An Mittwoch nächster Woche findet die Google I/O in San Francisco statt, zu der auch die Vorstellung von Android 4.1 „Jelly Bean“ erwartet wird. Wir nehmen das zum Anlass und blicken zurück auf die letzte Google I/O, genauer gesagt: welche Versprechen bezogen auf Android nicht eingehalten wurden.

Mit der Entwicklerkonferenz Google I/O steht ab Mittwoch nächster Woche eine Veranstaltung an, von der einige wegweisende Impulse für Android erwartet werden. Google steht unter Zugzwang, denn Apple und Microsoft haben mit iOS 6 und Windows Phone 8 neue Versionen ihrer Plattformen vorgestellt, die das Potential haben, Kundschaft vom Android-OS wegzulocken. Kein Zweifel, dass Vic Gundotra und seine Leute wieder spannende Neuerungen zeigen, das kennt man aus den vergangenen Jahren. Was wir uns von der Google I/O und der dort erwarteten Ankündigung von Android 4.1 „Jelly Bean“ erhoffen, haben wir bereits in einem Schwerpunkt geklärt. Jetzt möchten wir einmal zurückschauen - und zwar auf die Google I/O 2011. Genauer gesagt auf drei Ankündigungen von 2011, die nicht eingehalten wurden.

Android @ HOME

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Android @ HOME war eine der größeren Ankündigungen im letzten Jahr. Über ein eigenes Framework sollte es möglich sein, Geräte direkt per Android fernzusteuern und Messdaten auszulesen. Gezeigt wurde ein Trimmrad, mit dem man ein Spiel auf einem Android-Device steuern konnte oder ein Kugellabyrinth, das über die Sensoren eines Andrid-Tablets ferngesteuert wurde. Aber auch speziell angepasste Lichtanlagen, Geschirrspüler, Thermostaten und andere Geräte im Haushalt sollten mit Android @ HOME steuerbar sein können.

Android @ HOME - Google I/O 2011.

Obwohl Neuigkeiten für die folgenden Monate versprochen wurden, hörte man nach der I/O gut wie gar nichts mehr von Android @ HOME - weder von Google noch von den Hardware-Partnern. Dabei hat das Konzept großen Potential - dank eines offenes Systems wie Android, programmierbarer Hardware-Komponenten wie Arduino-Boards und der schier unerschöpflichen Kreativität der Android Developer-Community.

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Bluetooth-Unterstützung für Open Accessory

android adk

Mit dem Open Accessory Development Kit (ADK) kann man Geräte aller Art per USB an ein Android-Device anschließen und steuern. Auf der letztjährigen Google I/O wurde angekündigt, dass dieses zukünftig auch per Bluetooth möglich sein soll. Allerdings wurde der Bluetooth-Support nie veröffentlicht, Entwickler ärgern sich zu Recht darüber, denn kabellos macht diese Funktion viel mehr Sinn.

Android Update Alliance

android update alliance

Mag sein, dass es nicht unbedingt Googles eigene Schuld ist, aber das Fehlschlagen der seinerzeit mit viel Applaus bedachten Android Update Alliance ist die in der Rückschau wohl größte Enttäuschung der Google I/O 2011.

Wurde seinerzeit von den teilnehmenden Herstellern LG, Motorola, HTC und Samsung in freiwilliger Selbstverpflichtung einmütig gelobt, dass Android-Devices mindestens 18 Monate lang mit der je aktuellen Android-Version versorgt werden, ist acht Monate nach der Vorstellung von Android 4.0 „Ice Cream Sandwich“ nur auf 7% aller Android-Geräte installiert. Auch wenn dies Fakt teilweise durch die enormen Änderungen erklärbar ist, die ICS mit sich brachte und den Portierungsaufwand signifikant erhöhen, versagten alle beteiligten Hersteller bei der Einhaltung ihrer Versprechens.

Sony und HTC agieren zwar insgesamt mit am vorbildlichsten, bringen aber kein ICS für Flyer und Xperia Play, Samsung lässt sich zumindest enorm Zeit bei den Updates für seine Tablets, von den Low-End-Geräten ganz zu schweigen. Bei Motorola steht ICS für das Atrix in den Sternen und bei LG kann man froh sein, dass die Devices aus dem letzten Jahr immerhin Gingerbread erhalten haben. Ironischerweise ist mit Asus ein Unternehmen am schnellsten beim Aktualisieren seiner Geräte, das nicht Teil der Update Alliance ist.

Google hat kaum Instrumente, mit der die medial viel kritisierte Update-Misere verbessert werden kann. Sollte die Update-Verpflichtung in die Android-Lizenzbedingungen aufgenommen werden, riskiert man es, die Hardware-Partner zu verprellen. Würde Google neue Android-Versionen an die Hardwarepartner früher herausgeben, wären „Leaks“ fast unumgänglich. Eine Erneuerung der Update Alliance halten wir also für unwahrscheinlich. Aber besser kein Versprechen, als ein Versprechen, das nicht eingehalten wird.

Auch wenn bei der I/O 2012 sicher auch wieder Dinge gezeigt werden, die nicht zünden werden, freuen wir uns doch stark auf die Veranstaltung Mitte der Woche - denn einige der Innovationen die dort zeigt, werden uns in den nächsten 12 Monaten sicher gehörig beschäftigen, mutmaßlich sogar begeistern. Was hat euch an der I/O 2011 am meisten enttäuscht? Worauf hofft ihr für 2012? Meinungen in die Kommentare.

[teils via TechAnalyzer; Foto „Google I/O“: Anthony Alvernaz (cc)]

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