HTC hätte eigentlich Grund zu feieren, denn das neue Flaggschiff HTC One wird beinahe unisono in der Fachpresse gelobt. Hinter den Kulissen kracht es aber gewaltig. Insbesondere Personalien im Marketing und der Misserfolg des HTC First schütteln das Unternehmen durch.

Dass es beim HTC One Schwierigkeiten mit der Lieferbarkeit gabe, ist kein Geheimnis: Neben fehlenden Modulen der Ultrapixel-Kamera gab es auch Schwierigkeiten mit der schwarzen Version des Gerätes, die eine anodisierte Oberfläche besitzt. Diese Probleme sollen mittlerweile behoben sein, allerdings scheint HTC-CEO Peter Chou bereits im Vorfeld der Geräte-Veröffentlichung über mögliche Komplikationen bei den Zulieferern und in der Produktion informiert gewesen sein – Unwägbarkeiten, die Chou einfach wegwischte. Die Verzögerungen trafen HTC hart, insbesondere weil der Start von Samsungs Flaggschiff Galaxy S4 imminent war.

Das Betriebsklima in HTCs Marketing scheint ebenfalls nicht das beste zu sein, denn zahlreiche Mitarbeiter verließen und verlassen zurzeit den Konzern, unter anderem Chief Product Officer Kouji Kodera, der für die übergreifende Produktstrategie zuständig war, aber auch weitere Schlüsselfiguren. Die Abschiede scheinen nicht immer „in beiderseitigem Einvernehmen“ stattgefunden zu haben. So sendete der ehemalige Product Strategy Manager Eric Lin, der jetzt für Microsoft an Skype arbeitet, einen Tweet, der HTC-Mitarbeitern empfahl, schnellstens das Weite zu suchen.

Mag der Tweet auch nicht die feine englische Art sein, so zeigt er doch eindrucksvoll auf, dass es bei HTC auch im Inneren gerade zu rumoren scheint. Ein Grund für die Frustration ist sicherlich auch der Misserfolg des Facebook-Phones HTC First: Ursprünglich, so die Quellen von The Verge, hatte Facebook angedeutet, den eigenen Launcher Facebook Home erst mit einigem zeitlichen Verzug auch für andere Geräte zur Verfügung zu stellen, sodass das HTC First zumindest für einige Zeit den Vorteil von Exklusivität genießen hätte können.

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HTC First: Kein Erfolg trotz (oder wegen?) Facebook

Daraus wurde bekanntermaßen nichts — das HTC First wurde zum gigantischen Misserfolg und soll nun sogar eingestellt werden.

So alarmierend diese Meldungen klingen, so sehr muss man jedoch auch betonen, dass nicht alles schlecht steht um HTC: Die internen Querelen betreffen offenbar nur das Marketing in den USA, die Produktionskapazitäten des HTC One ziehen derzeit sogar an. Auch wenn das Telefon wohl kein so gigantischer Erfolg werden wird wie das Samsung Galaxy S4, so hat das HTC One seine Fans (unter anderem in der androidnext-Redaktion) und verkauft sich offenbar recht gut. Und wenn alle Stricke reißen, steht immer noch das Versprechen von Peter Chou an, in diesem Fall den Hut zu nehmen.

Was denkt ihr, worin liegt die Krise von HTC begründet? Im Marketing, in der Führung, in den Produkte? Oder in etwas ganz anderem? Sagt es uns, in den Kommentaren.

[via The Verge]