Mit dem Pixel wollte Google den Massenmarkt ansprechen. Über die Verkaufszahlen des Smartphones gibt es von offizieller Seite jedoch keinerlei Auskunft. Wie erfolgreich war also der Vorzeige-Androide? Offizielle Geschäftszahlen von HTC schließen zumindest einen Kantersieg aus.

Google Pixel und Daydream Hands-On

Die offiziellen Geschäftszahlen von HTC für das vierte Quartal 2016 sind draußen. Darin vermeldet das Unternehmen einen im Vergleich zum vorherigen Jahresviertel konstanten Umsatz, muss aber gewaltige Einbußen beim Bruttogewinn verzeichnen. Das im Oktober lancierte Pixel, das HTC im Auftrag von Google baut, konnte den Abwärtstrend der Taiwaner offenbar nicht aufheben. So weit gehen die Fakten, die zielstrebig in einer Frage münden: Hat sich das Google Pixel schlecht verkauft?
In Billionen Taiwanische Dollar 4. Quartal 2015 3. Quartal 2016 4. Quartal 2016
Umsatz 25,7 22,2 22,2
Bruttoertrag 3,6 3,6 2,3
Operative Kosten 7,7 5,6 5,9
Operativer Gewinn - 4,1 - 2,0 - 3,6

Denn der spontane Schluss wäre, schwache Verkaufszahlen des Pixel für den eingebrochenen Profit HTCs verantwortlich zu machen. Schließlich hat der Hersteller vergangenen Herbst in diesem prestigeträchtigen Segment ausschließlich am Google-Smartphone mitgearbeitet – unter eigener Flagge gab es keine Neuvorstellung vergleichbaren Kalibers. Das erfolglose Pixel müsste doch dann einen beträchtlichen Anteil der Geschäftszahlen ausmachen. So einfach ist das aber nicht.

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Google Pixel: HTC nur mit geringer Gewinnbeteiligung

Es steht natürlich außer Frage, dass HTC gewiss einen Stück des Kuchens erhält. Allerdings ist unklar, inwieweit Google seinen Partner an Gewinnen des Pixels teilhaben lässt – leer ausgehen wird HTC nicht, aber prozentual wohl deutlich weniger von Verkäufen profitieren wie etwa beim HTC 10. Entsprechend dürfte das Unternehmen mit einem geringeren Bruttoertrag gerechnet haben, wenn neben dem Pixel kein eigenes Produkt versucht Gewinne abzuschöpfen. Der Umsatz sowie die operativen Kosten sind auf einem konstanten Niveau geblieben, da der Hersteller schließlich weiterhin High-End-Smartphones baute.

Eine Aussage über die Verkaufszahlen des Pixels lässt sich also nur bedingt treffen. Das Google-Smartphone war offenbar kein bahnbrechender Erfolg in Sphären eines Galaxy S7 oder iPhone 7 – sonst sähen die HTC-Geschäftszahlen trotz geringerer Gewinnbeteiligung deutlich besser aus. Davon war jedoch im Vorfeld schon auszugehen. Ob sich der im November prognostizierte Erfolg mit 3 Millionen Verkäufen letztendlich bewahrheitet hat oder die Kundenresonanz deutlich nüchterner ausfiel, lässt sich ohne weitere Einblicke in die Verträge zwischen HTC und Google schwerlich sagen.

Unabhängig von Verkaufszahlen: HTC profitiert von Pixel-Kooperation

Warum hat sich HTC dann auf die Kooperation mit Google eingelassen? Zuvorderst stellt die Auftragsfertigung des Pixels eine zuverlässige Einnahmequelle dar. Solange Google weiterhin Stückzahlen nachbestellt, hat HTC ein sicheres Geschäft während das Interesse am HTC 10 abflaut und der Nachfolger noch nicht vorgestellt ist – denn Google trägt mutmaßlich das Risiko, auf den produzierten Einheiten sitzenzubleiben. Besagte Sicherheit geht aber eben auch zulasten der Gewinnbeteiligung, weswegen die Geschäftszahlen in dieser Kategorie schwächer ausfallen.

Google Pixel mit Vertrag bei der Telekom

Natürlich hätte HTC parallel ein erfolgsversprechendes Smartphone ohne Kooperationspartner veröffentlichen können. Im Falle solider Verkaufszahlen des eigenen Modells, und vorausgesetzt dass die eigenen Produktionskapazitäten ausreichen, wäre der Quartalsbericht wohl positiver ausgefallen. Nur: Bei Misserfolg stände das Unternehmen jetzt weitaus schlechter da. Davon abgesehen dürfte HTC auch Knowhow aus der Partnerschaft gewonnen haben. So könnte etwa bald ein HTC-Smartphone mit einer ähnlich „magischen“ Kamera wie der des Pixels aufwarten. Die schlechten Geschäftszahlen könnten demnach ein bewusst eingegangenes Tauschgeschäft sein.

Quelle: HTC