Smartphones von Huawei, Apple und Co im Überangebot: Zu viel des Guten, hört endlich auf damit!

Sven Kaulfuss 23

Meiner Meinung nach gehört den Smartphone-Herstellern eine Diät verpasst. Mit einem schier unüberschaubaren Überangebot und Fülle an verschiedenen Handy-Modellen, versuchen Hersteller wie Huawei, Samsung oder sogar Apple die Kunden zum Kauf zu animieren. Eine eher zweifelhafte Strategie, die ich der aktuellen Wochenend-Kolumne anprangere.

Smartphones von Huawei, Apple und Co im Überangebot: Zu viel des Guten, hört endlich auf damit!
Bildquelle: GIGA + pixabay (Emoji).

In den Tagen des Kaufrausches – im „Neusprech“ Black Friday genannt – beschäftigen sich nicht wenige Zeitgenossen mit dem Erwerb eines neuen Smartphones. Offenkundig wartet ja an jeder Ecke ein Schnäppchen nur darauf entdeckt zu werden. Ganz so einfach ist die Hatz nach dem passenden Modell aber leider nicht, wie auch ich schmerzlich erfahren durfte. Das kaufwillige Töchterlein wendet sich vertrauensvoll an meine Wenigkeit mit der Bitte um einen profunden Kauf-Tipp – die allseits beliebte und heiß erkämpfte Mittelklasse zwischen 200 und 300 Euro soll es sein. Zuletzt verhallte mein diesbezüglicher Verweis auf ein günstiges iPhone SE vor einigen Wochen noch ungehört. Dem holden Teenager war der Bildschirm am Ende dann doch zu klein, damit scheidet Apple schon mal im gewünschten Preisbereich gänzlich aus.

Ein kleines „Lite“ macht bei Huawei und Konsorten den großen Unterschied:

Huawei P20, Pro und Lite: Kamera-Monster – oder nur dreiste iPhone-X-Klone?

Warum eigentlich nicht ein Modell von Huawei? Zunächst kommt mir Skepsis entgegen, denn der gemeine Klassenkamerad nutzt wohl hierzulande meist ein Modell von Samsung. Ein Kauf gegen den allgemeinen Gruppenzwang will überlegt sein. Dennoch schaffe ich es das Interesse in ihr zu wecken, immerhin ist Huawei stark im Kommen, hat Apple nach Stückzahlen schon auf den dritten Platz verdrängt und nimmt sich eben auch besagte Südkoreaner zur Brust. Hätte ich doch lieber meinen Mund gehalten.

Undurchschaubar: Mittelklasse-Smartphones am Beispiel von Huawei

Huaweis Strategie bei den teuren Premium-Smartphones ist noch halbwegs durchschaubar, in der Mittelklasse wird es allerdings leicht undurchsichtig. Im Wust der Angebote sticht zunächst das ins Auge. Allerdings verwundert doch stark der veraltete Micro-USB-Anschluss. Aber es gibt ja noch das P20 Lite – offensichtlich aber laut Nummerierung ein etwas schwächerer Prozessor, oder? Dafür gibt’s USB-C und noch einen Klinkenanschluss. Hinzu kommen dann noch diverse Vorjahresmodelle – taugen die eigentlich noch was? Und was ist eigentlich mit Honor – nur leicht veränderte Huawei-Smartphones unter anderem Namen. Was bitte soll ich denn nun davon im besagten Preisbereich kaufen? Das Honor 10, ein Honor 8X oder doch lieber das Honor Play?

Meine Gedanken zum Wochenende: Die Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren. Eine kleine Auswahl der bisherigen Artikel der Kolumne:

Ganz ehrlich: Ich sehe nicht mehr durch und bin kurz davor zu kapitulieren – und dies als Tech-Redakteur und ehemaliger Produktmanager, der seit Jahrzehnten in der Branche sein Unwesen treibt. Ich bin mir sicher, technisch weniger versierte Kunden haben nicht einmal den Hauch einer Chance in diesem Dschungel den passenden Ausweg und somit das optimale Produkt zu finden.

Tja, der Vergleich ist ja noch einfach, oder?

Bilderstrecke starten
9 Bilder
Huawei P20 Pro und Honor Play im Benchmark-Vergleich: Teuer gegen billig.

Muss die Kundenverwirrung bei Smartphones wirklich sein?

Es drängt sich in mir der Eindruck auf, diese Strategie der Kundenverwirrung wird von den Herstellern mit Vorsatz angewendet. Wirklich neu ist der Trick natürlich nicht, schon bei der „weißen Ware“ findet er seit Jahren Anwendung. Da gibt’s nahezu baugleiche Modelle von Waschmaschinen, Kühlschränken und mehr unter unterschiedlichen Modellnummern – meist getrennt nach Vertriebsweg. Ziel der „Nummernspiele“: Der Kunde soll nicht die Chance haben, unterschiedliche Angebote miteinander vergleichen zu können. Es gilt die Preistransparenz im Sinne des Herstellers und des Handels zu beseitigen. Einen wirklichen Gefallen tun sich die Smartphone-Hersteller mit einem ähnlichen Ansatz meiner Meinung nach aber nicht. Der mündige Kunde resigniert am Ende noch und verfängt nicht mehr in etwaigen Preisaktionen zu Schnäppchentagen.

Die Fülle an Huawei-Handys bei Amazon *

Deswegen liebe Hersteller: Hört bitte auf damit und seht den Kunden als Partner auf Augenhöhe. Er ist kein Freiwild, dem ihr mit derartigen Tricks auflauern müsst. Strafft euer Portfolio und erleichtert somit wieder die Wahl beim Kunden. Apple hatte dies einst wunderbar nach der Rückkehr von Steve Jobs umgesetzt. Leider driftet der Primus mittlerweile aber auch ab und offeriert mehr als nur zwei oder drei Smartphone-Modelle. Hinzu kommen auch hier Restposten abgekündigter iPhones. Kurios und absurd: Selbst Apple überlegt alte Modelle wieder neu aufzulegen – wir berichteten. Also, lieber ab sofort Diät halten und mal ordentlich ausmisten.

Hinweis: Die in diesem Artikel geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA TECH

* gesponsorter Link