Huaweis Aufstieg: Der wahre Grund, warum der chinesische Smartphone-Hersteller so erfolgreich ist

Stefan Bubeck 8

Apple ist bereits überholt und Samsung ist als Nächster dran: Huawei ist auf dem Weg an die Spitze im weltweiten Smartphone-Markt. Warum? Weil Samsung es mit Absicht erlaubt.

Huaweis Aufstieg: Der wahre Grund, warum der chinesische Smartphone-Hersteller so erfolgreich ist
Bildquelle: GIGA / Pixabay (Vektor).

Ist Huawei nur erfolgreich, weil es Samsung zulässt?

Warum rocken Huaweis Absatzzahlen seit Jahren? Ohne groß nachzudenken, wäre die folgende Antwort möglich: Huawei baut einfach bessere Smartphones als Samsung, LG, Apple oder Sony – deshalb verkaufen sie mehr und hängen die anderen ab und darum ist Huawei auch bald die Nummer 1 im Markt. Ein ganz klarer Fall …

… oder etwa doch nicht? Die guten Huawei-Handys sind nämlich nur ein Teil der Erklärung. In Wahrheit lässt der derzeitige Marktführer Samsung seinen Widersacher Huawei mit Absicht den Smartphone-Markt erobern. Das behauptet der Branchenveteran und Smartphone-Experte TechAltar in einem Video auf YouTube. Seine Argumente sind überzeugend.

Hier ist das Video von TechAltar auf YouTube in englischer Sprache:

Samsung Electronics hat Smartphones nicht mehr im Fokus

Um die Kernthese richtig zu verstehen, muss man eines wissen: Samsung Electronics ist ein gigantischer Konzern, der mehr als nur Smartphones produziert. Samsung ist der weltgrößte Chiphersteller (sogar größer als Intel) und stattet zahlreiche andere Unternehmen mit elektronischen Bauteilen aus, darunter auch Smartphone-Konkurrenten wie Apple. Dieses Halbleitergeschäft ist Samsungs Gelddruckmaschine, mit der das Smartphone-Geschäft trotz Spitzenprodukten wie Galaxy S9 und Note 9 einfach nicht mithalten kann.

Kein Wunder also, dass das südkoreanische Unternehmen hier Milliarden investiert und die Smartphone-Sparte geradezu stiefmütterlich behandelt. Oder wie es TechAltar formuliert: „Schaut euch diese Profite an! Samsung wäre dumm, wenn sie ihren Fokus auf Smartphones legen würden.“

Hier die grundlegende Situation als Grafik – die rote Kurve stellt die (explosionsartig wachsenden) Gewinne der Samsung-Halbleitersparte dar, die ganz klar das Smartphone-Business in den Schatten stellt:

Huawei übernimmt, weil Samsung freiwillig geht

Speicherchips, OLEDs, Prozessoren und (Kamera-)Sensoren – hier liegt Samsungs Zukunft. Im forschungsintensiven Halbleiter-Geschäftsbereich kann Samsung seinen technologischen Vorsprung viel besser verteidigen. Die Handys werden derweil immer unwichtiger.

Der Smartphone-Markt wird folgerichtig chinesischen Konkurrenten wie OnePlus, Vivo, Xiaomi oder eben Huawei überlassen. Diese bauen Triple-Kameras, hervorragend ausgestattete Handys zu Kampfpreisen oder integrieren den Fingerabdrucksensor im Display. All das hätte man einst von Samsung erwartet, nun richten sich die Blicke der Smartphone-Welt immer mehr in Richtung China, wo sich Huawei zum neuen Platzhirsch aufschwingt.

Huawei und Co.: Emporkömmlinge von Samsungs Gnaden

Dem abdankenden „Smartphone-König“ Samsung können diese neuen Emporkömmlinge egal sein, da man sich nun anderen Dingen widmet, die wichtiger sind. Zum Beispiel jedesmal ordentlich mitkassieren, wenn ein iPhone XS verkauft wird.

Die skizzierte Situation erinnert ein wenig an das japanische Unternehmen Sony, das zwar weiterhin (teils ganz ordentliche) Smartphones baut, aber sein Geld hauptsächlich mit dem Playstation-Ökosystem und Bildsensoren (für die Smartphones anderer Hersteller) verdient.

Wenn der aktuelle Aufsteiger Huawei in den nächsten Jahren alles richtig macht, wird das Unternehmen erst den Smartphone-Markt dominieren und dann eines Tages versuchen, in der Tech-Nahrungskette einen Platz nach oben zu rücken, indem es komplexere Produkte entwickelt und vertreibt. Also im Prinzip das, was der wahre Gewinner Samsung jetzt gerade vormacht.

Quellen: TechAltar, Counterpoint

Anmerkung: Auch Huawei ist mehr als nur ein reiner Smartphone-Hersteller. Das Unternehmen ist bereits seit Jahren weltweit als Ausstatter für Netzwerkinfrastruktur aktiv, unter anderem für Forschungseinrichtungen (CERN) oder Geschäftskunden.

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