Google und Nestlé: Fragwürdiger Werbedeal für Android 4.4

Jens Herforth

Da nun die Katze seit Kurzem aus dem Sack ist und die nächste Android Version 4.4 KitKat heißen wird, ist es einmal an der Zeit, genauer auf den Konzern Nestlé zu schauen, zu dem KitKat gehört. Die Meldung, dass Google und KitKat bzw. Nestlé eine vermutlich ziemlich fruchtbare Kooperation eingehen, dürfte beiden Unternehmen bestens gefallen. Viele Interessierte werden sich momentan freuen, denn mit diesem Deal startet in 19 Ländern (auch in Deutschland) ein großes Gewinnspiel. Wir schauen uns den Konzern einmal etwas genauer an, mit dem Google momentan liebäugelt.

Google und Nestlé: Fragwürdiger Werbedeal für Android 4.4

Dies ist ein Gastartikel von Jens Lehman, der bei neuerdings.com schon den einen oder anderen Artikel geschrieben hat.

Nestlé gehört zu einem der größten Konzerne der Welt und ist der größte im Bereich Nahrungsmittel. Es ist sehr wahrscheinlich, dass jeder von uns etwas im Haushalt hat, das in irgendeiner Form vom Nestlé-Konzern stammt. Dem kann man sich auch kaum entziehen, gehören doch über 420 Marken zum Konzern. Darunter zum Beispiel Smarties, Lion, After Eight, Wagner-Pizza, Maggi, Thomy, Schöller, Nespresso und eben auch KitKat.

Das Unternehmen steht immer wieder in der Öffentlichkeit massiv in der Kritik. So gab es bereits 1999 massive Proteste, weil in einem Schokoriegel (Butterfinger) gentechnisch veränderte Bestandteile verarbeitet wurden. Einige Menschenrechtsorganisationen werfen Nestlé vor, dass an der westafrikanischen Elfenbeinküste ca. 12.000 Kinder auf Kakaoplantagen eingesetzt werden. Trotz eines 2001 auch von Nestlé unterzeichneten Protokolls (Harkin-Engel-Protokoll) haben sich nach Recherchen der Kollegen der ARD (2010) ergeben, dass Konzerne wie Nestlé, Mars Inc. und Kraft Food Kinderarbeit und Kindersklaverei „zumindest dulden“.

via Neslte

2011 hatte die Tierrechtsorganisation PETA Nestlé vorgeworfen, dass der Konzern Tierversuche für Tee bzw. dessen Inhaltsstoffe für die Marke Nestea durchgeführt habe bzw. durchführen ließ. Zum Einsatz sollen Mäuse und Ratten gekommen sein, die nach den Tierversuchen enthauptet wurden. Dabei sei der Konzern, wie auch andere Hersteller von Getränken, nicht dazu verpflichtet gewesen. Ebenfalls waren die Tierversuche nicht notwendig und haben die gesundheitsfördernden Eigenschaften eines Getränks oder Lebensmittels nicht ausreichend belegen können, noch seien diese erforderlich gewesen .

Es ist schon erstaunlich, dass ein Unternehmen überhaupt auf Tierversuche setzt und diese entweder selbst durchführt, oder durch andere Unternehmen durchführen lässt. Noch erstaunlicher ist es, dass ein Unternehmen wie Nestlé Tierversuche für ein Getränk auf Teebasis solche Versuche durchführen lässt.

Nestlé ist seit 2009 immer wieder in der Kritik, dass das Unternehmen ein massives Geschäft mit Trinkwasser betreibe. Das alleine ist noch nicht schlimm, allerdings soll Nestlé in der Dritten Welt mit korrupten Regierungen zusammenarbeiten und Grundwasser aus armen Regionen abpumpen und teuer an wohlhabende verkaufen, die sich das Trinkwasser leisten können. Auf der Strecke bleiben die zumeist armen Menschen in der Region, denen buchstäblich das Wasser abgedreht wird und sich das teure abgefüllte Wasser nicht leisten können.

Bereits 2007 erhielt Nestlé den „Black Planet Award“ von der Stiftung Ethik & Ökonomie. In der Begründung von Stiftung Ethik & Ökonomie heißt es zu Nestlé:

In der aggressiven Unternehmensstrategie dieses Konzerns werden die kapitalbasierte Macht globaler Konzerne und die damit verbundenen ökologischen und sozioökonomischen Folgen besonders deutlich. Der NESTLÉ-Konzern ist einer der führenden Repräsentanten des kapitalistischen Ausbeutungssystems.

Die Stiftung bemängelt, dass Nestlé kaum Rücksicht auf Menschenrechte, sowie ethische Abkommen oder Umweltstandards nehmen würde.

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Google und KitKat

Tja, was hat Google sich denn nun dabei gedacht, ausgerechnet mit KitKat bzw. dem Nestlé-Konzern eine solche Verbindung einzugehen? Dabei ist Google doch sonst so darauf bedacht, viel grüne Energie für den Betrieb der eigenen Serverfarmen zu verwenden, oder den Mitarbeitern in den hauseigenen Kantinen gesundes Essen auf den Teller zu packen (das sogar kostenlos). Die seit vielen Jahren immer wieder auftretenden Kritikpunkte gegenüber Nestlé oder einzelnen Marken des Konzerns dürfte man sicherlich auch mitbekommen haben in den Chefetagen von Google.

Oder lebt man als Entscheidungsträger bei Google in einer rosaroten Kunstwelt, in der es so Dinge wie Kinderarbeit, Ausbeutung, Umweltzerstörung oder Tierversuche gar nicht gibt? Hauptsache der KitKat-Riegel schmeckt auch weiterhin schön süß. Daher scheint die Kooperation zwischen Google und Nestlé als gar keine so gute Idee gewesen zu sein. Deutlich cooler wäre es sicherlich gewesen, wenn man eine Kooperation an Bedingungen geknüpft hätte. Zum Beispiel, dass es ab sofort im gesamten Konzern keine Tierversuche mehr geben sollte, oder das die Kinderarbeit für den Nestlé-Konzern bzw. den Lieferanten und Subunternehmern weltweit abgeschafft werden müsse.

Die Marketingmaschinerie ist allerdings mächtig. Und seitdem die ersten KitKat-Riegel in Deutschland erhältlich sind, werden diese fleißig gekauft und Bilder davon großzügig in den sozialen Netzen geteilt. Zu verlockend werden die Gewinnaussichten sein. Wer möchte nicht ein Nexus 7 (2013) gewinnen, oder einen Gutschein für den Play Store?

Sowohl Google als auch der Konsument sollten vor dem Kauf des nächsten Nestlé-Produkts einmal überdenken, ob es das alles überhaupt wert ist, oder ob man ein Produkt dieses Unternehmens nicht doch lieber liegen lässt. Hey Google, habt ihr nicht mal “Don’t be evil“ als Motto gehabt? Es ist richtig, dass auch andere Unternehmen ihre Gewinne nicht immer durch faire Bedingungen erwirtschaftet haben. Dennoch ist ein Konzern, zumal er auch einer der größten weltweit ist, in einer Verpflichtung, mehr Nachhaltigkeit zu wirtschaften. Das Argument, dass auch die anderen keine weiße Weste haben, zählt nicht, um sich aus der Verantwortung auch als Verbraucher zu entziehen.

Artikelbild via Shutterstock, bearbeitet von Jens und Kamal

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