HTC schreibt weiterhin rote Zahlen: Niemand kauft die U-Smartphones

Rafael Thiel 10

Das Sorgenkind der Branche kränkelt weiterhin vor sich hin: Die neuesten Geschäftszahlen dürften den einstigen Android-Pionier wenig freudig stimmen und lassen am Erfolg des HTC U Ultra und HTC U Play zweifeln. Noch gibt es aber Hoffnung.

Die am heutigen Dienstag veröffentlichten Quartalszahlen für den Zeitraum Januar bis März sehen nicht sonderlich rosig aus: In den ersten drei Monaten verbuchte HTC einen Nettoverlust von 2 Milliarden Taiwan-Dollar, umgerechnet 60 Millionen Euro. Der Umsatz lag bei 14,5 Milliarden Taiwan-Dollar, umgerechnet rund 440 Millionen Euro. Im Vorjahresvergleich schneidet das Quartal nur marginal schlechter ab; verglichen mit dem Weihnachtsgeschäft des vierten Quartal 2016 ging der Umsatz aber um satte 35 Prozent runter. Immerhin konnte der Verlust um 35 Prozent eingedämmt werden.

Doch auch die vorläufigen Zahlen für April sind nicht besser. So konnte das Unternehmen demnach 4,7 Milliarden Taiwan-Dollar umsetzen, das sind umgerechnet rund 143 Millionen Euro. Verglichen mit dem Vormonat entspricht das einem Abfall um etwa 9 Prozent, im Vorjahresvergleich sackte der Umsatz im April sogar um 18 Prozent ein. In den ersten vier Monaten konnte HTC somit rund 19 Milliarden Taiwan-Dollar umsetzen, umgerechnet 584 Millionen Euro. Auch sorgt der Vorjahresvergleich eher für Ernüchterung: Der Umsatz fiel verglichen mit demselben Zeitraum 2016 um mehr als 6 Prozent.

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HTC U Ultra und U Play werden Erwartungen nicht gerecht

Die Zahlen sind für sich genommen schon nicht gerade aufmunternd für Aktionäre, Funktionäre und Sympathisanten der Marke sein. Darüber hinaus ziehen aber auch Analysten den Schluss, dass die Verkaufszahlen des HTC U Ultra und U Play offenbar hinter den Erwartungen zurück geblieben seien – kein Wunder, die Verkaufspreise haben es schließlich in sich. Dabei braucht es keine Branchenexperten um 2 und 2 zusammenzuzählen, was unweigerlich zur Frage führt: Wie lange kann HTC den Misserfolg noch stemmen?

Bringt das HTC U 11 die Wende?

Ein potentieller Hoffnungsträger – im Übrigen der x-te Hoffnungsträger der jüngeren Unternehmensgeschichte – ist unterwegs. Denn zumindest nominell scheint der Hersteller mit dem kolportierten HTC U 11 wieder näher an die Smartphone-Führungsriege aufrücken zu wollen, die aktuell aus Apple, Samsung und mit Abstrichen noch Huawei besteht.

Doch es wäre nicht das erste Mal, dass sich zwischen Anspruch und Realität bei HTC eine riesige Kluft auftut, die schwarzen Zahlen keine Chance der Überquerung lässt. Das angebliche Vorzeigefeature des HTC U 11 soll ein neues Bedienkonzept sein. So sind die Ränder des Smartphones dem Vernehmen nach berührungsempfindlich und ermöglichen so rudimentäre Bedienung durch Zusammendrücken des Geräts. Klingt zwar irgendwo interessant, mutet aber stark wie ein schnell vergessenes Gimmick an – das würde leider zu HTC passen.

Virtuelle Realität könnte das rettende Ufer sein

HTC Vive im Test.

Allerdings lag der Fokus des Unternehmen zuletzt ohnehin eher auf dem VR-Geschäft. Vielleicht ist das auch der richtige Weg: Rückzug aus dem Smartphone-Markt, einer längst verlorenen Front, und Blick nach Vorne zur virtuellen Realität, solange die Umstrukturierung finanziell noch machbar ist. Die HTC Vive ist trotz erster Generation schon überraschend fortgeschritten.

Der Preis ist zwar happig, die Immersion aber beeindruckend. Da scheint HTC tatsächlich gute Arbeit zu leisten. Warum aber dann weiterhin alle paar Monate halbgare Smartphones auf den Markt schmeißen?

Quelle: HTC via DigiTimes
Hinweis: Das Titelbild zeigt das HTC U Ultra.

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