Was tun nach PRISM? Sichere Alternativen zu Google, Skype, Apple und Co.

Peer Göbel 2

Wir hatten ihnen vertraut, den Googles, Apples und Facebooks dieser Welt. Aber unsere privaten Daten sind dort nicht so privat, wie wir dachten. Welche Dienste zum Mailen, Surfen, Suchen und Vernetzen können wir überhaupt noch nutzen, ohne ausgespäht zu werden? Gibt es überhaupt Alternativen?

Was tun nach PRISM? Sichere Alternativen zu Google, Skype, Apple und Co.

Die Enthüllungen des PRISM-Programms und der britischen „Tempora“-Bespitzelung machten nochmal klar, dass Warnungen vor der Aushöhlung der Privatsphäre im Netz doch keine reinen Verschwörungstheorien waren. Der US-Geheimdienst NSA hat beispielsweise Zugriff auf die Userdaten von u.a. Google, Microsoft, Apple, Facebook, Yahoo, YouTube und AOL. Und auch die Unternehmen selbst betrachten die hochgeladenen Daten teilweise als ihr Eigentum, nutzen sie für Profil-Bildung und Vermarktung.

Gibt es also überhaupt noch eine Möglichkeit, online zu sein, ohne seine privaten Daten zu verschleudern? Gibt es eine Alternative zu Facebook, Skype, YouTube oder Google, ohne in die Internet-Steinzeit zurückzufallen? Ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, die eigenen Daten grundsätzlich zu verschlüsseln, oder gleich eine Zweit-Identität anzunehmen? Hier eine Liste für sichere(re) Alternativen für Webdienste am Desktop (von der Problematik der mobilen Geräte gar nicht zu sprechen – das wäre nochmal eine Aufgabe für die Kollegen, wie man dort weniger getrackt wird).

PRISM: Die Dienste, die der NSA ihre Daten zur Verfügung stellen

1. E-Mail-Dienste / Nutzerkonten

Die wichtigste Grundregel ist wahrscheinlich, so selten wie möglich ein Konto bei den betroffenen Unternehmen zu benutzen. Das wird bei Apple sehr schwierig, bei Google kann sich der User zumindest für viele Aktionen ausloggen (z.B. bei der Benutzung der Suche), bei Microsoft braucht man seit Windows 8 einen personalisierten Account. Immerhin: Das E-Mail-Konto kann man relativ problemlos zu einem Anbieter verlegen, der keine Daten über seine Nutzer sammelt.

Betroffen von PRISM: Googlemail, Hotmail/Outlook/Live.com, Yahoo-Mail

Alternativen: Eigener Mail-Server, Lavabit (mit assymetrischer Encryption, so dass die Seitenbetreiber selbst nicht mal auf die Daten zugreifen können), kostenpflichtige verschlüsselte Lösungen: Fastmail, secure-mail. Kostenlose Lösungen: Zoho, MyOpera, auch web.de oder gmx.de gehören nicht zu den von PRISM angezapften Unternehmen.

2. Browser

Möglichst vermeiden: Google Chrome, Apple Safari, Microsoft Explorer.

Alternativen: Firefox, Opera, SRWare Iron (Chrome ohne Google-Connection)

3. Suchmaschinen

Problematisch: Google, Bing, Yahoo

Alternativen: DuckDuckGo (anonyme Suchmaschine, kann auch auf Deutsch eingestellt werden), Startpage / IxQuick (liefern die Google-Ergebnisse, ohne irgendwelche Daten zu tracken)

4. Social Networks

Ausspioniert von PRISM: Facebook, Google+

Alternativen: Gibt’s nicht wirklich, weil dazu erstmal alle anderen mitwechseln müssten, und dann das nächste Netzwerk von den Geheimdiensten angezapft wird. Eventuell: Myspace, Diaspora

5. Instant Messaging und Video-Chats – geht’s ohne Skype?

Bespitzelt: Skype, Apple Facetime/OS X Messages, Google+, Facebook, Windows Live

Alternativen: Pidgin (Text-Chat, IM), Adium (Text für Mac OS X), Jitsi (Video-Chat und IM)

6. Cloud-Speicher

Besser meiden: Apple iCloud, Microsoft SkyDrive, Dropbox, Google Drive

Alternativen: Owncloud, Seafile, DriveOnWeb

7. Video-Plattform

Angezapft: YouTube (Google)

Alternativen: Vimeo, Dailymotion, Myvideo

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, beispielsweise in Sachen Office, Maps, Zahlungsarten, Foto- und Publishingprogramme – und nicht zuletzt in Sachen (mobile) Betriebssysteme. Eine Liste mit noch mehr sicheren Open-Source-Alternativen gibt es bei PRISM-break.org. Generell gilt die Faustregel: Je größer der Anbieter, desto wahrscheinlicher wird dort ausspioniert.

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