Huawei Vision: Test des Mittelklasse-Smartphones mit Unibody-Gehäuse

Daniel Kuhn 3

Die Firma Huawei versucht derzeit, sich auch hierzulande auf dem Smartphone- und Tablet-Markt zu etablieren: Bisher wurde zunächst das Ideos X3 veröffentlicht, das vor allem durch seinen extrem günstigen Preis für Aufsehen gesorgt hat. Die Gefahr, als Hersteller von Billig-Smartphones dazustehen, ist groß. Um dem entgegenzuwirken, bedient Huawei mit dem Vision nun auch den Mittelklassebereich. Wie sich das Gerät dort schlägt, klären wir in diesem Test.

Huawei Vision: Test des Mittelklasse-Smartphones mit Unibody-Gehäuse

Der Markt für Mittelklasse-Smartphones ist bereits ziemlich gut gefüllt und hart umkämpft – da stellt sich die berechtigte Frage, ob denn eigentlich Platz für noch einen weiteren Kontrahenten vorhanden ist und dieser mit dem akuten Preisverfall mithalten kann. Huawei stellt mit dem Vision einen würdigen Gegenspieler auf, der tatsächlich weder Konkurrenz- noch Preiskampf scheuen muss. Aber fangen wir von vorne an.

Verarbeitung und Haptik

Wenn man das Huawei Vision das erste Mal in die Hand nimmt, ist man zunächst überrascht ob der hochwertigen Verarbeitung: Das stabile Unibody-Gehäuse liegt dank der abgerundeten Ecken sehr gut in der Hand und erinnert optisch ein wenig an das HTC Legend – dem es auch in Sachen Verarbeitungsqualität durchaus ebenbürtig ist. Die beiden Plastikabdeckungen für SIM- und microSD-Karte sowie für Kamera und Antennen besitzen eine gummierte Oberfläche, wodurch das Vision die nötige Rutschfestigkeit in der Hand erhält. Das Display wölbt sich an den Rändern leicht nach außen, was designtechnisch interessant ist und zusammen mit dem knapp einen Zentimeter dünnen Gehäuse ein sehr stimmiges Gesamtbild ergibt.

 
 

Sowohl Lautstärke-Wippe als auch Power-Taste befinden sich ein kleines bisschen zu weit im Gehäuse, was die Bedienung nicht immer ganz einfach gestaltet – allerdings wird so auch auch versehentliches Betätigen verhindert. Die vier Android-Steuerungstasten sind wie bei den meisten aktuellen Geräten kapazitive Buttons unterhalb des Displays.

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Benchmark-Vergleich: Samsung Galaxy Note 10 Plus vs. S10 Plus und Huawei P30 Pro.

Display

Das Huawei Vision besitzt ein 3,7 Zoll großes SC-LC-Display mit einer Auflösung von 800 x 480 Pixel. Das Display erzeugt ein gutes und scharfes Bild, das über ordentliche Helligkeits- und Kontrastwerte verfügt. Einzig die Farbwiedergabe wirkt etwas zurückhaltend – das hat zur Folge, dass das Bild weniger lebhaft ist, was allerdings auch nur im direkten Vergleich zu einem anderen Display auffällt.

Software

Huawei hat lobenswerterweise darauf verzichtet, Android 2.3.5 mit einer eigenen Benutzeroberfläche zu versehen – stattdessen kann man zwischen dem Standard-Android Launcher und der SPB Shell 3D wählen. Diesen Ansatz finden wir sehr lohnenswert, da auf diese Weise dem Nutzer die Wahl gelassen wird – außerdem ist der SPB Shell 3D-Launcher, der im Android Market immerhin 10,45 Euro kostet, der optisch mit Abstand beeindruckendste Launcher.

Sowohl die Standard-Android-Oberfläche als auch der SPB Shell Launcher laufen jeweils sehr flüssig und ruckelfrei. Kamera-, Musik-Player- und die Galerie-App sind ebenfalls Android-Standard und wurden nicht wie bei anderen Herstellern durch eigene Apps ersetzt. Wem diese nicht gefallen, der findet im Android Market natürlich viele Alternativen. Für die Tastatur hat Huawei ebenfalls auf eine Eigenentwicklung verzichtet und kurzerhand die sehr gute und vor allem vielseitige Alternativ-Tastatur TouchPal installiert.

Telefonie/Gesprächsqualität

Die Gesprächsqualität ist generell gut: Man kann sein Gegenüber gut verstehen – allerdings ist der „Hörer“, der sich hinter einem kleinen Gitter versteckt, relativ leise, so dass man ständig versucht, während eines Gesprächs die Lautstärke nach oben zu korrigieren, auch wenn sich diese schon auf Maximum befindet.

Speicher

Das Huawei Vision verfügt über 2 GB internen Speicher, davon stehen dem Nutzer nach Inbetriebnahme noch knapp 900 MB zur Verfügung. Das ist zugegebenermaßen sehr knapp bemessen, aber man kann dieses knappe Gut natürlich durch microSD-Karten bis zu 32 GB erweitern. Eine Speicherkarte liegt dem Vision leider nicht bei, was wir sehr schade finden – wer also Musik hören will oder größere Spiele installieren möchte, muss wohl oder übel noch Geld in eine Speichererweiterung investieren.

Kamera

Das Huawei Vision besitzt ein 5 MP-Kamera, welche durchschnittliche Bilder schießt. Sie besitzen eine gerade noch ausreichende Schärfe, allerdings ist beim Hereinzoomen in die Bilder erkennbar, dass sie eine deutliche Körnung beinhalten. Ferner wird das Gesamtbild durch leichte Farbfehler, insbesondere auf der rechten Seite, getrübt. Davon abgesehen gehen Farbwiedergabe und Kontrast bei guten Lichtverhältnissen in Ordnung. Ein LED-Blitz beleuchtet Szenerien bei Nacht oder Dämmerlicht recht gut.

 
 
 
 

Das Huawei Vision nimmt Videos in Auflösungen bis zu 720p (1280×720) auf. Diese sind qualitätiv eher mäßig einzustufen. Insbesondere die deutliche Artefaktbildung schränkt die Qualität der Videos im 3GP-Format ein. Hier ein Testvideo vom Huawei Vision:

Performance

Im Huawei Vision kommt ein Single Core-Snapdragon-Prozessor von Qualcomm zum Einsatz, der mit 1 GHz getaktet wird. Das ist bei den aktuellen Dual Core-Geräten am Markt vielleicht nicht mehr ganz zeitgemäß, aber auch nicht völlig aus der Zeit gefallen. Für ein Mittelklasse-Smartphone ist die Ausstattung derzeit noch Standard und reicht auch vollkommen für den Alltag aus. Genau genommen läuft das Vision mit dem einkernigen Prozessor derart rund und flüssig, dass man einen zweiten Prozessorkern nur vermisst, wenn man grafisch aufwändige Spiele spielen will. Games wie Jelly Defense und NFL Flick Quaterback liefen ohne Probleme und konnten das Huawei Vision nicht aus der Reserve locken.

Für alle Zahlenliebhaber haben wir in jeweils drei Durchgängen folgende Benchmark-Ergebnisse gemessen:

  • Quadrant: 1912/1732/1831
  • AnTuTu: 2500/2567/2566
  • CF Bench: 2761(Native 4452, Java 1634) / 2947 (Native 4668, Java 1800) 2951 (Native 4676, Java 1801)

Alltagstauglichkeit

Die Akkulaufzeit des Huawei Vision ist weder deutlich besser noch schlechter als bei der Konkurrenz: Im Testbetrieb hat das Smartphone mit einer Ladung je nach Nutzungsintensität 1-2 Tage gehalten. Einen Punktabzug erhält das Vision allerdings dafür, dass der Akku fest verbaut ist und nicht getauscht werden kann. Das kann zwar einerseits mit dem Unibody-Gehäuse gerechtfertigt werden, auf der anderen Seite hat HTC bereits mehrfach bewiesen, dass allein dieser Umstand kein wirkliches Hindernis sein sollte.

 
 

Modifizierbarkeit

In diesem Bereich sieht es noch etwas düster aus: Weder bei XDA-Developers noch auf einer anderen Seite gibt es bisher Modifikationen oder wenigstens Root-Möglichkeiten für das Huawei Vision. Da wir davon ausgehen, dass Huawei keine großen Sicherheitsvorkehrungen wie zum Beispiel verschlüsselte Bootloader eingebaut hat, dürfte es aber hoffentlich nur eine Frage der Zeit sein, bis erste Mods und ROMs auftauchen.

Fazit

Das Huawei Vision erhält von mir durchaus eine Kaufempfehlung: Die Verarbeitung ist hervorragend, die Software-Ausstattung mit dem SPB Shell 3D Launcher und dem TouchPal-Keyboard sehr gut und die Performance des Snapdragon-Prozessors kann ebenfalls überzeugen. Bleibt der Preis. Unter dem Artikel zu unserem Unboxing-Video gab es einige kritische Kommentare, die die UVP des Vision von 300 Euro für die Ausstattung als nicht günstig angesehen haben. Natürlich haben sich einige ältere Geräte, wie das Nexus S, das Samsung Galaxy S oder das HTC Desire S inzwischen ebenfalls in dieser Preisregion niedergelassen, allerdings sollte man hier nicht vergessen, dass diese mit Unverbindlichen Preisempfehlungen von ungefähr 500 Euro begonnen haben. Es ist davon auszugehen, dass auch das Huawei Vision spätestens nach Ablauf der Fonic-Exklusivität im Preis einen Schritt nach unten machen wird. Und auch wenn der Preis sich bei 250 Euro einpendeln sollte, erhält man für das Geld ein wirklich solides und gutes Smartphone, an dem es nur wenig auszusetzen gibt.

Wertung

Display: 3/5
Verarbeitung und Haptik: 5/5
Software: 3/5
Performance: 3/5
Telefonie: 3/5
Kamera: 3/5
Konnektivität: 3/5
Alltagstauglichkeit: 4/5

Gesamt: 3,4/5
Preis/Leistung: 3/5

Pro

  • Unibody-Gehäuse
  • flüssige Bedienoberfläche
  • SPB Launcher 3D und TouchPal Keyboard vorinstalliert

Kontra

  • Akku nicht wechselbar
  • nur Single Core-CPU
  • wenig interner Speicher

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