HTC ist nichts mehr wert

Andreas Floemer 9

Schlimmer geht immer: HTC fährt schon seit Jahren Verluste ein und bekommt trotz optisch vielversprechender Smartphone-Flaggschiffe wie dem One M9 kein Bein auf die Erde. Nun ist es soweit gekommen, dass der Smartphone-Spezialist an der Börse keinen Wert mehr hat – selbst die Barreserven des Unternehmens sind höher als dessen Börsenwert.

HTC ist nichts mehr wert

HTC: Aktuelle Produktstrategie geht nicht auf

HTC ist seit Jahren das Sorgenkind der Techbranche: Bereits vor der Vorstellung des ersten Smartphones der One-Reihe, die in der Tat sehr hübsche Geräte hervorgebracht hat, war das Unternehmen am Straucheln. Milliardenschwere Marketingkampagnen, wie mit Robert Downey Jr., Versuche, im Mittelklassesegment Fuß zu fassen oder ein Wechsel an der Führung – seit März leitet Vorstandsvorsitzende und Firmenmitgründerin Cher Wang die Geschicke des taiwanischen Unternehmens – nichts hat bisher gefruchtet. Auch zwischenzeitlich Ausflüge à la Re Camera, Nexus 9 und innovative Projekte wie die VR-Brille Vive konnten das Ruder nicht herumreißen.

HTC: Keine kurzfristige Erholung in Sicht, so Analysten

Erst vergangene Woche hatte HTC angekündigt, umfassend Stellen abbauen zu müssen, das hauseigene Portfolio zu verschlanken, und in erster Linie einen Fokus auf High End-Geräte setzen zu wollen. Diese Produktpolitik, die der Hersteller 2012 schon einmal verfolgt, aber offensichtlich aus den Augen verloren hatte, kommt womöglich zu spät. Denn am Wochenende fiel die HTC-Aktie um satte 10 Prozent, sodass der Aktienwert auf den niedrigsten Stand seit 2005 plumpste – der Börsenwert des Unternehmens fiel unter 1,5 Milliarden US-Dollar (47 Milliarden NT$), was weniger ist als die Barreserven in Höhe von 47,2 Milliarden NT$. Laut Sinopac Financial Holdings Co. Analyst Calvin Huang seien HTCs Barreserven inzwischen der einzige Vermögenswert, der für Anteilseigener von Relevanz ist. Andere Assets seien nicht mehr von Belang.

Einem Analysten der Financial Times zufolge werde HTC kurzfristig nicht aus dem Dilemma herauskommen, in das man sich manövriert hat. Auch weitere Analysten stimmen in diesen Kanon ein. Demzufolge wird das kolportierte HTC Aero nicht die Wende bringen, sondern erst – so hoffen wir zumindest – das 2016er-Flaggschiff, das laut Cher Wang eine komplette Neuentwicklung sein soll. Bei HTC geht es im nächsten Jahr, wie im Grunde schon jetzt, also um Alles.

Quellen: HTC (PDF)Financial Times, Taipei TimesReuters, Bloomberg

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