier schreibt der Konzern nicht nur detailliert vor, welche und wie viele der hauseigenen Apps auf dem Smartphone oder Tablet vorinstalliert werden müssen, auch wird die Bereitstellung von Konkurrenz-Apps untersagt. Aus diesem Grund findet sich beispielsweise auf Amazons Fire Tablet der Amazon App Store, Googles Play Store sucht man dagegen vergebens. Zwar wurden die MADA-Regelungen Ende August gelockert, im Kern bleibt es aber bei der „Alles-oder-nichts“-Wahl, die Google Samsung, HTC & Co. vorschreibt.

Während die US-amerikanischen Kartellwächter dieser Frage noch nachgehen, haben ihre russischen Kollegen die Ermittlungen aber bereits abgeschlossen. Ihr Ergebnis: Ja, die Zwangsbündelung von Google-Apps mit Android verstößt gegen das russische Wettbewerbsrecht .

Google-Yandex-Logos

Bilderstrecke starten
11 Bilder
Top-10-Handys: Das sind die besten Kamera-Smartphones.

Konkurrent Yandex als Beschwerdeführer

Das Kartellverfahren selbst ging auf Yandex zurück, Googles größtem Konkurrenten auf dem russischen Suchmaschinenmarkt. Obwohl das Unternehmen in Russland mehr Suchanfragen als Google beantwortet, musste Yandex in den vergangenen Jahren stetige Verluste hinnehmen und führt den russischen Suchmaschinenmarkt laut Business Insider nur noch mit 50 Prozent Marktanteil an. Google konnte sich dagegen im Laufe der Zeit auf 42 Prozent hocharbeiten. Wenig verwunderlich also, dass sich Yandex mit der Entscheidung der Wettbewerbshüter zufrieden zeigt: „Unser Ziel ist es, zu einem fairen und gleichberechtigten Markt zurückzukehren“, erklärte das Unternehmen in einem Statement.

Google hat nun bis zum 18. November Zeit, einen „gleichberechtigten Zugang“ zur Android-Plattform herzustellen, wie es von der russischen Kartellbehörde FAS etwas schwammig heißt. Wie genau dieser Zugang aussehen soll, ist aber unklar. Sollte das Unternehmen den Forderungen nicht nachkommen, könnte die Rechnung hoch ausfallen: Bis zu 15 Prozent des Umsatzes, den Google im vergangenen Jahr mit seinen Apps in Russland erzielt hat, könnten als Strafzahlung festgelegt werden. Google selbst hat sich zum Inhalt der FAS-Entscheidung noch nicht geäußert.

Quelle: Reuters

Samsung Galaxy S6 bei deinHandy.de kaufen *   Nexus 6 bei Amazon kaufen *

Zu den Kommentaren

Kommentare zu dieser News

* Werbung