Wenn es um eine Anstellung bei Google geht, hört man meistens nur hochlobende Worte. Doch wo Licht ist, da ist natürlich auch Schatten. Ein paar ehemalige Google-Mitarbeiter zeigen, dass auch bei Google nicht alles wunderbar ist.

Ich selbst konnte mir schon einen eigenen kurzen Eindruck von Googles Mega-Campus in Mountain View machen und ich muss sagen, dass das natürlich alles sehr imposant ist. Generell ist die Außenwirkung von Google und seinen Mitarbeitern, dass es auf der Welt eigentlich niemand besseren gibt, für den man arbeiten könnte.

Doch bei all dem Lob gibt es natürlich auch Kritik. Der Business Insider hat Ende vergangenen Jahres einen sehr interessanten Artikel darüber verfasst, in dem ehemalige Google-Mitarbeiter zu Wort kommen und die für sie größten Nachteile hervorheben, die ein Job bei dem Suchmaschinengiganten mit sich bringt.

Die folgenden Auszüge stammen aus dem Forum von Quora, wo Menschen ihre Erfahrungen und ihr Wissen mit anderen teilen können. Natürlich handelt es sich dabei um persönliche Erfahrungen, dennoch möchten wir hier ein paar Beispiele nennen um zu zeigen, dass Google in mancherlei Hinsicht vielleicht nicht das Maß aller Dinge (in Sachen Arbeitswelt) ist.

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Alle sind so gut, dass selbst die besten eher anspruchslose Jobs machen

„The worst part of working at Google, for many people, is that they’re overqualified for their job. Google has a very high hiring bar due to the strength of the brand name, the pay & perks, and the very positive work culture. As a result, they have their pick of bright candidates, even for the most low-level roles. There are students from top 10 colleges who are providing tech support for Google’s ads products, or manually taking down flagged content from YouTube, or writing basic code to A|B test the color of a button on a site.“

(Der schlimmste Teil für Google zu arbeiten ist für viele Leute, dass sie für ihren Job überqualifiziert sind. Google hat aufgrund des eigenen Markennamens, der Bezahlung und anderen Vorteilen und der sehr positiven Arbeitskultur eine sehr hohe Messleiste für die Einstellung. Als Ergebnis kann Google aus sehr intelligenten Kandidaten auswählen, selbst für die untersten Funktionen. Es gibt dort Studenten der Top 10 Colleges, die technichen Support für Googles Werbe-Produkte liefern, die manuell gemeldete Inhalte von YouTube entfernen oder die einfachen Code für A|B-tests schreiben, um die Farbe auf einer Webseite zu testen.)

„I often say Google has a great problem: Too many outstanding people. For example, when  I left, my direct reports were outstanding, my boss was outstanding, my  peers were outstanding, my boss’s boss was outstanding, my boss‘ peers  were outstanding. “

(Ich sage oft, dass Google ein großes Problem hat: Zu viele herausragende Personen. Zum Beispiel, als ich das Unternehmen verließ waren meine direkten Untergebenen herausragend, mein Chef war herausragend, meine Kollegen waren herausragend, der Chef meines Chefs war herausragend, die Kollegen meines Chefs waren herausragend.)

Desinteresse und Arroganz

„I think the average level of Google engineers is mediocre. With a lot of arrogance, too. Everybody believes he (males dominate) is better than his neighbor. So it is really hard to discuss any issue unless it is your friend you are talking to. Objective discussions are pretty rare, since everybody’s territorial, and not interested in opinions of other people unless those people are Important Gods.“

(Ich halte das Durchschnitts-Level der Google Ingenieure für mittelmäßig. Dazu kommt jede Menge Arroganz. Jeder (vor allem Männer) ist davon überzeugt, dass er besser als die anderen ist. Dadurch wird es sehr schwierig, sich über jegliche Themen zu unterhalten, außer es handelt sich dabei um einen Freund, mit dem man spricht. Objektive Diskussionen sind ziemlich selten, da jeder sehr territorial ist und sich nicht für die Meinung anderer Leute interessiert, außer es handelt sich bei diesen um „wichtige Götter“.)

Nicht die beste Chance deines Lebens

„Nothing summed it up better for me than this quote by Stephen Cohen:  We tend to massively underestimate the compounding returns of intelligence. As humans, we need to solve big problems. If you graduate Stanford at 22 and Google recruits you, you’ll work a 9-to-5. It’s probably more like an 11-to-3 in terms of hard work. They’ll pay well. It’s relaxing. But what they are actually doing is paying you to accept a much lower intellectual growth rate. When you recognize that intelligence is compounding, the cost of that missing long-term compounding is enormous. They’re not giving you the best opportunity of your life. Then a scary thing can happen: You might realize one day that you’ve lost your competitive edge. You won’t be the best anymore. You won’t be able to fall in love with new stuff. Things are cushy where you are. You get complacent and stall.“

(Nichts fast es für mich besser zusammen als dieses Zitat von Stephen Cohen: „Wir neigen dazu, die gemischten Erträge von Intelligenz zu unterschätzen. Als Menschen müssen wir große Probleme lösen. Wenn du mit 22 Jahren deinen Abschluss in Stanford machst und dich Google rekrutiert, wirst du einen klassischen 9-17 Uhr Bürojob bekommen. In Sachen harter Arbeit ist es eher ein 11-15 Uhr Job. Sie bezahlen gut. Es ist entspannend. Doch was sie tatsächlich tun ist, dich dafür zu bezahlen, dass du eine wesentlich geringere intellektuelle Wachstumsrate akzeptierst. Wenn du verstehst, dass sich Intelligenz vermischt, sind die Kosten für diese fehlende Langzeitvermischung enorm. Sie bieten dir nicht die beste Chance deines Lebens. Dann passiert eine gruselige Sache: Eines Tages realisierst du vielleicht, dass du deinen konkurrierenden Ansatz verloren hast. Du wirst nicht mehr der Beste sein. Du wirst dich nicht mehr für neue Dinge begeistern. Die Dinge sind sehr bequem, dort wo du bist. Du wirst selbstgefällig und kommst zum Stillstand“.)

Alles in allem sind das schon auch eher harsche Worte, die natürlich auch ein bisschen nach First World Problems klingen. Wenn man aber bedenkt, welch massiven Einfluss Google auf die ganze Welt hat und dass unter anderem auch die intelligentesten Menschen für dieses Unternehmen arbeiten muss man sich ehrlich eingestehen, dass auch einer der vielleicht besten Arbeitgeber der Welt noch einiges besser machen kann und ein Job für Google definitiv nicht jedermanns Sache ist.

Quelle: Quaro via Business Insiders, Artikelbild: TrendBird

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